Studio de Pasquale aus Stuttgart Florale Kunst aus Stuttgart auf der Art Miami

Von Stuttgart nach Miami: Valentina Teinitzer mit ihrer floralen Kunstinstallation „Current“. Foto: Lara Slevec/Lara Slevec

Flower-Bomb-Aktionen, außergewöhnliche, florale Installationen für große Kampagnen und schon bald auf der Art Miami: Die Stuttgarter Blumenkünstlerin Valentina Teinitzer mischt mit ihrem Studio de Pasquale nun auch die internationale Kunstszene auf.

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

Die „Flower Bomb“ ist geplatzt, jetzt ist es raus, Valentina Teinitzer stellt auf der Art Miami, einer der führenden Ausstellungen für zeitgenössische Kunst in den USA, aus. Bäääm. Die 30-jährige Stuttgarterin kommt kaum zum Durchatmen.

 

Wenn sie nicht gerade Veranstaltungen wie zuletzt die Stelp-Gala floral aufwertet, sprintet sie zwischen Blumenmarkt, Studio, Workshops und Jobs im Ausland hin und her – always on the run. Aber warum auch nicht, solange einem die Puste dabei nicht ausgeht.

„Ich wollte schon immer viel unterwegs sein und reisen – und vor allem auch internationaler arbeiten. Seit letztem Jahr habe ich auch viele Jobs im Ausland, vor allem in Italien und Spanien. Das verkompliziert natürlich die Arbeitsprozesse, aber es macht so viel mehr Spaß!“ Man würde so Orte besuchen, die man sonst nicht kennenlernen würde und natürlich auch mit anderen Blumen arbeiten können.

Große Kampagnen für internationale Brands

Valentina hat auf jeden Fall noch gut Luft und auch Lachen, aber das war nicht immer so und vor allem ist ihr Job richtig harte Arbeit – so schön, leicht und farbenfroh es am Ende doch auch aussieht.

Valentinas Installation für Walter Knoll (Salone del Mobile). Foto: Philip Kottlorz Photography/Philip Kottlorz Photography

Aber hey, die leidenschaftliche Blumenkünstlerin hat es nicht anders gewollt und bestätigt: „Ich habe mich selbstständig gemacht und mir war einfach klar: Ich will große Kampagnen shooten, für internationale Brands und florale und botanische Welten erschaffen, die sich andere nicht vorstellen können.“

Florale Installationen treffen auf Kunstwelt

Gleichzeitig habe sie ihren Fokus auf florale Installationen gelegt. „Und dass die sich gerade so in die Kunstrichtung entwickelt haben, das passiert ja erst seit einem Jahr.“ Zunächst musste die Brand an Bekanntheit gewinnen.

Nach Guerilla-Aktionen in der Stuttgarter Innenstadt, den sogenannten Flower-Bombs, wurden immer mehr Menschen und auch größere Brands auf Valentina aufmerksam. „Seitdem düse ich von Job zu Job, von Projekt zu Projekt und das immer noch alleine. Ich manage wirklich alles allein.“

Für die Projekte würde sie sich kleine Teams aus kompetenten Freelance-Florists/Designer:innen aus aller Welt zusammenstellen, die mit ihr und nicht für sie arbeiten. „Aber es müssen eben auch Menschen sein, die schnell sind, präzise arbeiten und wissen, dass es tough zur Sache geht, dass wir große Sprinter und richtig viel Ware händeln müssen – die körperliche Arbeit ist nicht zu unterschätzen.“

Was kann man mit Blumen in der Werbung machen?

Wer jetzt auch ins Blumen-Business einsteigen will, muss sich also unbedingt bewusst sein: It’s not that easy! Das bestätigt auch Valentina. „Ich hatte mich ja mein Leben lang mit Blumen beschäftigt und dadurch fundiertes Fachwissen angeeignet“, erinnert sich die gebürtige Fränkin, die in Passau studiert hat.

Das beinhaltete auch lange Recherchen, wie sie unter anderem das erlernte Wissen aus ihrem Studium im Bereich Werbung und Marketing mit Blumen kombinieren könne. „Dadurch dass ich mich mal vor der Kamera, mal dahinter, mal in der Kreation ausprobiert habe und beim Konzern war, habe ich alle Sichtweisen von Menschen, die am Set arbeiten, erlebt und konnte so ganz anders an die Recherche herangehen.“

Während Corona kreativ unterwegs

Und da sie mit ihrem Studio de Pasquale an den Start ging als Corona gerade den Alltag dominierte, war Valentinas ganze Kreativität gefragt. Sie trommelte Freunde aus der Video- und Fotografie-Szene zusammen und kreierte Content – alles for free. „Und so habe ich innerhalb von wenigen Monaten mein Portfolio aufgebaut, weil wir so viel geshootet haben, dass ich meine Webseite aufbauen und Instagram pushen konnte.“

Viel Kaltakquise und Netzwerkaufbau bestimmten lange ihr Tun, die Stuttgarterin habe viel for free gearbeitet – aber es hat sich ausgezahlt. Irgendwann klopften größere Agenturen und Marken an. Und auch eine Art-Advisorin fand Gefallen am Schaffen der kreativen Blumen-Künstlerin.

