Stürmer des VfB Stuttgart „Deniz wird spielen“ – warum Undav in Berlin in den Fokus rückt

Deniz Undav rückt in die Anfangsformation des VfB. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Der zuletzt formschwache Stürmer erhält für das Spiel bei Union eine Startelf-Garantie, was nicht nur an der Sperre von Nick Woltemade liegt. Warum Undavs Fähigkeiten an der Alten Försterei mehr als in anderen Partien gefragt sind.

Sport: David Scheu (dsc)

Die Fragen rund um Deniz Undav begleiten den VfB Stuttgart seit Wochen. Spielt er oder nicht? Was macht die Form? Wie lief das Training? Gemessen an den überschaubaren Einsatzzeiten war und ist der 28-jährige Stürmer bemerkenswert regelmäßig Thema der Debatten – in den sozialen Medien, in Interviews, im Umfeld. Einerseits. Auf der anderen Seite handelt es sich eben auch um den teuersten Einkauf der Clubhistorie, der von seinem Leistungslevel der Vorsaison um Längen entfernt ist und seit dem blassen Auswärtsauftritt bei Holstein Kiel (2:2) Anfang März auf einen Startelf-Einsatz wartet. Immerhin schon fünf Pflichtspiele in Folge.

 

Das wird sich nun ändern, wenn der VfB an diesem Samstag um 18.30 Uhr bei Union Berlin gastiert. Cheftrainer Sebastian Hoeneß ließ hieran nicht den Hauch eines Zweifels. „Deniz wird spielen“, bestätigte der Trainer auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie an der Alten Försterei – und schob gleich eine erste Begründung nach: „Er hatte eine gute Trainingswoche.“

Das alleine hätte vermutlich nicht ausgereicht, um den schlagartigen großen Schritt von der wochenlangen Nebenrolle hin zur Startelf-Garantie zu erklären. Diese fußt vielmehr auch darauf, dass sich personell eine Türe geöffnet hat: Auf der Position der hängenden Spitze ist eine Lücke entstanden durch die viel diskutierte Gelb-Rote Karte für Nick Woltemade im Spiel gegen Werder Bremen (1:2) – der zuletzt formstärkste Stuttgarter Angreifer ist und bleibt nach dem abgewiesenen VfB-Einspruch für das Union-Spiel gesperrt. Da zudem Mittelstürmer El Bilal Touré weiterhin verletzungsbedingt ausfällt, sind die Alternativen überschaubar. Und eine Doppelspitze mit Ermedin Demirovic in vorderster Linie und Undav dahinter liegt nahe.

Defensivstarker Gegner

Für Undav bietet die Konstellation nun ohne Wenn und Aber eine große Chance, sich nach persönlich nicht zufriedenstellenden Wochen zurückzumelden. „Das wird natürlich immer zugespitzt“, sagt Hoeneß zwar, betont aber auch: „Er hat jetzt die Möglichkeit, eine gute Leistung zu bringen und sich gut zu präsentieren.“ Fest steht dabei: Das Stuttgarter Angriffsspiel wird sich ändern ohne Woltemade, dessen Mix aus Körperlichkeit (1,98 Meter) und Ballgewandtheit es so kein zweites Mal im VfB-Kader gibt. Der U-21-Nationalspieler schoss in den vergangenen Wochen nicht nur Tore – er schirmte Bälle ab, gewann Dribblings, schuf Räume mit raumgreifenden Schritten.

Von Undav ist das alles nicht zu erwarten, besagte Fähigkeiten zählten auch zu Topform-Zeiten in der Vorsaison nicht zu seinen Kernkompetenzen. Der Instinktstürmer bewegt sich vielmehr zwischen den Linien und ist an guten Tagen stets für einen ansatzlosen Abschluss oder Überraschungsmoment gut. An dieser Stelle kommt ein drittes Argument ins Spiel, das einen Undav-Einsatz neben der Woltemade-Sperre und der guten Trainingswoche plausibel erscheinen lässt: Solche speziellen Momente könnte es brauchen an diesem Samstag.

Von einem offenen Schlagabtausch und herausgespielten Torchancen en masse geht jedenfalls niemand aus, dafür hat sich der kommende Gegner zuletzt als viel zu unbequem erwiesen: Seit Wochen schon lässt Union Berlin kaum etwas zu, gerade einmal drei Gegentore musste die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart in den jüngsten fünf Bundesliga-Spielen hinnehmen – und das unter anderem gegen die offensivstarken Schwergewichte FC Bayern (1:1), Bayer Leverkusen (0:0) und Eintracht Frankfurt (2:1). Auch Hoeneß rechnet deshalb mit einer zähen Angelegenheit in Berlin: „Effizienz wird ein ganz wichtiger Faktor sein“, sagt der Stuttgarter Coach, „weil sie einfach nicht viel zulassen.“ Man könne schlichtweg nicht davon ausgehen, eine Fülle an Chancen zu kreieren. „Deswegen musst du diese Momente, die dann daliegen, für dich gewinnen.“

Der Mann für genau diese Aktionen war in der Vorsaison immer wieder Undav, der mit 18 Saisontoren und seiner unbekümmerten Art zum Publikumsliebling avancierte – und anschließend für 26,7 Millionen Euro vom englischen Erstligisten Brighton & Hove Albion fest verpflichtet wurde. Von der damaligen Leichtigkeit war in den vergangenen Monaten nicht mehr viel zu sehen, auf einen Muskelfaserriss folgte ein anhaltendes Formtief ohne Spritzigkeit in den Aktionen oder Bindung zum Spiel. Ändert sich das jetzt? Für Undav bietet sich in Berlin die Gelegenheit, an bessere Tage anzuknüpfen – und damit mal wieder für Fragen und Gesprächsstoff der positiven Art zu sorgen.

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