Ein Turm der Architektur, ein Bauwerk wie eine Brücke: Studierende haben für ein „Bau-Kultur-Forum“ viele starke Ideen, wie ein Wettbewerb des Stuttgarter AIV – Architekten- und Ingenieurvereins belegt.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)

Dass ein Zentrum für Baukultur in Stuttgart überfällig ist, davon ist der AIV – Architekten- und Ingenieurverein Stuttgart überzeugt. Grund genug für den altehrwürdigen, 1842 gegründeten Verein, ein solches „Bau-Kultur-Forum“ mit einem studentischen Ideenwettbewerb voranzubringen.

Viel Potenzial für Stuttgart

Seit 1995 lobt der AIV regelmäßig solche Wettbewerbe aus – dieses Mal waren Studierende von fünf Hochschulen aus Stuttgart, Karlsruhe und Biberach aufgerufen, in der Landeshauptstadt eine „Adresse der Baukultur“ zu entwickeln – und zwar an einem „delikaten Standort“, wie der Preisrichter und Vereinsvorsitzende Arne Rüdenauer bei der Preisverleihung sagte: Als Grundstück hatte der Verein die oberen Schlossgartenanlagen vorgeschlagen, also justament in unmittelbarer Nähe zur Königstraße 1–3, die derzeit für ein solches „Zentrum Baukultur“ kontrovers diskutiert wird. Genau dieser Debatte dürften die nun in der Hochschule für Technik Stuttgart (HfT) präsentierten Ergebnisse spannende Impulse verleihen. Die unter den 24 Teilnehmern verliehenen drei ersten Preise und vier Anerkennungen führen eindrucksvoll vor Augen, welches architektonische, städtebauliche und kulturelle Potenzial ein solches Architektur-, Design- und Ingenieurbauzentrum bergen könnte.

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So bindet der mit einem ersten Preis gewürdigte Nils Frank von der HfT Stuttgart den Oberen und Mittleren Schlossgarten über die Schillerstraße hinweg mit einem extrem schlanken, lang gestreckten Brückenbauwerk so originell wie elegant zusammen. Ihn habe es gereizt, für diesen eigentlich unbebaubaren Ort einen Entwurf zu entwickeln, sagte der Master-Student. Sein Vorschlag eines transparenten Raumkontinuums wirkt laut der Jury von außen anziehend, mache von innen die Stadt und ihre grüne Lunge erlebbar und zudem „Lust auf Baukultur“. Mindestens genauso wagemutig ging Gilles Wohlleber vor. Der HfT-Student positionierte das Bauwerk in der historischen Achse des Neuen Schlosses als 100 Meter hohen „Turm der Architektur“ im Oberen Schlossgarten. Diese vertikale Lösung minimiere den Fußabdruck des Gebäudes, implementiere es aber gleichzeitig als „selbstbewussten, weithin sichtbaren Stadtbaustein im Stuttgarter Kessel“, heißt es im Entwurfskonzept. Für die auch konstruktiv überzeugende Arbeit gab es von der Jury unter dem Vorsitz des Architekten Arno Lederer ebenfalls einen ersten Preis.

Perfekte städtebauliche Position

Muss ein Forum für Baukultur selbst Baukultur darstellen? Diese Frage, die sie bejahten, fanden sie besonders spannend, sagen Cansu Coban und Verena Wilhelm von der Universität Stuttgart. Sie setzten ihren Baukörper in unmittelbare Nähe des künftigen Hauptzugangs des Tiefbahnhofs, eine Position, die laut Jury „perfekt funktioniert“, auch weil sie der Trennung der beiden Parkareale entgegenwirkt. Ihrem kubischen Solitär implantierten die Master-Studentinnen eine Rotunde, die von Nutzflächen umschlossen wird. In den Augen der Jury eine „sehr schlüssige, selbstbewusste Struktur“, die mit einem ersten Preis belohnt wurde. Unter den Anerkennungs-Projekten findet sich etwa ein Scheibenbau genauso wie eine Spirale in der Art des Guggenheim-Museums in New York – an kreativen Ideen für ein „Bau-Kultur-Forum“ mangelt es nicht, wie der Studierenden-Wettbewerb beweist.

Schau Noch bis Anfang April sind die prämierten Arbeiten in der HfT Stuttgart, Schellingstraße 24, Bau 1, ausgestellt.

Gewinner-Entwürfe in der Hochschule für Technik

Präsentation
Der AIV dokumentiert sämtliche Wettbewerbe auf seiner Homepage www.aiv-stuttgart.org. Noch bis Anfang April sind die prämierten Arbeiten des aktuellen Auszeichnungsverfahrens in der Hochschule für Technik Stuttgart, Schellingstraße 24, Bau 1, erster Stock, ausgestellt.