Hängende Installationen als Spezialgebiet

Das Spezialgebiet der ambitionierten 30-Jährigen sind übrigens die sogenannten „Hanging Pieces“, also hängende Installationen. „Und das machen wirklich nur wenige Floral Designer, weil es einfach auch komplizierter ist.“ Rechnen, zeichnen, 3D: Eine halbe Matheklausur trifft auf Kunstunterricht und genau das unterscheidet die Stuttgarterin mit italienschen Wurzeln vom Rest der Flower-Bubble.

Und wie fühlt es sich an, bald auf der Art Miami auszustellen? Für Valentina sei es irgendwie schwierig das in Worte zu fassen. „Für mich fühlt es sich wie ein Projekt an, das ich als nächstes angehe. Ich bin schon aufgeregt und hoffe, dass alles klappt, auch mit dem Shipping, ob es überhaupt ankommt. Aber in der Selbstständigkeit ist es auch einfach so, dass man immer dem nächsten Projekt hinterherjagt, damit man seine Firma finanzieren und wachsen kann.“

Diese Erfolgserlebnisse würde sie währenddessen gar nicht realisieren, sondern erst am Ende des Jahres, wenn sie etwas Zeit zum Abschalten habe. Im Laufe des Jahres wird nämlich durchgepowert und es heißt: Es gibt nur ein Gas und zwar Vollgas.

Von der Biennale in Florenz nach Dubai

Eines dieser besonderen Highlights war im vergangenen Jahr sicherlich Valentinas Präsenz auf der Biennale in Florenz. „Als die Mail kam, dachte ich zuerst das ist ein Scherz, das kann nicht echt sein. Dann habe ich es aber überprüft und konnte es irgendwie managen dort anzutanzen und meine erste Kunstausstellung im Bereich Floral Art anzugehen.“

Und auf der Biennale wurde die Botanical-Set-Designerin wiederum von den Kuratoren der World Art Dubai, der größten Kunstausstellung im arabischen Raum für Contemporary Art, angesprochen und eingeladen. Und Valentina dachte sich: „Okay, let’s try!“

Nach einigen Hürden, was das Shipping, die Frachtlogistik und alles drumherum betraf, konnte sie Miami nun viel entspannter angehen. „Ich wusste ja schon wie alles funktioniert und konnte deshalb für die Art Miami auch alles viel schneller umsetzen.“

Zum Thema „Nature“ bei der Art Miami

Bereits erwähnte Art-Advisorin, die mit einer Galerie in Miami zusammenarbeitet, wurde schließlich in Dubai auf Valentinas Installation aufmerksam, war begeistert und machte ihr ein Angebot, dass sie nicht ablehnen konnte. „Sie kam auf mich zu, erklärte mir das Thema und sagte: Sie hätte gern, dass ich mit vier weiteren Künstler:innen auf der Art Miami ausstelle. Und da man dort nur ausstellen kann, wenn man mit einer Galerie zusammenarbeitet, war klar: Ich mach’s!“

Und so hatte sich auch der Trip nach Dubai rentiert. „Deshalb muss man es wagen, Angebote an und Geld in die Hand zu nehmen, denn ein Projekt zieht das nächste nach sich und es kann sich lohnen. Und auch wenn nicht, egal, dann überlegt man sich eben etwas anderes“, betont Valentina.

Ein Kunstwerk aus konserviertem Amaranth

Das Kunstobjekt, das ausgestellt wird und bereits für einen Tag in der Calwer Passage gezeigt wurde, nennt sich übrigens „Current“ und besteht aus konserviertem Amaranth, das zu den Signature-Materialien der Floral-Artistin zählt.

Valentina Teinitzer arbeitet am liebsten mit konserviertem Amaranth. Foto: Lara Slevec/Lara Slevec

Das Kunstwerk wurde in einer bestimmten Webetechnik geknüpft und kunstvoll arrangiert – inspiriert von den rhythmischen Strömungen und dem vielfältigen Leben der Unterwasserwelt.

„Die fließenden Formen der Installation sollen an die anmutigen, anpassungsfähigen Bewegungen von Quallen, die durch die Ozeane gleiten, erinnern. Außerdem ist ‚Current’ eine florale Metapher für den Fluss des Lebens – mal stark und fordernd, mal sanft und unterstützend. Ich will die Betrachter:innen einladen, über ihre eigenen Lebensströmungen nachzudenken.“

„Findet Nemo“ als Inspirationsquelle zwischen Quallen

Disney-Fans aufgepasst. Denn auch die Reise des Clownfischs im Quallenfeld aus dem Film „Findet Nemo“ diente als weitere Inspirationsquelle, um die Herausforderungen und Begegnungen, die den Lebensweg zeichnen, widerzuspiegeln. „Die Installation vermittelt das Gefühl von ständiger Veränderung und dynamischer Bewegung, die im menschlichen Leben genauso präsent ist wie in der Natur. Aus diesem Grund habe ich zum ersten Mal eine permanente, florale Installation kreiert, die auch für den privaten Gebrauch in Wohnräumen einsetzbar ist.“

Von 3.-8. Dezember wird ausgestellt und Valentina freut sich, vor allem auch auf die Reaktionen der Besucher:innen der Art Miami. „Mit Blumen Emotionen jeglicher Art zu kreieren, ist, was mich in meiner Kunst und Arbeit antreibt.“

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