Studie des Ifo-Instituts Steuerlast seit Jahrzehnten rückläufig

Vieles wird teurer, die Einkommensteuer ist aber rückläufig. Foto: dpa/Lino Mirgeler
Vieles wird teurer, die Einkommensteuer ist aber rückläufig. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Laut einer Studie des Ifo-Instituts bleibt den Bürgern heute mehr Netto vom Brutto als früher. Und das, obwohl die Sozialabgaben gestiegen sind.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)
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Frankfurt - Die Belastung durch Einkommensteuern und Sozialabgaben ist in den vergangenen 35 Jahren über alle Einkommensgruppen hinweg gesunken. Zu diesem Schluss kommt das Ifo-Institut in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Zwar stieg von 1986 bis 1996 die Steuerlast durch die Einführung des Solidaritätszuschlags. Nach dessen Senkung Ende der 90er Jahre und diversen Steuerreformen ging die Belastung aber wieder zurück und liegt heute insgesamt unter dem Niveau von 1986. Und das, obwohl die Sozialversicherungsbeiträge leicht stiegen.

Kontinuierlich gesunken ist die kombinierte Steuer- und Abgabenlast seit 1996. Einem Single mit einem durchschnittlichen Brutto-Haushaltseinkommen von damals rund 27 100 Euro wurden 1996 fast 40 Prozent seines Einkommens für Steuern und Sozialabgaben abgezogen. 2018 lag das durchschnittliche Brutto-Haushaltseinkommen bei 40 500 Euro, die Abgabenlast für Alleinstehende bei 37 Prozent. Sowohl bei sehr niedrigen als auch bei höheren Einkommen fällt die Entlastung deutlicher aus.

Familien profitierten auch von Erhöhung des Kindergelds

Auch Familien wurden durch die Reformen spürbar entlastet. Bei Eltern mit niedrigen und mittleren Einkommen bezog das Ifo-Institut die Erhöhung des Kindergelds in seine Berechnungen mit ein, um eine Vergleichbarkeit zu Eltern mit höheren Einkommen herzustellen, deren Steuerlast durch den Kinderfreibetrag gesenkt wird. Ergebnis: Wird das Kindergeld mit den zu zahlenden Steuern verrechnet, ergab sich für eine vierköpfige Familie mit einem durchschnittlichen Brutto-Haushaltseinkommen 2018 eine Steuer- und Abgabenlast von 16 Prozent. 1996 lag die Quote bei 19 Prozent.

Entscheidend für den Rückgang der Gesamtbelastung waren laut Ifo-Institut folgende Reformen: Der Eingangssteuersatz wurde von 22 Prozent im Jahr 1986 schrittweise auf 14 Prozent gesenkt. Der Spitzensteuersatz ging von 56 auf 42 Prozent zurück. Für extrem hohe Einkommen wurde 2007 allerdings die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent eingeführt, sie greift aktuell ab etwa 275 000 Euro. Zudem müssen Bezieher derart hoher Einkommen weiter den Solidaritätszuschlag zahlen, für rund 90 Prozent der Steuerzahler wurde dieser zu Jahresbeginn abgeschafft.

Indirekte Steuern sind gestiegen

Im Gegensatz zur Einkommensteuer ist die Mehrwertsteuer seit 1986 allerdings kräftig gestiegen: Von damals 14 auf 19 Prozent. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fließen bei den ärmsten fünf Prozent der deutschen Haushalte 14 Prozent des Bruttoeinkommens in die Mehrwertsteuer, bei Haushalten in der Mitte der Einkommensverteilung etwa neun Prozent. Auch die Energiesteuer auf Heiz- und Kraftstoffe ist gestiegen, 1999 wurde zudem eine Stromsteuer eingeführt.

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