Studie Viele Mittelständler zahlen Minuszinsen

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Knapp ein Drittel der Unternehmen sind laut einer neuen Umfrage betroffen, auch reiche Privatkunden müssen bei einigen Banken Strafzinsen auf ihre Guthaben entrichten. Kleinsparer blieben bislang verschont.

Banken müssen bei der EZB-Strafzinsen zahlen – das hat Folgen. Foto: dpa/Boris Roessler
Banken müssen bei der EZB-Strafzinsen zahlen – das hat Folgen. Foto: dpa/Boris Roessler

Frankfurt - Negativzinsen belasten knapp ein Drittel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Das geht aus einer Umfrage unter 500 Firmen hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa und die Commerzbank am Mittwoch in Frankfurt präsentierten. 29 Prozent der beteiligten Unternehmen gaben an, in den zurückliegenden zwölf Monaten Negativzinsen auf Bankeinlagen gezahlt zu haben. Der Hintergrund: Viele Kreditinstitute geben die Minuszinsen, die sie selbst auf ihre Guthaben bei der Europäischen Zentralbank (EZB) entrichten müssen, an Großkunden weiter. Die Umfrage fand im Sommer statt, noch ehe die EZB ihren Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent senkte.

Überdurchschnittlich stark betroffen sind der Studie zufolge Dienstleistungsunternehmen. 36 Prozent der Befragten aus dieser Branche haben in der jüngsten Vergangenheit Negativzinsen gezahlt. Der Grund sei vermutlich, dass Dienstleister einen besonders großen Bedarf an jederzeit abrufbaren Mitteln hätten, sagte der Commerzbank-Manager Oliver Haibt. Sie haben demnach im Vergleich zu Industriebetrieben weniger Spielraum, Geld längerfristig anzulegen und dadurch Negativzinsen zu vermeiden.

Ebenfalls bei 36 Prozent liegt der Anteil der Betroffenen unter Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro aufwärts. Gemessen an den Gesamtumsätzen dürften die mit Negativzinsen belegten Summen aber weniger stark ins Gewicht fallen als bei kleineren Firmen, gab Haibt zu bedenken. Das Gros der befragten Unternehmen kommt auf Umsätze zwischen 15 Millionen und 249 Millionen Euro.

Commerzbank empfiehlt Umschichtung von Guthaben

Auch die Commerzbank erhebt Negativzinsen von Unternehmenskunden, oberhalb eines Freibetrags, der individuell festgelegt wird. Maßgeblich dafür sei unter anderem der Liquiditätsbedarf des Kunden, sagte Haibt – also die Frage, wie viel Geld das Unternehmen für seine laufenden Geschäfte ständig verfügbar halten muss. „Die Liquiditätsplanung war bislang immer sehr auskömmlich, jetzt packen die Kunden etwas weniger Geld in den direkt verfügbaren Bereich.“ Durch Umschichtung eines Teils der Mittel in Termingelder, auf Fremdwährungskonten oder durch Investitionen in Aktien und andere Anlageformen könnten Negativzinsen reduziert oder ganz vermieden werden.

Laut der Forsa-Studie reagieren 37 Prozent der betroffenen Unternehmen auf die Erhebung von Negativzinsen mit einer Umschichtung ihres Geldes in andere Anlageformen. 32 Prozent gaben an, weniger Geld zu horten und verstärkt ins eigene Unternehmen zu investieren. Letzteres wäre durchaus im Sinne der EZB. Sie will mit den umstrittenen Negativzinsen nämlich erreichen, dass mehr Geld ausgegeben und weniger zurückgelegt wird.

Ein Viertel der Betroffenen unternimmt gar nichts

Eine weitere Reaktion auf Negativzinsen ist der Wechsel der Bank: 26 Prozent der betroffenen Unternehmen griffen nach eigener Aussage zu diesem Mittel. 25 Prozent haben ihr Anlageverhalten trotz Minuszinsen überhaupt nicht geändert.

Es gibt Banken und Sparkassen, die neben Unternehmen auch reiche Privatkunden mit Negativzinsen belasten. Auch hier gibt es Freibeträge, die je nach Institut von 100 000 Euro bis zu einer Million Euro reichen. Die jüngste Verschärfung des Zinssatzes durch die EZB haben erste Banken nachvollzogen, ihre Großkunden zahlen nun 0,5 Prozent auf ihre Guthaben.