Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit einem merklichen Rückgang der Hauspreise. Wo die Probleme liegen.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)

Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erwarten einen merklichen Rückgang der Immobilienpreise. Sie könnten um bis zu zehn Prozent fallen, sagte DIW-Mitarbeiter Konstantin Kholodilin in einem auf der Website des Instituts veröffentlichten Interview. Eine Immobilienkrise wie vor 15 Jahren in den USA oder in Spanien sei aber nicht zu erwarten, betonte Kholodilin. Er erwarte „eine moderatere Blase mit nicht mehr als zehn Prozent Einbruch“.

Auf Rückfrage unserer Zeitung verwies Kholodilin auf Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Danach sind die Hauspreise in den USA von 2007 bis 2012 um rund ein Viertel gefallen. In Spanien ging es von 2007 bis 2013 um mehr als 60 Prozent bergab, dort haben sich die Immobilienpreise bis heute nicht vollständig erholt.

Die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt weiter das Angebot

In Deutschland sei mit derart drastischen Preiseinbrüchen nicht zu rechnen, heißt es in einer von Kholodilin und seinem Kollegen Malte Rieth veröffentlichten Analyse. Zwar dürften die steigenden Zinsen für Immobiliendarlehen die Nachfrage nach Häusern und Eigentumswohnungen drücken. Gleichzeitig bremse der Anstieg der Finanzierungskosten aber auch den Neubau, sodass das Angebot knapp bleibe. „Der Wegzug aus großen Städten in den Coronajahren 2020 und 2021 ist zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig kommen wieder deutlich mehr Menschen nach Deutschland.“ Die Politik müsse daher „mehr Schwung in die Neubautätigkeit bringen“.

Im zurückliegenden Jahrzehnt haben sich laut den DIW-Berechnungen die Preise von Einfamilien- und Reihenhäusern etwa verdoppelt, die Preise von Eigentumswohnungen stiegen sogar um 150 Prozent. Diese Durchschnittswerte bezieht sich auf Daten des Immobilienverbands Deutschland (IVD) für 97 Städte. Demnach sind die Preise auch in diesem Jahr weiter gestiegen. Zahlen des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp weisen indes auf einen Rückgang in den letzten beiden Quartalen hin.

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