Höhere Kosten, spätere Inbetriebnahme S-21-Projektpartner warten auf Informationen der Bahn

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S 21 wird noch teurer und noch später fertig. Jetzt werden 8,2 Milliarden Euro Kosten und eine Inbetriebnahme erst 2025 genannt. Für das Aktionsbündnis gegen S 21 erhöht sich damit die Unwirtschaftlichkeit des Projekts weiter. Die Projektpartner Land, Region und Stadt schweigen.

Demonstration des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 Foto: dpa
Demonstration des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 Foto: dpa

Stuttgart - Früher hat es einige Jahre gedauert, bis die Bahn Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen bei Stuttgart 21 einräumte. Jetzt geht es schneller: Erst Ende November hob der Konzern den Kostendeckel von 6,5 auf 7,9 Milliarden und verschob die Inbetriebnahme von 2021 auf 2024. Jetzt ist von 8,2 Milliarden Euro und einer Fertigstellung 2025 die Rede. Die Reaktionen darauf könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Projektpartner Land, Stadt und Region sind überrascht und schweigen, die Kritiker vom Aktionsbündnis gegen S 21 warnen die Bahnaufsichtsräte, den erhöhten Kosten zuzustimmen.

Der Vorstand des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 saß am Donnerstag passenderweiser im Zug nach Berlin, als er von den aktuellen Zahlen erfuhr. In der Hauptstadt wollen die S-21-Kritiker am Freitag gegen das Projekt protestieren. „Die neuerlich von der Bahn eingeräumte Kostensteigerung verbunden mit dem Eingeständnis weiterer Zeitverzögerungen erhöht die Unwirtschaftlichkeit des Projekts ein weiteres Mal“, heißt es in einer Stellungnahme. Die „im Monatsrhythmus eingeräumten Kostensteigerungen sind nur Teilgeständnisse“, sagte Eisenhart von Loeper, Sprecher des Bündnisses. Es gebe „überhaupt keinen Grund“, den nun behaupteten Angaben zu vertrauen. „Wir erwarten, dass die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt und dass sich die Politik nicht weiter mit dieser Salamitaktik der Eingeständnisse vorführen lässt“, erklärte von Loeper. Mit dem „Gerede von der Unumkehrbarkeit“ und der „bisherigen Ignorierung von Alternativstrategien wie dem gerade aktualisierten Umstiegskonzept“ lade die Politik nachgerade dazu ein, den Steuerzahler Schritt für Schritt weiter abzuzocken, erklärte das Aktionsbündnis. Die S-21-Kritiker erwarten, dass „die Bahn die Gutachten veröffentlicht und sich den Fragen der Öffentlichkeit stellt.“

Ministerium nicht von Bahn informiert

Weniger gesprächig sind die Projektpartner, die wegen der Mehrkosten vor einem Rechtsstreit mit der Bahn stehen. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg verwies darauf, dass es noch nicht von der Bahn informiert worden sei. Deshalb könne man auch zu der aktuellen Entwicklung keine Stellung nehmen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte aber Ende November, als die Kostensteigerung auf damals 7,6 Milliarden Euro eingeräumt worden war, von einer „erschreckenden“ Entwicklung gesprochen und betont, dass sich das Land an zusätzlichen Kosten nicht beteiligen werde. Der Minister hatte damals die auf 2024 verschobene Fertigstellung kritisiert: „Das bedeutet, dass die Fahrgäste im Regionalverkehr über noch längere Zeit mit Einschränkungen zurecht kommen müssen“.

Auch beim Verband Region Stuttgart hält man sich bedeckt. „Wir erwarten natürlich, dass die Bahn den Vertragspartnern Daten und Zahlen berichten und erläutern wird“, sagte Regionaldirektorin Nicola Schelling, „von einer Äußerung sehen wir daher zunächst ab.“ Im Stuttgarter Rathaus heißt es ebenfalls, dass die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung abzuwarten seien. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hatte aber schon bei der Verschiebung von 2021 auf 2024 von einem „schlechten Tag“ für die Stadt gesprochen, da sich die Bebauung Rosensteinviertel mit dringend benötigten 6000 neuen Wohnungen verzögere. Jetzt kommt wohl ein weiteres Jahr hinzu.

Das Thema könnte an diesem Freitag auch in einer Sitzung des Aufsichtsrats der Internationalen Bauausstellung 2027 eine Rolle spielen, an der Kuhn teilnimmt. Das Gremium soll den Intendanten der IBA wählen. Der neue Mann muss sich nun auf die Situation einstellen, dass für das neue Rosensteinviertel, das ein Kernstück der IBA sein sollte, zwar Ideen entwickelt werden können, fertige Bauten jedoch zeitlich nicht zu realisieren sind. Da die IBA aber ohnehin regional angelegt sei, werde sie nicht abgesagt, hatte es seitens Stadt und Region immer geheißen.