Studieren in Corona-Zeiten So fühlen sich Erstis nach dem Online-Semester

Von Franziska Schmock 

Die Corona-Pandemie hat auch vor den Hochschulen und Universitäten im Land keinen Halt gemacht. Vor allem für Studienanfänger war das eine Herausforderung. So kamen sie rückblickend damit klar.

Die Hörsäle der Universitäten und Hochschulen im Land blieben im letzten Semester leer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Sebastian Gollnow 3 Bilder
Die Hörsäle der Universitäten und Hochschulen im Land blieben im letzten Semester leer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Sebastian Gollnow

Stuttgart - Der Sommer ist vorbei und das Wintersemester kommt in großen Schritten näher. Doch die Corona-Pandemie ist auch an deutschen Hochschulen und Universitäten noch immer allgegenwärtig. Wer im vergangenen Frühjahr angefangen hat zu studieren, hat von der Uni oft nichts gesehen. Das Virus hat das Studentenleben umgekrempelt und vor allem Erstsemestern den Studienstart erschwert. Die Plattform „Zoom“ wurde zum neuen Vorzeigehörsaal, WhatsApp-Gruppen überlebensnotwendig und das E-Mail Postfach quoll über. Campusleben? Fehlanzeige. Menschen, die sich vor der Uni tummeln, WG-Parties, volle Bibliotheken und Beschwerden über das Mensa Essen, all das fehlte im letzten Semester.

Auch Dilara Colak hat das klassische Studentenleben sehr vermisst: “Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich wirklich studiere“. Sie hatte im März an der Hochschule der Medien in Stuttgart ihr Studium begonnen. An der Uni selbst war sie vorher nur einmal: „Bei der Media Night“, einer Art Tag der offenen Tür. Sie hätte Anfang des Jahres noch nicht gedacht, dass das Corona-Virus die Welt derartig stilllegt.

Herausforderung „E-Learning“

Die Lehre an den Universitäten und Hochschulen musste trotz Kontaktbeschränkungen weitergehen – Online. Auch wenn die Erstis des letzten Semesters zu den sogenannten „Digital Natives“ gehören, fiel das digitale Lernen nicht allen leicht. „Es ist natürlich eine andere Motivation, aufzustehen und in die Schule oder die Uni zu gehen, oder einfach den PC anzumachen und sich dann wieder hinzulegen“, sagt Anna Simacher. Sie hat im vergangenen Semester ihr Biologiestudium an der Uni in Tübingen begonnen. „Die Klausuren liefen trotzdem alle gut“, sagt sie. Dilara Colak war zuhause oft abgelenkt. Außerdem haperte es laut ihr an Organisation und Kommunikation: „Ich habe mich im Stich gelassen gefühlt“, sagt die 21-Jährige. Weder Professoren noch Kommilitonen habe sie persönlich kennengelernt. „Die Hemmschwelle, über Online-Plattformen Fragen zu stellen, war sehr hoch“, sagt sie.

Anna Simacher kann das Gefühl bestätigen: „Man war leider relativ viel auf sich alleine gestellt“. Das Online-Semester sah sie als Herausforderung, auch wenn sie kurz überlegt hatte, „vielleicht doch nicht so ernsthaft“ zu studieren. Ihr hat vor allem eine feste Struktur gefehlt. Oft wurden Unterlagen, die sie bearbeiten mussten, nur unregelmäßig hochgeladen. Drum herum planen sei kaum möglich gewesen. Eine Art Stundenplan hat der 19-Jährigen gefehlt. Trotzdem lobt sie die Professoren: „Dafür, dass es für alle so spontan war, hat es gut geklappt“.

Beide sind sich einig, dass das Online-Semester ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit war. Anna Simacher sieht es als Vorteil gegenüber anderen Studierenden, dass sie im ersten Semester so auf sich allein gestellt war. „Es ist wichtig, selbst die Initiative zu ergreifen und zu lernen, seinen Alltag zu strukturieren“, sagt sie. „Ich war dankbar, das in diesem Umfeld lernen zu dürfen“.

Digital Freunde finden

Trotz allem entstanden auch im letzten Semester Freundschaften. Das lief größtenteils über Whatsapp ab, wie Dilara Colak berichtet. „Manche meiner Kommilitonen kenne ich aber auch überhaupt nicht“, sagt sie. Anna Simacher hatte die letzten Wochen Laborpraktikum. „Es war schön, die Kommilitonen kennenzulernen und sich auch mal live zu sehen“, sagt sie. Die 19-Jährige ist sich sicher, im nächsten Semester schnell Anschluss zu finden.

Anna Simacher wünscht sich, dass das kommende Semester mit mehr Präsenzveranstaltungen einhergeht. Diesen Wunsch hat auch Dilara Colak. Mit Blick auf das Corona-Virus ist sie aber vorsichtig: „Lieber bleiben wir alle gesund und Zuhause, anstatt Präsenzunterricht zu erzwingen und zu riskieren, dass der ein oder andere doch krank wird“. An der Hochschule der Medien ist eine Mischung aus Präsenzveranstaltungen und E-Learning geplant. Feste Gruppen von bis zu 35 Personen dürfen laut neuer Corona-Verordnung wieder zum Lernen zusammenkommen. Die Universitäten und Hochschulen im Land arbeiten an Konzepten, um trotz der beschränkten Platzverhältnissen wieder so viel Lehre wie möglich auf dem Campus zu ermöglichen.




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