Ein Treffer ist Meghon Valpoort (rechts) beim Spiel gegen Bayern Alzenau nicht gelungen. Aber er braucht Tore, um noch auf den WM-Zug aufzuspringen. Foto: Imago/Pressefoto Baumann
Meghon Valpoort geht für den SGV Freiberg auf Torejagd. Der Stürmer mit Wohnsitz in Markgröningen (Kreis Ludwigsburg) hat Chancen, noch in den Kader eines WM-Neulings zu rutschen.
Der 19. November war ein ganz besonderer Tag für Meghon Valpoort. Der Stürmer des Fußball-Regionalligisten SGV Freiberg hatte sich extra den Wecker gestellt, um möglichst früh die entscheidende Nachricht zu bekommen: In der Nacht hatte der kleine Inselstaat Curaçao nämlich das entscheidende WM-Qualispiel gegen Jamaika gespielt. Ein 0:0 genügte für den Sieg in Gruppe B und das damit verbundene Ticket für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in den USA, Mexiko und Kanada.
Ein historischer Moment für den Karibikstaat – und für Meghon Valpoort. Curaçao zählt nur 156.115 Einwohner – das entspricht etwa der Größe von Heidelberg – und ist damit das kleinste Land, das sich jemals für dieses Großereignis qualifiziert hat. Coach Dick Advocaat verfolgte das Spiel aus familiären Gründen von den Niederlanden aus. Für den 78-Jährigen wird es seine dritte WM als Cheftrainer sein. Für Curaçao ist es eine Premiere. „Ich war völlig überwältigt und stolz und habe unzählige Nachrichten auf mein Handy bekommen“, erzählt Freiberg-Stürmer Valpoort.
Partylaune auch in den Niederlanden
Doch warum freute sich der 25-Jährige, der von seinen Freunden Mexx genannt wird, derart über den Erfolg des Zwergstaates? „Meine Eltern sind dort geboren, bevor sie nach Den Haag ausgewandert sind“, berichtet Valpoort, der als Kind oft auf dem paradiesischen Eiland war. Und nicht nur das. Der Torjäger spielte auch für die U18- und U20-Auswahl von Curaçao und auch in der A-Mannschaft, allerdings in einem inoffiziellen Länderspiel. Er hat in den vergangenen Tagen viel telefoniert mit seinen dort lebenden Verwandten, sich erzählen lassen, wie das Land gefeiert und seine Fußball-Helden am Flughafen in der Hauptstadt Willemstad mit Flaggen empfangen hat.
Auch in den Niederlanden herrschte Partylaune, denn die ehemalige Kolonie gehört politisch noch zum Königreich. Alle Curaçaoër verfügen deshalb über einen niederländischen Pass. Die Nationalspieler wiederum sind alle in Holland geboren. Für Valpoort und die Inselbewohner wurde mit der Qualifikation ein Traum wahr.
Auf die Frage, ob er die WM-Spiele besuchen will, hat Mexx Valpoort eine verblüffende Antwort: „Ja, sehr gerne, aber nicht als Tourist. Ich möchte die Spiele zumindest von der Bank aus verfolgen“, sagt er. Die Hoffnung, doch noch in den WM-Kader zu rutschen ist nicht unrealistisch. Der Mann mit dem mächtigen Bart verrät, dass er immer wieder im Kontakt mit dem Verband steht und dort auf einer Liste geführt wird. Er glaubt als gläubiger Katholik fest daran, dass Gott ihn auf diesem Weg begleitet, sagt er.
Valpoort steht im Kontakt mit dem Verband
„Da gibt es schon einen Plan für mich, der mich jetzt erst mal nach Freiberg geführt hat“, sagt er. Er wohnt in Markgröningen und ist mit seiner Freizeit oft in Ludwigsburg unterwegs. Die Stadt gefällt auch seiner Freundin, die in den Niederlanden lebt, aber oft zu Besuch kommt. Die Chance, sich noch für die Nationalelf zu empfehlen, ist eng mit seinen Leistungen beim aktuellen Herbstmeister verbunden. „Wenn wir in die dritte Liga aufsteigen, wäre das auch für mich gut, und natürlich brauche ich noch mehr Einsätze“, sagt er. Drei Tore und drei Assists sind ihm schon gelungen bei 13 Einsätzen.
Meghon Valpoort ist bis zum Saisonende von Rot-Weiß Erfurt ausgeliehen. Foto: Imago
Er kam allerdings oft von der Bank. Valpoort stieß erst nach der Saisonvorbereitung zum Kader, wurde von Rot-Weiß Erfurt ausgeliehen. Davor spielte er auf Malta und in Indonesien. Sein Ziel war aber immer ein Verein in Deutschland. „Ich war nicht so fit wie die anderen, jetzt komme ich immer besser in Form“, sagt er vor dem Duell an diesem Sonntag bei der U23 des SC Freiburg.
Wie der Rest der Mannschaft sehnt er sich beim SGV Freiberg endlich wieder nach einem Sieg. „Aber das ist jetzt natürlich in den Köpfen drin, wir spielen nicht mehr so frei wie zu Beginn“, sagt Valpoort. Da hilft nur ein Sieg, um wieder in die Spur zu kommen.
Und was kann er sonst noch über Curaçao erzählen? Bislang war der Lieblingssport der Insulaner Baseball. Das könnte sich jetzt ändern. Im Fußball war der größte Triumph bislang der Gewinn der Karibikmeisterschaft 2017. „Jetzt brauchen wir eine gute Vorbereitung, man will ja eine gute Rolle spielen“, sagt der Torjäger.
Stürmer spielt mit Metallplatten
Valpoort ist ein positiver Mensch und auch ein Kämpfer, der bereits den Bruch beider Knöchel wegstecken musste und mit Metallplatten im Fuß spielt. Er gilt als physisch starker Angreifer. Mit einer Größe von knapp 1,90 Meter bringt er Robustheit im Strafraum mit, ist aber gleichzeitig dribbelstark und variabel einsetzbar.
Seine fußballerische Ausbildung erhielt er in den Niederlanden bei Almere City. Der Linksfuß kennt aber auch seine Schwächen: „Ich muss den rechten Fuß und das Kopfballspiel noch verbessern.“ Der 4. Dezember wird dann noch einmal ein spannender Tag für ihn, wenn in Washington die WM-Auslosung steigt.