Studiotheater: The Trump Trial Aus dem Leben des Superduperpräsidenten

Im Trump’schen Narzissmus-Kabinett: Szene aus Christof Küsters „The Trump Trial“ Foto: Daniela Aldinger
Im Trump’schen Narzissmus-Kabinett: Szene aus Christof Küsters „The Trump Trial“ Foto: Daniela Aldinger

Handshake, Wire Tapping, Fake News – Christof Küster liebt es, Politik szenisch aufzuarbeiten. Im Studiotheater will er in „The Trump Trial“ mit Realsatire den amtierenden US-Präsidenten entlarven.

Stuttgart - „Die Show heißt Trump. Und sie ist immer ausverkauft.“ Selbstzufrieden streicht sich der Selfmade-Milliardär durchs Haar und schaut in die Runde. In fünffacher Ausführung sitzt Trumps blondiertes Kaugummi-Toupet dort vor einem dunklen Konferenztisch. Die dazugehörigen Donalds verziehen mürrisch das Gesicht. Schließlich bespricht man gerade wichtige Dinge. Also ganz wichtige. Die allerwichtigsten. Und die berät man im Trump’schen Narzissmus-Kabinett am besten mit sich selbst.

Die gut zweistündige Szenencollage „The Trump Trial“, die am Samstag Premiere feierte, entlarvt in solchen und ähnlich skurrilen Szenarien den Mythos, den der amtierende US-Präsident während der letzten drei Jahrzehnte um sich selbst gesponnen hat. Nach „Die Schlichtung – Das Musical“ und „Helmut-Kohl-Revue: Verdienste? Unbestritten!“ ist es das dritte Politikum, das im Studiotheater szenisch aufgearbeitet wird. Medienberichte, Zitate aus Trumps Buchveröffentlichungen und Mitschnitte von Pressekonferenzen werden dabei zur Basis einer aufwendig recherchierten Entdeckungsreise: Wer ist dieser Mann, der da im Weißen Haus hinter dem dicken Schreibtisch sitzt und Brüssel nicht von Paris unterscheiden kann?

Wie man sich selbst zur Erfolgsstory macht

Doch statt die Antwort in eine stringente Story zu packen setzt Regisseur Christof Küster auf die entlarvende Kraft der Realsatire. Fast wortgetreu lässt er verschiedene Ereignisse, wie den Besuch der deutschen Kanzlerin im White House, auf der Bühne Revue passieren. Denn für die Kunst ist das, was in der Realität so fatal ist, eine Steilvorlage: Bei einer so überzeichneten Kunstfigur wie Donald Trump, hier besonders hinreißend von Gundi-Anna Schick imitiert, ist jede Form der artifiziellen Überzeichnung fast schon überflüssig. Es reicht schlicht das, was tatsächlich passiert ist.

Etwas tiefer gehender widmet sich das Stück der Rhetorik der Trump’schen Superlative: Eine der stärksten Szenen folgt so direkt nach der Pause. Als scheinbar improvisierten Pausenfüller erzählt Boris Rosenberg eine abstruse Geschichte aus seiner Kindheit – und bastelt daraus mit Worthülsen und Hyperbeln quasi nebenbei eine absurde Superheldenstory. So einfach ist es also, aus sich selbst eine Erfolgsstory zu machen.

Trump wird immer wieder als unfähig, skrupellos, prollig vorgeführt

Leider jedoch franst die Inszenierung gegen Ende trotz guter Ideen immer mehr aus. Handshake, Wire Tapping, Fake News: die aktuellen Schlagworte flirren zwar durch den Raum und erinnern den Zuschauer stets daran, dass all das kein überdrehter Scherz ist. Dennoch kommt die allzu collagenhaft angelegte Struktur des Stücks nicht so richtig zum Punkt: Statt sich auf wirklich aussagekräftige Teilaspekte zu konzentrieren, werden nämlich immer mehr Beispiele angehäuft, die Trumps Unfähigkeit, Skrupellosigkeit und Prolligkeit deutlich machen sollen. Und das hatte man eigentlich nach der ersten halben Stunde schon verstanden.

Weitere Vorstellungen: bis zum 8. Juli, jeweils Mittwoch bis Samstag, 20 Uhr.




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