Stürmer des VfB Stuttgart Rückkehr des Instinktkickers – wie Deniz Undav die vergangenen Wochen erlebte

Deniz Undav hat beim 4:4 in Berlin aufsteugende Form gezeigt. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Deniz Undav hatte zuletzt viel von dem verloren, was ihn einst auszeichnete. Leichtigkeit, Spielwitz, Torgefahr. Beim 4:4 des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Union Berlin machte er wichtige Schritte auf dem Weg zu alter Stärke.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Fast war es schon wieder wie einst – als Deniz Undav der uneingeschränkte Star im Stuttgarter Team des VfB war. Als er getroffen hat, Tore vorbereitet hat, großen Einfluss auf das Spiel der Mannschaft hatte. Und als er danach die Massen unterhielt. Mit offenen Worten, frechen Sprüchen und einem schelmischen Grinsen. Letzteres vermied er am Samstagabend in Berlin.

 

Das zeigte: So ganz der Alte ist Deniz Undav eben noch nicht „nach der Pause“, wie Fabian Wohlgemuth die vergangenen Wochen nannte. Jene Zeit also, in der Deniz Undav weit weg schien von seinem Ideal, das er verkörperte, seit er im Sommer 2023 zum VfB Stuttgart gekommen ist. Verpflichtet vom damaligen Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, der mittlerweile Sportvorstand des VfB ist.

Diese Pause hatte sich Deniz Undav weitestgehend selbst eingebrockt – wil in den vergangnen Wochen eben gefehlt hatte, was einen Stürmer auszeichnen sollte: Spritzigkeit, Torgefahr, Scorerpunkte. All das lieferten andere, allen voran Nick Woltemade und Ermedin Demirovic. „Sie haben es besser gemacht“, gab Undav nun zu. Nachdem er sich zurückgemeldet hatte im Rennen der VfB-Angreifer.

In Berlin eröffnete die umstrittene Gelb-Rot-Sperre Woltemades Undav eine neue Chance. Der 28-Jährige durfte mal wieder von Beginn an spielen. Nach dem frühen 0:2 gegen den 1. FC Union deutete sich zwar zunächst der nächste gebrauchte Tag für Undav und seine Mitspieler an – doch dann war der Nationalspieler endlich mal wieder ein entscheidender Faktor dafür, dass der VfB zügig zurückfand in ein Spiel, das Geschichte schrieb.

Enzo Millot (li.) jubelt in Berlin über den Treffer zum 2:2. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

„Froh und glücklich“ sei er, sagte Undav nach dem 4:4 des VfB bei den Eisernen, bei dem erstmals in der Bundesligageschichte acht Treffer in einer Hälfte fielen. Wohlgemuth bescheinigte ihm, „ein Aktivposten“ gewesen zu sein. Und der Trainer Sebastian Hoeneß wollte zwar gerne die ganze Mannschaft dafür loben, dass sie den Rückschlägen getrotzt und in der zweiten Hälfte das Spiel dominiert hatte. Er meinte aber auch: „Ich kann die beiden nennen.“ Er meinte den zuletzt auch selten überzeugenden Enzo Millot – und eben Deniz Undav. „Sie sind beeindruckend zurückgekommen“, ergänzte Wohlgemuth.

Deniz Undav hatte dabei nicht nur mit einem satten Schuss das wichtige 1:2 nach 23 Minuten erzielt, sondern auch das 4:3 durch Chris Führich kurz vor der Pause stark eingeleitet. Mit einem energischen Ballgewinn im Mittelfeld und einem klugen Pass zum Offensivpartner. „Ich freue mich für Chris, der ebenfalls lange nicht getroffen hat“, meinte Undav, der selbst in der Liga im Januar letztmals ein Erfolgserlebnis hatte feiern können.

Deniz Undav freut sich auch für Chris Führich

Seitdem wurde viel diskutiert über den Shootingstar der vergangenen Saison, dessen Festverpflichtung sich der VfB fast 30 Millionen Euro hatte kosten lassen – zusätzlich zu einem richtig gut dotierten Vertrag. Er selbst, meinte Undav, habe versucht, die Kritik nicht an sich heranzulassen. „Egal“ sei sie ihm gewesen, wahrgenommen hat er sie aber schon.

„Es war ja gefühlt jede Niederlage meine Schuld“, sinnierte er am Samstagabend in Berlin-Köpenick – und übertrieb dabei auch ein bisschen. Denn die Liebe der meisten Fans für den besonderen Typen aus Norddeutschland war ja beileibe nicht komplett erkaltet. Aber logischerweise war rein sportlich gesehen die Fallhöhe groß nach der aufregenden ersten Bundesligasaison, der EM-Teilnahme und der wichtigen Rolle, die Undav für den VfB einnimmt.

Nick Woltemade meinte jüngst einmal, dadurch, dass Undav auch in schwierigen Zeiten viel Aufmerksamkeit auf sich ziehe, sei er eine Art „Schutzschild“ für den Rest des Teams. „Solange die Mannschaft dadurch nichts abbekommt, kann ich damit umgehen“, entgegnete nun der Instinktfußballer Undav – und erklärte, er habe auch in den vergangenen Wochen „Rückendeckung“ gespürt. Im Verein – wobei diese Antwort etwas zögerlich kam. Aber auch im Nationalteam. Dort habe ihn vor allem der Co-Trainer Sandro Wagner, einst selbst Stürmer, aufgebaut. „Das“, sagte Undav, „bedeutet mir sehr viel.“

Das gilt, das war in der Alten Försterei zu spüren, auch für sein Torjäger-Comeback. „Jetzt haben wir drei Stürmer, die treffen“, sagte er – und deutete schonmal an, wer vor der nächsten Startelf-Entscheidung am Freitag (20.30 Uhr gegen den 1. FC Heidenheim) offensiv nun wieder eine kniffligere Aufgabe zu lösen hat: „Das ist gut für den Trainer.“

Weitere Themen