Studie der Commerzbank Firmen in Baden-Württemberg rechnen trotz Krise mit stabilen Geschäften

Fachkräfte gesucht: Viele Unternehmen in der Region beklage Personalmangel. Foto: imago/Sven Simon

Der Pessimismus in der deutschen Wirtschaft ist groß, doch kleinere Unternehmen in der Region schlagen sich wacker. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Umfrage.

Trotz der Konjunkturflaute in Deutschland sieht sich die Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg gut aufgestellt. Einer Studie im Auftrag der Commerzbank zufolge gehen die meisten Firmen von gesamtwirtschaftlicher Stagnation aus, bewerten ihre eigene Situation jedoch als überwiegend stabil und positiv. Drei Viertel erwarten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten eine gleichbleibende oder eine bessere Auftragslage.

 

Befürchteter Investitionsstau blieb aus

Laut der Studie hat jedes zweite Unternehmen in Baden-Württemberg Investitionsvorhaben in den vergangenen drei Jahren wie geplant umgesetzt. „Häufig wurde befürchtet, dass sich aufgrund der Unsicherheiten und Multikrisen ein Investitionsstau bildet“, sagt Michael Honig, der seit Kurzem neuer Gebietsleiter für den Geschäftsbereich Unternehmerkunden der Commerzbank am Standort Stuttgart ist und als solcher Verantwortung für weite Teile Baden-Württembergs trägt. „Die Ergebnisse zeigen: Die meisten der befragten Unternehmen sind zuversichtlich durch diese Zeit gegangen und haben mutig die Weichen für die Zukunft gestellt.“

Michael Honig Foto: Commerzbank/Christoph Goeckel

Allerdings sind die Aussichten auch in Baden-Württemberg keineswegs rosig. „Wir haben keine Signale von unseren Kunden für einen spürbaren Aufschwung“, sagte Honig im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Zeichen in der Region stünden eher auf Stagnation. Für die Unternehmen – vielfach kleinere inhabergeführte Betriebe – stehe im Vordergrund, stabil durch das konjunkturelle Tal zu kommen. Häufig setzten sie dabei auf Rücklagen und eigene Mittel, bei Krediten und Investitionen herrsche schwäbische Zurückhaltung. „Gezielt werden Themen angepackt, aber mit wenig Risiko“, so Honig.

Bürokratie, Regulierung, Steuern, Fachkräftemangel

Die größten Schwierigkeiten sehen die befragten Firmen in überbordender Bürokratie und Regulierung, steuerlichen Belastungen und dem Fachkräftemangel. Das sei jedoch keine neue Entwicklung, sondern entspreche dem Bild der Vorjahre.

Im Rahmen der Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos bundesweit 1600 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro, davon 100 in Baden-Württemberg. Die Umfrage fand von Mitte Juli bis zum 20. August 2024 statt, die Themen US-Wahlen und Ampel-Aus sind deshalb nicht darin berücksichtigt.

Die Rückkehr von Donald Trumps als US-Präsident spiele bei den kleineren Unternehmen im Land aber ohnehin keine so große Rolle wie bei exportorientierten Mittelständlern oder international aufgestellten Großkonzernen, sagt Commerzbank-Gebietsleiter Honig. Die Neuwahlen in Deutschland dagegen seien in Kundengesprächen eher ein Thema. Hier überwiege die Hoffnung auf eine künftig stärker wirtschaftlich geprägte Regierung.

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