Die großen Unterschiede bei der Lebenserwartung in Deutschland sind offenbar auf das Rauchen zurückzuführen, wie eine Studie nun zeigt. Wo besonders viel geraucht wird.

Unterschiede bei der Lebenserwartung innerhalb Deutschlands lassen sich einer aktuellen Studie zufolge „zu einem erheblichen Teil“ auf das Rauchen zurückführen. Wenn in Süddeutschland, wo der Anteil von Raucherinnen und Rauchern relativ gering sei, kein Mann rauchen würde, läge die mittlere Lebenserwartung dort um ein Jahr höher, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden mit. In Nordrhein-Westfalen sei der Unterschied in der Lebenserwartung mit 1,7 Jahren deutlich größer. Für Frauen betrage der Verlust an Lebenserwartung im Süden durchschnittlich 0,7 Jahre, in Nordrhein-Westfalen 1,3 Jahre.

Die regionalen Unterschiede bei der Verbreitung des Rauchens seien auch historisch bedingt, erläuterte Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität am BiB und einer der Studienleiter: „Als sich das Rauchen pandemieartig im 20. Jahrhundert in vielen Ländern ausbreitete, war der Nordwesten Deutschlands stärker betroffen als der Süden.“ Dies sei bis heute sichtbar.

Was ist mit den sozioökonomischen Gründen?

Der Befund der Studie sei kein Widerspruch zu der weitverbreiteten Erklärung, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung vor allem sozioökonomische Gründe hätten, sagte BiB-Forschungsdirektor Sebastian Klüsener. Das Rauchen konzentriere sich zunehmend in sozial benachteiligten Bevölkerungsteilen. Dabei wiesen wirtschaftlich schwächere Regionen tendenziell höhere Anteile an Rauchenden auf.

Zur unterschiedlichen Lebenserwartung in Ost- und Westdeutschland hieß es, dass diese nur zu einem kleinen Teil auf das Rauchverhalten zurückzuführen sei. Hier spielt laut BiB der schwierige Transformationsprozess nach der Wende eine große Rolle. Würde niemand rauchen, wäre die Lebenserwartung in Gesamtdeutschland bei Frauen um 0,9 und bei Männern um 1,4 Jahre höher.