Da ist gut lachen: Deniz Undav steht vor einer erneuten Vertragsunterschrift beim VfB. Foto: Baumann
Die Vertragsverhandlungen zwischen dem Club und dem 29-Jährigen befinden sich in der Endphase. Nach dem Pokalfinale soll der neue Rekordvertrag unterschrieben werden.
Wenn ein Fußballprofi auch Ende Mai noch einen vollen Terminkalender hat, dann ist die Saison für ihn meist bestens gelaufen. So wie im Fall von Deniz Undav. Während das Gros der Spieler aus der Fußball-Bundesliga bereits in den Ferien die Füße hochlegt, hat der Nationalstürmer aus Stuttgart noch einiges vor.
Am Samstag (20 Uhr/ARD) steht in Berlin für ihn und seine VfB-Teamkollegen das DFB-Pokalfinale gegen den scheinbar übermächtigen FC Bayern München an. Bereits drei Tage später, am Dienstag der nächsten Woche, zieht der 29-Jährige dann wie die Mitspieler Jamie Leweling, Angelo Stiller und Alexander Nübel im fränkischen Herzogenaurach ins Camp der deutschen Fußball-Nationalelf ein. Dort beginnt die Vorbereitung auf die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) – und Undav, das ist inzwischen klar, wird dabei ein Teil des deutschen Aufgebots von Bundestrainer Julian Nagelsmann sein.
„Wenn die beim VfB das vor der WM machen wollen, ich bin noch bis nächste Woche Dienstag hier, dann wird es knapp“, sagt Undav nun im Interview mit dem TV-Sender „Sky“ über den für ihn persönlich wohl wichtigsten Termin. Denn abseits von Pokalfinale und WM-Endturnier steht der Bundesliga-Topstürmer des VfB (19 Saisontore in 29 Spielen) ja gerade mit den Stuttgartern in intensiven Verhandlungen. Sein bis 2027 datierter Arbeitsvertrag soll verlängert werden.
Beide Partien, das ist inzwischen klar, biegen dabei auf die Zielgerade ein. Ob es noch vor der WM etwas mit der Unterschrift unter das neue Arbeitspapier wird, ist zwar nicht nur für Undav fraglich – aber eben nicht unmöglich.
Dass es aber grundsätzlich etwas mit einer weiteren Zusammenarbeit zwischen dem Angreifer und dem VfB wird, ist inzwischen äußerst wahrscheinlich. Schließlich ist bereits durchgedrungen, dass sich beide Parteien – der VfB und die Undav-Berater – sehr dicht angenähert haben. „Wir sind nicht so weit auseinander, vielleicht sind es nur Kleinigkeiten“, sagt der Stürmer zum Stand der Verhandlungen.
Ursprünglich hatten seine Berater nach Informationen unserer Zeitung eine Gehaltserhöhung von 4,5 auf 6,5 Millionen Euro pro Saison gefordert – und dazu eine Laufzeit des neuen, in diesem Sommer beginnenden Kontrakts, von vier Jahren. Kürzlich hat der Verein um den Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle und den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth dem Stürmer ein schriftliches Gegenangebot vorgelegt. Dies sieht eine neue Laufzeit über drei Jahre bis 2029 vor – mit der Option auf eine weitere Saison. Das Gehalt von Topverdiener Undav würde auf rund 5,5 Millionen Euro pro Jahr steigen, dazu käme eine einmalige Zahlung eines Handgelds von rund zwei Millionen Euro allein für die Unterschrift. Es ist die höchste Offerte, die je ein Spieler vom VfB erhalten hat – Summen, mit denen Undav und seine Berater weitgehend einverstanden sein sollen.
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth (li.) und Vorstandschef Alexander Wehrle haben für Deniz Undav ein Rekordpaket geschnürt. Foto: Baumann
„Ich habe es oft geäußert, dass ich gerne hier spiele. Ich fühle mich wie ein Stuttgarter, auch wenn ich es nicht bin“, sagt der bei den Fans und Mitspielern sehr beliebte Profi. „Jeder will, dass er hier bleibt“, erklärte unlängst Stürmerkollege Ermedin Demirovic, während Wohlgemuth den 29-Jährigen lobte: „Beim VfB gehört Deniz zum Kulturgut.“
Auch die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Sebastian Hoeneß passt. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis“, sagt Undav: „Er hat mir die Freiheit gegeben, ich selbst zu sein.“ Gemeinsam geht es nun für den amtierenden Titelträger ins Endspiel an die Spree. „Wir wollen natürlich am besten wieder den Pokal gewinnen, aber wir haben es diesmal mit einem anderen Gegner zu tun“, weiß der Stürmer, der sich und seine Teamkollegen gegen die Über-Bayern anders als in der Vorsaison beim 4:2-Finalerfolg über den Zweitliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld klar in der Rolle des Underdogs sieht. „Wir wollten diese Rolle annehmen – und damit befreit aufspielen.“
Im Olympiastadion kommt es für Undav als Nummer zwei der Bundesliga-Torschützenliste auch zum Stürmervergleich mit dem Münchner Top-Kanonier Harry Kane (36 Saisontreffer). „Mir ist aufgefallen, dass er gefühlt bei jedem Torschuss eine Sekunde kurz in sich geht, kurz atmet – und dann erst schießt“, bewundert Undav die Coolness im Abschluss des Kapitäns der englischen Nationalelf.
Dass er nun wie Kane selbst zur Weltmeisterschaft reist, hätte der 29-Jährige vor einem Jahr nicht geglaubt. „Da war ich sehr weit weg davon, dass ich überhaupt über die WM nachgedacht habe“, erklärt Undav, der in der Vorsaison trotz erster Champions-League-Teilnahme bei nur neun Bundesligatoren kein gutes Jahr hatte. Damals habe er gespürt, dass das Umfeld mehr von ihm erwarte. „Das hat mich gestört in der Vorbereitung. Bei jedem Lauf habe ich darüber nachgedacht. Es kann alles sein, aber nicht, dass ich eine Enttäuschung der Saison bin.“
Nun will Deniz Undav seine starke Runde möglichst mit einer erfolgreichen WM krönen. „Ich glaube, wir werden schlechter geredet als wir sind“, sagt der VfB-Stürmer über die DFB-Elf: „Du hast einen Kai Havertz, Jamal Musiala, Flo Wirtz. Wenn die einen guten Tag haben, dann wird es schwer für den Gegner.“