Stuttgart 21 auf den Fildern Damit Lärmschutz nicht zur Katastrophe wird

Bleibt es bei der bisher angedachten S-21-Lösung auf den Fildern, würden künftig nicht nur S-Bahnen mitten durch Leinfelden-Echterdingen rollen. Foto: Natalie Kanter

Am Montag beginnt auf der Landesmesse die lange erwartete Erörterung zum S-21-Filderabschnitt und damit zur Anbindung der Gäubahn an den Flughafen. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat sich auf diesen Termin gut vorbereitet.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Leinfelden-Echterdingen - Nahezu vier Jahre hat das Verfahren gedauert. Lange mussten Befürworter und Gegner des Bahnprojektes Stuttgart 21 auf den Fildern auf den Erörterungstermin warten, der am Montag beginnt und sich über vier Tage erstreckt. Verschiedene Vertreter der Stadt Leinfelden-Echterdingen wollen dann im Messe-Kongresszentrum noch mal alles vorbringen, was sie an der bisherigen Planung – dem Planfeststellungsabschnitt 1.3b, also der neuen Gäubahnführung von der Rohrer Kurve zum Flughafen mitsamt dem dritten Gleis – stört. Auch Eva Noller wird ihre letzten Tage als Baubürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen dort verbringen.

 

Auch die Tunnellösung wird diskutiert

An diesen vier Tagen wird es auch um die zwar viel diskutierte, aber noch nicht finanzierte und auch noch nicht tiefer untersuchte Tunnel-Variante gehen. Dabei handelt es sich um einen elf Kilometer langen Tunnel vom Haltepunkt Böblingen-Goldberg bis zum Airport. Für Oberbürgermeister Roland Klenk ist das die zukunftsfähigste Variante, während die bisher geplante Strecke über das quer durch seine Stadt verlaufende S-Bahn-Gleis zu massiven Beeinträchtigungen für die Anwohner führen werde.

Im Fokus der Erörterung aber steht die bisherige Planung, denn die will die für Stuttgart 21 verantwortliche Projektgesellschaft auch weiter umsetzen. Die Gäubahnzüge sollen demnach künftig auf den bestehenden S-Bahn-Gleisen zum Airport rollen. Dazu hatte die Stadt Leinfelden-Echterdingen festgestellt, dass, ihrer Meinung nach, diese Streckenführung die Anforderungen an einen störungsfreien, zukunftsfähigen S-Bahnbetrieb nicht erfüllt. Die Kommune hat mit ihrer Kritik am Betriebskonzept und mit Hilfe ihres Anwaltes auch schon erreicht, dass die Bahn an der S-21-Strecke, die durch die Stadt führt, für Schall- und Erschütterungsschutz sorgen muss.

Hecken, Baumreihen und Erdhügel

Um eine geteilte Stadt und eine „städtebauliche Katastrophe“ zu verhindern, wie Philipp Schwarz, Leiter des städtischen Planungsamtes, erläutert, will die Stadt auch im Sinne jener Bürger, die an den Gleisen wohnen, daran festhalten, die teils vier Meter hohen Standard-Blechwände mit höherwertigem Material auszustatten und mittels Hecken, Baumreihen und möglicherweise auch mit aufgeschütteten Erdhügeln aufzuhübschen. Kostenpunkt: 3,8 Millionen Euro. Freilich nur dann, wenn die Trasse auch wie bisher geplant umgesetzt werden sollte – und die Tunnel-Lösung wieder in der Schublade verschwinden sollte.

„Hier haben wir bereits einen Fuß in der Tür“, sagte Eva Noller am Dienstag in einer Sitzung des Technischen Ausschusses. Landschaftsarchitekt Christof Luz hatte dem Gremium die Pläne der Stadt hierzu im Detail erneut erläutert. Die Stadt wollte sich laut Philipp Schwarz rechtzeitig vor Beginn der Erörterung noch grünes Licht für dieses Vorgehen seitens der Stadträte holen. Die Kommune würde so „aus einem Kassenmodell eine Designerbrille machen“, sagte Grünen-Stadträtin Ingrid Grischtschenko. Lärmschutz soll „unsere Stadt nicht verschandeln“, sagte Jürgen Kemmner (L.E. Bürger). Fluggäste oder Messebesucher sollten – wenn sie durch Leinfelden-Echterdingen fahren – nicht nur Wände sehen, erklärte Erich Klauser (SPD). „Wenn die Finanzierung des Gäubahn-Tunnels nicht gesichert ist, ist es sogar unsere Pflicht, an den bisherigen Plänen festzuhalten“, sagte Wolfgang Haug (FDP).

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