Stuttgart 21 Alternativtrasse kommt wohl nicht

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Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister Roland Klenk hört neue Signale aus dem Verkehrsministerium und zieht seine Schlüsse.

Die Menschen in Leinfelden-Echterdingen wehren sich dagegen, dass auf den S-Bahn-Gleisen auch Fernzüge fahren sollen. Foto: Rudel
Die Menschen in Leinfelden-Echterdingen wehren sich dagegen, dass auf den S-Bahn-Gleisen auch Fernzüge fahren sollen. Foto: Rudel

Stuttgart - Die Schar der Gratulanten war lang als Roland Klenk am Donnerstagabend seinen 60. Geburtstag feierte. Doch nicht alle, die dem Oberbürgermeister aus Leinfelden-Echterdingen Glück wünschten, hatten auch ein passendes Präsent parat. Winfried Hermann zum Beispiel, der Verkehrsminister des Landes, erneuerte in seinem telefonischen Gruß an den Jubilar die Botschaft, dass der Kostendeckel für Stuttgart 21 keinesfalls gehoben werde – auch nicht für die von Klenk erträumte alternative ICE-Strecke von der Rohrer Kurve zum Flughafen. „Damit“, sagt Klenk am Tag nach seinem Fest ernüchtert, „signalisieren die Projektpartner, dass wir die Alternativtrasse vergessen können.“ Eine Streckenführung parallel zur Autobahn kostet nach Expertenschätzungen mindestens 200 Millionen Euro mehr als die bisher vorgesehene Nutzung der S-Bahn-Strecke auch für Fernzüge.

Trotzdem wollen die Projektpartner von Stuttgart 21 in Kontakt kommen mit den betroffenen Bürgern auf den Fildern. Wie berichtet, soll dem regulären Planfeststellungsverfahren für den bisher nicht genehmigten Filderabschnitt 1.3 ein allgemein verständliches Dialogforum nach Art der Geißler-Schlichtung vorangestellt werden. Zwar gibt es offiziell noch keine Details über das Verfahren, inoffiziell scheint inzwischen aber die Bahn mit der Aufgabe betraut worden zu sein, einen neutralen Moderator für die Angelegenheit zu finden. Dieser Person sollen offenkundig zwei Experten zur fachlichen Beratung assistieren.

Inwieweit ein solches Dreigespann als unparteiische Instanz agieren kann, dürfte freilich noch Gegenstand der einen oder anderen Diskussion sein. Dem Vernehmen nach wollen die Bahn und das Land in der kommenden Woche über konkrete Namen debattieren und möglicherweise ihren Wunschkandidaten auch schon benennen. Roland Klenk und seine Bürger können dabei nur zuschauen. „Die Projektpartner haben das Verfahren fest in der Hand“, sagt der OB von Leinfelden-Echterdingen, „aber ich erwarte, dass der Moderator seine Aufgabe vorurteilsfrei erledigen wird.“

Drei bis vier Sitzungen des Filderdialogs soll es geben

Stattfinden werden die drei bis vier Sitzungen des sogenannten Filderdialogs voraussichtlich in der Filderhalle in Leinfelden. Teilnehmen sollen neben dem Oberbürgermeister und Vertretern der Gemeinderatsfraktionen auch Fachleute, die von den betroffenen Filderkommunen gestellt werden, sowie bahnkritische Mitglieder des Arbeitskreises Stuttgart 21 auf den Fildern. Von Seiten der Projektpartner dürften neben den Emissären der Bahn auch Vertreter des Landes, der Stadt Stuttgart und der Region Platz nehmen. Ob darüber hinaus Bürger der Stuttgarter Filderbezirke geladen sein werden, ist noch unklar.

Auffällig ist aber, wie die Bahn das Gebiet auf den Fildern mit neuem Elan beackern will. Nachdem in der Vergangenheit eher kurzfristige Absagen von lange anberaumten Terminen an der Tagesordnung waren, haben sich der Konzernbevollmächtigte Eckart Fricke und der Projektsprecher Wolfgang Dietrich jetzt kurzfristig zu einer öffentlichen Sitzung des Kommunalen Arbeitskreises Filder angesagt, der am kommenden Mittwoch, 7. März, um 18.30 Uhr im SIMT im Stuttgarter Stadtbezirk Plieningen tagt. Unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes will Fricke die Spielregeln des künftigen „Filderdialogs“ sowie die Bewertungskriterien und die Planungsprämissen für die bisher favorisierte Fildertrasse erläutern. Auch Vertreter des Landes wollen anwesend sein.

Ob die Teilnehmer der Sitzung von Fricke auch etwas Neues erfahren werden, steht zwar noch nicht fest. „Ich glaube aber, dass wir unseren Schwerpunkt jetzt weg von der Trasse, hin zur Lage des Flughafenbahnhofs legen sollten“, sagt Leinfelden-Echterdingens OB Roland Klenk.