Bis zu 27 Euro pro Quadratmeter: Eine Studie der Industrie- und Handelskammer vergleicht Ladenmieten im Kreis Böblingen – und appelliert an die Vermieter.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Region Stuttgart hat zuletzt eine Studie zur Mietsituation im Handel fertigen lassen. Das Ergebnis zeige, dass auch an vielen Standorten im Landkreis Böblingen Mieten aufgerufen würden, die für kleinere Händler und inhabergeführte Fachgeschäfte nur mit großer Mühe zu stemmen seien, so die IHK.
„In den teuersten Lagen im Kreis werden für Einzelhandelsflächen bis zu 27 Euro pro Quadratmeter Geschäftsfläche verlangt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kammer. „Die höchsten Mieten werden in der Bahnhofstraße in Böblingen aufgerufen.“
600 Unternehmen haben geantwortet
Der Durchschnittswert der Bestandsmieten in der Böblinger 1a-Lage liege bei 21 Euro je Quadratmeter Geschäftsfläche, je Quadratmeter Verkaufsfläche – also der Fläche, auf der tatsächlich Verkauf stattfindet – sind es sogar 38 Euro. Der in der IHK-Umfrage genannte Höchstwert dort betrug 27 Euro pro Quadratmeter Geschäftsfläche. Die Mieten in den Nebenlagen Böblingens liegen wohl deutlich darunter. „Hier wurden Höchstwerte von 15 Euro beziehungsweise 32 Euro gemeldet“, heißt es.
Wie die IHK berichtet, würden an anderen Standorten im Landkreis geringere Mieten für Handelsflächen verlangt. Die Mittelwerte für die 1a-Lagen liegen bei etwa 15 Euro in Sindelfingen, bei gut 12 Euro in Leonberg und bei knapp 11 Euro in Herrenberg. Die Belastung der Unternehmen ist bei Mieten bis zu 26 Euro je Quadratmeter Geschäftsfläche in einer Nebenlage Sindelfingens allerdings auch dort teilweise groß.
Der Studie liegt eine Umfrage zugrunde, die im Herbst 2024 mit Hilfe eines Dienstleisters durch ein Online-Verfahren, ergänzt durch ein schriftliches Verfahren, durchgeführt wurde. Geantwortet haben 600 Mitgliedsunternehmen des stationären Einzelhandels der IHK Region Stuttgart.
„Für viele kleinere Ladengeschäfte und insbesondere den Facheinzelhandel sind hohe Mieten schwer zu stemmen“, erläutert Marion Oker, Leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Böblingen. „Anbieter von Handelsflächen sollten bedenken, dass die Mieten erwirtschaftet werden müssen.“
Ein Vermieter habe eher Nachteile, wenn ein Fachgeschäft aufgrund einer hohen Miete aufgibt oder den Standort wechselt. „Daraus könnte auch ein längerer Leerstand resultieren und die Fläche mittelfristig eher an Wert verlieren“, gibt Oker zu bedenken. Insofern könnten maßvolle Mietabschlüsse nicht nur für die Mieter, sondern mittel- und langfristig auch für Vermieter besser sein.
Alle Akteure müssen zusammen arbeiten
Der Verlust von kleinen und individuellen Händlern würde immer auch das gesamte Stadtbild verändern, schlussfolgert Marion Oker. „Für viele Kunden macht aber gerade der individuelle Charakter eines Standortes die Attraktivität einer Innenstadt aus.“ Hinzu komme, dass die Bedeutung des stationären Einzelhandels durch den Onlinehandel ohnehin abgenommen habe. Die Innenstädte stünden insgesamt vor großen Herausforderungen. „Alle Akteure müssen zusammen dafür arbeiten, dass unsere Ortskerne und Innenstädte weiterhin Anziehungskraft behalten.“
Generell hätten die Mieten im Landkreis in den letzten Jahren aber insgesamt eher nachgelassen, schreibt die IHK. Grund dafür sei, dass weniger Handelsfläche nachgefragt werde. Viele Unternehmen hätten aufgegeben, zudem würden einige Mieter versuchen, ihre Flächen zu verkleinern. Dem gegenüber stehe, dass das Angebot eher zugenommen habe, auch wenn der größte Zuwachs mit den Mercaden in Böblingen bereits zehn Jahre her ist. Aus dieser Gemengelage ergibt sich, dass die Preise insgesamt sinken müssten.
Was aber nicht immer passiert. „Teilweise verhindern oder verlangsamen lange Laufzeiten der Mietverträge eine Anpassung nach unten“, heißt es von Seiten der IHK. Das mache es den Mietern schwer, auf diesen Flächen auskömmlich zu wirtschaften. Die Auswirkungen davon würden sich an vielen Standorten feststellen lassen: Leerstände seien längst keine Einzelfälle mehr.