Studierendenwerk Stuttgart Warum die neue Mensa mit neuem Konzept punktet

Gastrochef Andreas Grafmüller freut sich, dass die Studierenden nicht nur das Essen schätzen, sondern auch die Pfandschalen wiederbenutzen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Gastrochef Andreas Grafmüller freut sich, dass die Studierenden nicht nur das Essen schätzen, sondern auch die Pfandschalen wiederbenutzen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Unibetrieb auf dem Campus ist heruntergefahren. Trotzdem hat das Studierendenwerk Stuttgart nahe dem Hauptbahnhof eine neue Mensa eröffnet, mit neuem Konzept. Manche Studierenden nehmen den Umweg gern in Kauf.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Stuttgart - Streng genommen liegt eine der Hauptaufgaben des Studierendenwerks Stuttgart gerade ziemlich darnieder. Statt wie in normalen Zeiten gibt sie nicht 12 500 Mensaessen pro Tag aus, sondern in Stuttgart gerade mal bis zu 500 auf dem Vaihinger Campus und 250 in der gerade erst eröffneten Mensa Central an der Ossietzkystraße beim Hauptbahnhof. Es ist der Ersatzstandort für die Mensa Holzgartenstraße, die wegen Sanierung mindestens bis 2025 geschlossen ist. In der Mensa Central, nicht gerade in Katzensprung-Entfernung vom Unicampus Stadtmitte, erprobe man ein neues Konzept, berichtet Andreas Grafmüller, Leiter der Gastronomie im Studierendenwerk.

Der Ort kommt diesen Ansprüchen entgegen. Denn die Mensa konnte die ehemaligen Räume der EnBW-Kantine beziehen. In der früheren Privatküche vom EnBW-Vorstand steht jetzt die Nudelmaschine des Studierendenwerks. Dort werden jetzt Pasta für alle fabriziert. Für alle, das meint vor allem: alle mit Studierendenausweis, die diesen aufgeladen haben. Denn bezahlt wird ausnahmslos ohne Bargeld.

Pfandschalen-Verweigerer kriegen Bambusschälchen

Zwei Studierende der Uni Stuttgart ordern die Allgäuer Kässpätzle und die Fleischküchle mit Pfefferrahmsauce und Spirelli zum Studi-Sonderpreis von 2,40 und 2,80 Euro. Natürlich in der Pfandschale, der Rebowl, die es jetzt in der Mensa für das Abholessen gibt. Andreas Grafmüller erklärt: „Wir wollen uns von dem Verpackungswahnsinn lösen.“ Zwei Drittel der Esser nutzten die praktische Schale bereits. „Es gibt aber auch noch Verweigerer“, sagt Grafmüller, „die kriegen dafür Bambusschälchen, ökologisch gut abbaubar.“ Für die vor den Augen jedes Bestellers final zubereiteten Fusilloni Carbonara aus der hauseigenen Nudelmanufaktur mit frischen Frühlingszwiebelröllchen und die Malaysische Gemüsebowl mit Saté-Soße müssen Hungrige etwas tiefer in die Tasche greifen und sind mit jeweils 4,45 Euro dabei – Gäste müssen noch zwei Euro drauflegen. Die Kostprobe belegt: Mit so einer Verpflegung muss ein Studium selbst in Coronazeiten gut durchzuhalten sein. Alles werde täglich frisch zubereitet, vieles komme aus der Region. „Bis Ende des Jahres wollen wir die CO2-Berechnung für jedes Essen darstellen“, sagt Grafmüller.

Das System für die Sitzplatzbuchung darf nicht genutzt werden

350 Plätze bietet die Mensa Central, „wir möchten dort täglich mehr als 2000 Essen anbieten“, so Grafmüller. Doch sitzen ist ja gerade nicht – wegen Corona. Dabei sei das System für eine Sitzplatzbuchung bereit. „Wir dürfen es im Moment nur nicht nutzen“, sagt Grafmüller. Auch für die Kaffeebar, die auch Vesper bereithält, gilt: abholen ja, sitzen nein. Von seinen 206 Mitarbeitern seien derzeit 180 in Kurzarbeit. Wie viel der Einnahmenausfälle in Millionenhöhe beim Mensabetrieb vom Land ersetzt werden, weiß Grafmüller nicht. Er hofft: „Spätestens im Wintersemester sind wir wieder alle dabei.“ Er meint damit auch die vier Mensen und sechs Cafeterien in Stuttgart. Das Frischekonzept aus der Mensa Central wolle man dann nach und nach auch auf die anderen Standorte übertragen, erklärt der Gastrochef. Doch man habe erst sehen wollen, „ob das funktioniert, ob wir das können“.




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