Am Freitag trifft Ermedin Demirovic mit Bosnien-Herzegowina auf das deutsche Nationalteam. Seine Kollegen vom VfB Stuttgart hat der Stürmer schon mal auf das pikante Treffen vorbereitet.
Weil der Europäische Fußballverband (Uefa) auch in der Nations League durchaus sichtbar macht, um welchen Wettbewerb es sich handelt, wird die Sache auch für Ermedin Demirovic klar sein: Im Länderspiel am kommenden Freitag (20.45 Uhr) geht es um Punkte. Wobei der Stürmer des VfB Stuttgart ja auch in die Versuchung kommen könnte, das anders zu sehen.
Wie ein Freundschaftsspiel könnte sich das Ganze anfühlen, meinte er schon am Sonntagabend. Vielleicht auch wie ein Trainingskick an der Mercedesstraße in Stuttgart-Bad Cannstatt. Denn: Wenn der Angreifer am Freitag mit der bosnischen Nationalmannschaft das Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) empfängt, begegnen ihm auf der Gegenseite gleich sechs Spieler (auf dem Feld und auf der Bank) die er ganz gut kennt. Sie alle spielen beim VfB Stuttgart – wie seit dieser Saison auch Ermedin Demirovic.
„Ich freue mich extrem darauf, so viele Mannschaftskollegen zu treffen“, sagt der 26-Jährige, der seit 2021 für die A-Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina spielt. Und weil er ja ein netter Zeitgenosse ist, hat der Stuttgarter Angreifer seine VfB-Jungs auch schon ein wenig auf das vorbereitet, was sie am Freitag im Stadion „Bilino Polje“ in Zenica erwartet. Es ist nichts anderes als „eine andere Sportart“. Sagt Ermedin Demirovic – und grinst sich eins.
Nun gelten in Bosnien nicht andere Regeln, und zahlreiche Nationalspieler sind bekannt aus den europäischen Topligen. Allerdings sind die Rahmenbedingungen dann eben doch ein wenig anders. „Es sind nicht 60 000 Zuschauer im Stadion wie zum Beispiel beim VfB“, sagt Demirovic über die kleine Arena mit gerade einmal rund 13 500 Plätzen, „aber es ist nicht einfach, bei uns zu spielen.“ Er zählt auf: „Das Stadion, der Platz, die Fans.“ Und kommt zu dem Schluss: „Es ist einfach noch einmal was anderes.“
Dem deutschen Team „das Leben schwer machen“
In dieser Saison der Nations League ist es zudem das erste Heimspiel für die Bosnier. Ein 2:5 gab es in den Niederlanden (wo Demirovic einen Treffer erzielte), ein 0:0 in Ungarn. Die Rollenverteilung für die Partie gegen die DFB-Elf (vier Punkte) ergibt sich da wie von selbst. „Wir wissen, dass wir ganz klar der Underdog sind“, sagt Ermedin Demirovic, der in Hamburg geboren wurde, auch dort aufgewachsen ist – und der eine recht genaue Vorstellung hat, was sein Team aus dieser Ausgangslage machen soll.
„Wir wollen eklig sein, zweikampfstark und robust“, sagt er. So soll es gelingen, wenigstens einen Punkt, vielleicht sogar drei Zähler daheim zu behalten. „Es wird schwierig“, sagt Demirovic, „aber wir wollen dem deutschen Team das Leben schwer machen.“ Auch er selbst will dazu beitragen.
Erst der Nachschuss ist drin: Ermedin Demirovic trifft gegen die TSG Hoffenheim. Foto: Baumann
28 Länderspiele hat der Stürmer für das Heimatland seiner Eltern bereits bestritten, dabei zwei Treffer erzielt. Sein Sturmpartner ist dabei einer, der in der deutschen Bundesliga auch seine Spuren hinterlassen hat. Edin Dzeko, mittlerweile 38 Jahre alt, holte einst mit dem VfL Wolfsburg sensationell die Meisterschaft. Das war 2009 – weshalb es kein Wunder ist, dass im bosnischen Angriff eher Demirovic für die Zukunft steht.
Der hat sich nach durchaus langer Anlaufphase doch noch in der Bundesliga einen Namen als Topstürmer gemacht. Bei sechs Vereinen in vier Ländern stand er unter Vertrag, seit er 2017 das Nachwuchsleistungszentrum von RB Leipzig verlassen hat. Seit Sommer ist der VfB die Nummer sieben – weil die Stuttgarter bereit waren, über 20 Millionen Euro an Ablöse an den FC Augsburg zu zahlen.
Beim Vizemeister ist Ermedin Demirovic als Nachfolger des zu Borussia Dortmund gewechselten Serhou Guirassy vorgesehen. Bislang hat er einerseits mit seiner Trefferquote überzeugt – sechs Tore in zehn Pflichtspielen. Allerdings hat er den Status des unumstrittenen Stammspielers noch nicht erreicht. Erst am Sonntag bekam El Bilal Touré den Vorzug als Sturmpartner von Deniz Undav. Dennoch erklärte Demirovic nach dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim: „Wir sind auf einem richtig guten Weg, wir machen es immer besser. Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden.“
Den Ausgleich gegen die TSG erzielte der Bosnier am Sonntag in der Nachspielzeit – und per Nachschuss, nachdem er mit seinem Elfmeter zunächst an Oliver Baumann gescheitert war. Die Erklärung: „Ich habe kurz vor dem Schuss noch die Ecke gewechselt, das mache ich sonst nicht.“
Am Ende blieb es ein Patzer, der schnell ausgebügelt war. Weshalb der Blick nun zufrieden Richtung Freitag geht. Und dem Treffen mit den VfB-Kollegen – bei einer ganz anderen Sportart.