Für Oberbürgermeister Frank Nopper sind „die von der Deutschen Bahn heute bestätigten Inbetriebnahmen des Durchgangsbahnhofs und des Flughafen-Fernbahnhofs im Dezember 2026, jedenfalls für weite Teile des Fern- und Regionalverkehrs, Anlass zur Freude“. Stuttgart bekomme einen „der architektonisch schönsten Bahnhöfe der Welt, der uns ganz neue verkehrliche Möglichkeiten eröffnet“. Der Rathaus-Chef stimmte aber gleichzeitig darauf ein, dass die Zeit bis zur Eröffnung des neuen Bahnknotens nochmals schwierig werden wird. „Der Weg bis zur Inbetriebnahme wird allerdings aufgrund mehrerer Streckensperrungen steinig und beschwerlich. Er wäre noch viel steiniger und beschwerlicher geworden, wenn verschiedene Baumaßnahmen nicht ins Jahr 2027 verschoben worden wären.“
Stadt rechnet mit geringfügiger Verzögerung des Städtebaus
Dass der Kopfbahnhof und die oberirdischen Gleisanlagen noch bis Sommer 2027 genutzt werden, ist für den für den Städtebau zuständigen Bürgermeister Peter Pätzold (Grüne) keine gute Nachricht. „Wir gehen davon aus, dass die Verzögerung des Rückbaus der Gleisanlagen durch die Bahn im Teilgebiet A auch Verzögerungen für den Städtebau bedeuten können. Unsere Planungen zu Stuttgart Rosenstein können jedoch ungehindert fortgeführt werden.“
Der für die S-Bahn zuständige Verband Region Stuttgart begrüßte die neuen Planungen. Der Vorsitzende, Rainer Wieland, erinnerte an die Ausgangslage, die „extrem schwierig“ gewesen sei. Nach den bisher geltenden Plänen wäre „Stuttgart während der geplanten Sperrungen aus nahezu allen Richtungen kaum noch erreichbar gewesen. Ein sinnvoller Schienenersatzverkehr wäre unter diesen Bedingungen praktisch nicht realisierbar gewesen“.
Aber auch nach der Entzerrung der Arbeiten werden zahlreiche Fahrgäste auch nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 zu leiden haben, bis die großen Baustellen im Schienennetz der Region Stuttgart der Vergangenheit angehören. Das geht aus der Liste „Baubedingte Sperrungen“ hervor, die die Bahn am Freitag vorgelegt hat. Im März 2027 sind die S-Bahngleise im Bahnhof Bad Cannstatt gesperrt, die Bahnen halten dann an den dafür umgerüsteten Regionalbahnsteigen. Zwischen Böblingen und Schwabstraße sowie zwischen Vaihingen und Filderstadt ruht der Bahnverkehr.
Auswirkungen auf den S-Bahnverkehr im Jahr 2027
Der zentrale Abschnitt des Stuttgarter S-Bahnnetzes, die Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen, ist von Anfang April bis Anfang Juli 2027 gesperrt. Weil dann aber bereits Regionalzüge zwischen dem Tief- und dem Flughafenbahnhof fahren, könnte das eine Ausweichstrecke sein. Dazu laufen aktuell Planungen für eine temporäre S-Bahnverbindung zwischen Herrenberg und Filderstadt via Flughafen mit Fahrtrichtungswechsel in Vaihingen.
Auf die gemeinsame Arbeitsgruppe von Bahn, Land, Stadt und Region, die die Entzerrung des Baustellenkalenders konzipiert hat, kommt noch viel Arbeit zu. „Die gemeinsam auf den Weg gebrachte Task Force hat in kurzer Zeit durch vertrauensvolle Zusammenarbeit ein überzeugendes Ergebnis geliefert. Daran muss weitergearbeitet und so verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden“, sagte Wieland.
Beim Thema Gäubahnstrecke scheiden sich die Geister
Dass die baubedingte Unterbrechung der Gäubahnstrecke zwar erst ein Jahr später als bisher geplant im März 2027 stattfindet, aber nicht ganz abgesagt wird, sorgt weiter für Verstimmung entlang der betroffenen Strecke. Andreas Jung (CDU), Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Konstanz und Vorsitzender der CDU-Landesgruppe im Bundestag, unterstrich, dass der Druck aus den betroffenen Regionen Wirkung gezeigt habe. „.Aber die Planungen für den Übergang bleiben ein Tiefschlag für unsere Region. Das ist Rückschritt statt Fortschritt – und das darf nicht das letzte Wort sein“.
Nach der Unterbrechung der Strecke und der Inbetriebnahme des bisher nur geplanten Pfaffensteigtunnels, der die Gäubahn an die S-21-Infrastruktur am Flughafen anbinden soll, müssen Fahrgäste in Stuttgart-Vaihingen auf S- und Stadtbahnen umsteigen. Der Tunnel müsse also „tatsächlich ab 2032 wie geplant“ kommen. Dazu regte der CDU-Politiker an, für den Bau des auf zwei Milliarden Euro taxierten Tunnels auch auf das Sondervermögen des Bundes zuzugreifen. Es müsse erlaubt sein, dass auch Neubauvorhaben aus diesen Mitteln finanziert werden.
Auch das Bündnis „Pro Gäubahn“ begrüßte die Verschiebung der Kappung ins Jahr 2027. Das Bündnis betont die Bedeutung der Strecke, in deren Einzugsgebiet fast 1,5 Millionen Menschen lebten. Sie sei zudem „eine wichtige Rückfallebene für Störungen und Bauarbeiten auf der Stammstrecke der S-Bahn Stuttgart. Da sich diese Erkenntnis jetzt auch bei den Projektpartnern von Stuttgart 21 vertieft hat, sollte bald der nächste Schritt zum dauerhaften Erhalt dieser Verbindung gegangen werden“.