Wohnungsnot zum Semesterbeginn Angehende Akademiker suchen ein Zuhause
Nennen Sie eine bewohnbare Abstellkammer Ihr Eigen? Viele Studierende suchen gerade eine Notunterkunft für zwei bis drei Wochen.
Nennen Sie eine bewohnbare Abstellkammer Ihr Eigen? Viele Studierende suchen gerade eine Notunterkunft für zwei bis drei Wochen.
Stuttgart - Am 14. Oktober beginnen an der Universität Stuttgart und an der Universität Hohenheim die Vorlesungen. Unter erfahrenen Profistudentinnen und -studenten hält sich das Gerücht: In der ersten Woche wird meist über Organisatorisches gequatscht, da muss man nicht zwingend hingehen, da kann man auch zuhause bleiben. Allein: Was tun, wenn man noch kein Zuhause hat?
Die Wohnungsnot in Stuttgart ist zu Semesterbeginn stets am größten. Etwa 58 000 Studierende leben in der Stadt. An der Uni Hohenheim sind 9200, an der Universität Stuttgart gut 25 000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben.
„Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand uns reicht“, heißt es in Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“. Doch damit man in Stuttgart nicht an fremde Lebkuchenhäuser klopfen muss, hilft nicht Gott der Herr, sondern der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Hohenheim: Unter dem Motto „Gästezimmer statt Feldbett“ sucht der AStA Notunterkünfte für Studierende. Die Aktion hört auf den Namen „WG hilft!“
Und so funktioniert’s: Wer gerade ein freies Zimmer, eine Schlaf-Couch oder eine Gästematratze zur Verfügung hat und als Notunterkunft anbieten möchte, tippt https://vs.uni-hohenheim.de/wghilft in seinen Internetbrowser und macht dort ein paar Angaben zur angebotenen Bleibe. Wichtig: Hierbei handelt es sich ausschließlich um kostenlose Angebote. Wer eine Wohnung kostenpflichtig vermieten möchte, kann dies mithilfe der Wohnungsbörse der Universität Hohenheim tun.
Zu den Angaben zählen etwa die Fragen: Wie lange können die Studierenden bleiben - eine Woche, zwei Wochen, drei oder länger? Gibt es einen Hund oder eine Katze in der Wohnung? Ist die Wohnung barrierefrei? Welche Sprachen werden im Haushalt gesprochen?
Warum aber haben so viele Studierende zum Semesterbeginn noch keine Unterkunft? „Zwei Gruppen von Studierenden sind von diesem Problem besonders betroffen“, sagt Andrea Bauer vom AStA: „Erstsemester, die erst spät zugelassen wurden und deshalb noch nicht ausreichend Zeit hatten, ein Zimmer zu suchen. Und internationale Studierende, deren Mietvertrag im Wohnheim ausgelaufen ist.“
Die Wohnheime sind bekanntlich ohnehin überfüllt: Ein neues Hohenheimer Wohnheim mit 253 Plätzen wurde zwar Anfang des Jahres in der Egilolfstraße eingeweiht. Doch für die insgesamt 557 freien Plätze haben sich bislang schon 1041 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Das Studierendenwerk stellt in Gemeinschaftsräumen zehn bis fünfzehn Feldbetten bereit. Das soll aber eine absolute Notlösung bleiben.
Die Studierendenvertretung betont, dass es häufig schon enorm hilfreich sei, wenn Hilfsbereite einen Schlafplatz auch nur vorübergehend bereitstellen können.
Die bisherigen Erfahrungen mit „WG hilft!“ seien positiv: „Viele studentische Wohngemeinschaften und auch Uni-Mitarbeiter haben sich in den letzten zwei Jahren solidarisch gezeigt. Dennoch gibt es regelmäßig deutlich mehr Nachfragen als Plätze. Wir hoffen deshalb, dass wir dieses Mal nicht nur Uni-Angehörige, sondern auch den einen oder anderen hilfsbereiten Anwohner für die Aktion gewinnen können“, erklärt Bauer.
Ähnlich ist die Lage an der Universität Stuttgart. Die derzeit mehr als 7200 Plätze in den 35 Wohnanlagen des Studierendenwerks sind begehrt und reichen bei Weitem nicht aus. Manche dieser Wohnplätze befinden sich in Ludwigsburg und Esslingen. Zur Erweiterung der Kapazitäten soll am Campus Vaihingen ein Neubau mit 223 Wohnplätzen entstehen. Darüber hinaus ist in Vaihingen das Bauprojekt Allmandring V geplant. Die Wettbewerbsausschreibung für das Projekt erfolgt im Herbst 2019. Je nach Entwurf sollen hier bis zu 500 neue Wohnplätze entstehen. Aber all das hilft den Studenten im Moment natürlich wenig.
Drum gibt es nicht nur in Hohenheim, sondern auch in Stuttgart Initiativen: Das Studierendenwerk Stuttgart und der Eigentümerverband Haus & Grund versuchen seit sieben Jahren, private Vermieter und Vermieterinnen dafür zu gewinnen, ihren Wohnraum an Studierende zu vermieten. „Unsere Mitglieder stellen dem hiesigen Wohnungsmarkt rund 75 000 Wohneinheiten zur Verfügung“, so Klaus Lang, Vorsitzender von Haus & Grund Stuttgart: „Hier sind sicherlich auch Wohnungen dabei, die sich für Studierende eignen.“ Das Studierendenwerk Stuttgart hat die Website www.platz-fuer-studierende.de eingerichtet, auf der potenzielle Vermieterinnen und Vermieter ihr Angebot einstellen können. Wohnungssuchende Studierende nehmen dann direkt Kontakt auf.