Stuttgart 21 auf den Fildern Stuttgart 21: Bürgernähe in 24 Ordnern

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Noch bis zum 27. Februar können sich alle die Unterlagen für das Großprojekt rund um den Flughafen anschauen. Klar ist: Wer sich in die Materie einarbeiten will, sollte angesichts des Umfangs Zeit mitbringen. Wer tut sich das an.

In Plattenhardt war der Andrang der Bürger zu den 24 Ordnern überschaubar, in Echterdingen klopften mehr Leute an. Foto: Judith A. Sägesser
In Plattenhardt war der Andrang der Bürger zu den 24 Ordnern überschaubar, in Echterdingen klopften mehr Leute an. Foto: Judith A. Sägesser

Filder - Ausklappbare Lagepläne, Studien zu Umweltverträglichkeit und Schalltechnik, Passagen, die in Blau gedruckt und wieder durchgestrichen sind, Verweise von einem Ordner auf einen anderen – in den 24 Ordnern steckt geballte Information über den Filderabschnitt 1.3b des Bahnprojekts Stuttgart 21. Und jeder, der es genauer wissen will, kann die Ordner wälzen. Noch bis Mittwoch, 27. Februar, stehen die Unterlagen griffbereit für die Öffentlichkeit. Was beim Besuch in einem Amtszimmer des Rathauses in Plattenhardt schon auf den ersten Blick klar wird: Wer sich die vielen Pläne und Studien genau anschauen möchte, sollte genügend Zeit im Gepäck haben.

Doch wer tut sich das an? In Plattenhardt war das Interesse der Bürger überschaubar, sagt die städtische Mitarbeiterin, deren Schreibtisch direkt neben dem Ordnerpulk steht. Eine Handvoll Leute sei seit Ende Januar da gewesen. Einer davon war Walter Bauer, der Sprecher der SPD im Gemeinderat Filderstadt. Drei Stunden saß er da, hat sich zunächst mit Hilfe des ersten Ordners einen groben Überblick verschafft und dann die für ihn wichtigen Punkte recherchiert. Dazu gehört freilich die geplante einjährige Sperrung der S-Bahn-Strecke nach Filderstadt-Bernhausen.

Laien seien schnell überfordert mit den vielen Ordnern

Bauer hat sich die 24 Ordner vorgenommen, um seine Einwendung gegen die in Filderstadt umstrittene Vorgehensweise der Bahn entsprechend zu unterfüttern. „Ich bin Autodidakt“, sagt er über die Art, wie er sich durch die Pläne und Studien gewurstelt hat. Und er gibt zu: Was das Projekt Stuttgart 21 angeht, ist er eh Experte. Seit den 1990er Jahren sei er bereits drin im Thema. „Für den Laien sind die Ordner eine Zumutung“, sagt er. Was er aber nicht als Grundsatzkritik an der öffentlichen Auslegung der Unterlagen verstanden wissen will. „Ich begrüße das sehr.“

Die 24 Ordner stehen nicht nur in Plattenhardt. Sie können auf den Fildern zudem noch in den Rathäusern von Leinfelden-Echterdingen, Plieningen und Ostfildern studiert werden.

Im Rathaus in Echterdingen war der Zustrom im Vergleich zu Plattenhardt größer. Ein, zwei Leute seien am Tag da gewesen, sagt Martin Schindelin vom städtischen Planungsamt. Er ist seit 1994 bei der Stadt beschäftigt, und seither setzt er sich mit Stuttgart 21 auseinander. „Ich bin mit dem Projekt hier groß und alt geworden“, sagt er. Bürger, die ob der Papierberge ratsuchend an seine Tür klopfen, kann er in den allermeisten Fällen helfen, sagt Schindelin. „Wir sehen das als unsere Aufgabe, die Leute zu unterstützen.“ Die meisten treibe das geplante Lager für den Erdaushub der Rohrer Kurve zwischen Oberaichen und Musberg um. Fast keiner war kürzer als eine halbe Stunde da, manche sogar länger, berichtet Martin Schindelin.

Der Vaihinger Bezirksvorsteher sah sich gezwungen, Nein zu sagen

In Plieningen hat sich der Andrang zu den 24 Ordnern – ähnlich wie in Filderstadt – in Grenzen gehalten, sagt die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel. „Wir machen jetzt keine Strichliste“, aber es sei bisher vielleicht ein halbes Dutzend im Bezirksamt vorbeigekommen. „Es waren natürlich auch die üblichen Verdächtigen“, Leute aus dem Bezirksbeirat oder Vertreter der Landwirtschaft. Unbekannte Gesichter seien indes kaum gesichtet worden. Derjenige, der derzeit ein freiwilliges soziales Jahr im Rathaus macht, beaufsichtigt die Einsichtnahme im Sitzungssaal.

In Stuttgart-Vaihingen hätten die zwei Dutzend Ordner übrigens ebenfalls stehen können. Doch der dortige Bezirksvorsteher Kai Mungenast sah sich gezwungen, Nein zu sagen. „Das muss personell begleitet werden“, sagt er. „Und das konnten wir nicht leisten.“ Er betont, ein großer Fan von Bürgernähe zu sein, „aber in diesem Fall war es nicht möglich“.

Einwendungen sind bis zum 27. März möglich

Bürger können bis Mittwoch, 27. Februar, die Planungsunterlagen für den Filderabschnitt von S 21 ansehen. Die Ordner stehen in den Rathäusern Plattenhardt, Echterdingen, Plieningen, im Stuttgarter Stadtplanungsamt sowie online beim Regierungspräsidium. Die Ordner sind zu den Öffnungszeiten der Rathäuser zugänglich. Wer Einwendungen hat, der kann diese noch bis zum 27. März einbringen. Das Formular dafür findet sich ebenfalls in den genannten Rathäusern oder online. Geplant ist dann ein Erörterungstermin.