Künftig wird das Fraunhofer-Institut einen Studiengang zur Künstlichen Intelligenz am Neckar anbieten. Dabei geht es um Geschäftsmodelle für komplexe Dienstleistungssysteme mit großen Datenmengen. Davon profitieren sollen auch die mittelständischen Unternehmen in der Region.

Heilbronn - Der Bildungscampus der Dieter-Schwarz-Stiftung in Heilbronn wird immer mehr zum Forschungscampus: Zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), mit ihrem umfangreichen Forschungsprogramm, und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Heilbronn siedelte im letzten Jahr mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität München ein echter „Big Player“ an, was für nationales Aufsehen sorgte. Nun kam mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) ein weiterer Forschungsbereich dazu. Dort sollen Fragen zur Künstlichen Intelligenz bei Dienstleistungsangeboten behandelt werden.

Um den Startschuss zu geben, war am Freitag auch die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gekommen. Sie sagte, Künstliche Intelligenz sei der wesentliche Wachstumstreiber für das Land, hier – und nun auch in Heilbronn – werde Grundlagenforschung betrieben, die hinaus nach Deutschland aber auch in die USA gehe. „Wir brauchen die Baustelle Forschung“, sagte auch Reinhold Geilsdörfer, der Geschäftsführer der Schwarz-Stiftung. Mit der Ansiedlung des Fraunhofer-Instituts stellen sich aber auch andere Fragen – etwa die, wie weit der Ehrgeiz der Schwarz-Stiftung über ihr einstiges Ziel „Lebenslanges Lernen“ noch gehen wird. Geilsdörfer dazu: „Der Name Bildungscampus ist nach wie vor passend und drückt genau das aus, was auf dem Gelände zu finden ist: lebenslanges Lernen.“ Das Ziel sei es, Wege für Menschen in verschiedenen Lebensphasen zu ebnen und Perspektiven aufzuzeigen. „Wir stehen als Stiftung für ganzheitliche Ansätze entlang der Bildungsbiografie.“

Auch die Unternehmen sollen profitieren

Die zweite Frage ist die nach dem Nutzen. Die Macher betonen, dass auch Unternehmen der gesamten Region davon profitieren sollen. Das Fraunhofer IAO wird das Angebot des Bildungscampus erweitern, da „Digitalisierung und Verfahren der Künstlichen Intelligenz die Wertschöpfungsketten in der Industrie erheblich verändern“, so die Begründung. Datenbasierte Geschäftsmodelle seien für Unternehmen unerlässlich. Zielgruppe der Technischen Universität München sind mittelständische und familiengeführte Unternehmen, deren digitaler Wandel forschend begleitet werden soll. Mit Kodis sollen in einem neuen Innovationslabor und unter Beteiligung der Münchner und der Hochschule Heilbronn (HHN) auf dem Bildungscampus datengestützte Lösungen und Geschäftsmodelle für komplexe Dienstleistungssysteme mit großen Datenmengen unter Einsatz von Verfahren der KI entwickelt werden, auch als Angebot für die mittelständische Unternehmenslandschaft der Region.

Urbaner Wirtschaftsverkehr im Stadtteil Neckarbogen

Dafür plant das Fraunhofer IAO ein Zentrum mit dem sperrigen Namen „Collaborative Service System Engineering and Simulation Lab“. Auf Deutsch: Prozesse und Entscheidungsmuster komplexer Dienstleistungssysteme sollen analysiert, simuliert und entwickelt werden. Hochleistungsfähige Rechner und Visualisierungstechnologien stehen dafür in Heilbronn und Stuttgart bereit.

Da wehte ein Hauch von Silicon Valley durch die Luft – so wie schon seit langem im Zukunftspark Wohlgelegen in Heilbronn. Dort werden mit 200 Millionen Euro Fondsvolumen und einem Investitionsvolumen von bis 15 Millionen vorwiegend aus der gleichen Quelle Technologie-Start-ups von einem privat finanzierten Family-Office gefördert und an Heilbronn gebunden – und das mit Erfolg.

Auch auf der Bundesgartenschau haben die Hochschule Heilbronn und das Fraunhofer IAO ein Forschungsprojekt zum urbanen Wirtschaftsverkehr entwickelt und im Stadtteil Neckarbogen erproben lassen. Professor Wilhelm Bauer, der Leiter des Fraunhofer IAO-Instituts, ließ keinen Zweifel daran, dass diese Zusammenarbeit erst der Anfang dessen sei, was man in Heilbronn entwickeln werde. Kodis werde alle Branchen ins Visier nehmen, für die Anwendung der Forschungen werde es keine Grenzen geben, auch nicht für das, was von Heilbronn aus in die Welt gehen werde. Er sagte: „Geld ist da, jetzt muss man die richtigen Leute finden.“