Stuttgart 21 Auf den Fildern wächst die Kritik am Bahnkonzept

Von Natalie Kanter 

Ein Experte hegt erhebliche Zweifel an dem, was die Deutsche Bahn für Stuttgart 21 rund um den Flughafen vorhat. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen versucht, das Ruder deshalb noch herumzureißen und sucht Verbündete.

Fährt die S3 künftig nicht mehr zum Flughafen, sondern nur noch bis nach Vaihingen? Über diese Frage wird derzeit in Leinfelden-Echterdingen hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Foto: Natalie Kanter
Fährt die S3 künftig nicht mehr zum Flughafen, sondern nur noch bis nach Vaihingen? Über diese Frage wird derzeit in Leinfelden-Echterdingen hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Foto: Natalie Kanter

Leinfelden-Echterdingen - Die Stadt Leinfelden-Echterdingen ist fest entschlossen, das Ruder in Sachen Stuttgart-21-Konzept auf der Filderebene kurz vor knapp noch herumzureißen und sucht dafür Verbündete. Die Kommune fordert ein zukunftsfähiges Betriebskonzept. S 21 solle nicht auf Kosten der Filder-S-Bahn realisiert werden. „Wir möchten Region, Land, Bund – und natürlich auch die Bahn – über die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, informieren und unsere Sorge kundtun, dass womöglich schwerwiegende Fehler gemacht werden“, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk unserer Zeitung. Und: „Wir wollen der Verantwortung für unsere Stadt gerecht werden.“

Klenk ist überzeugt, dass wenn der von der Stadt beauftragte Gutachter Eberhard Hohnecker Recht habe, und davon sei auszugehen, dies Folgen für die gesamte Region und damit auch für Ludwigsburg, Böblingen und Sindelfingen haben wird. Der Professor hatte das S-21-Konzept im Auftrag der Kommune untersucht und dabei erhebliche Planungsmängel festgestellt. Er wirft den Verantwortlichen vor, keine Zukunftsoptionen für die Filder-S-Bahn untersucht zu haben. Das Projekt würde auf deren Kosten realisiert. Er schlägt deshalb bauliche Veränderungen wie ein viertes Gleis am Flughafen vor.

Erneut hat die Stadt Leinfelden-Echterdingen Veto eingelegt

Die S-21-Projektverantwortlichen erhalten von L.-E. also erneut eine gelbe Karte. Bereits in Sachen Lärm-, Erschütterungs- und Brandschutz hatte die Kommune ihr Veto eingelegt und Verbesserungen erreicht. Letzteres möchte der OB ein weiteres Mal bewirken. Es müsse gelingen, die „dicken Fragezeichen“, die sich aufgetan haben, „wieder auszuradieren“.

Der Oberbürgermeister und Baubürgermeisterin Eva Noller möchten sich zeitnah mit der Verbandsspitze der Region treffen und dabei auch das vom Gemeinderat gerade einhellig abgesegnete Schreiben an das Regierungspräsidium diskutieren. Darin lehnt die Kommune das S-21-Konzept auf der Filderebene wegen fehlender Zukunftsfähigkeit ab. Klenk und Noller scheuen sich nicht, notfalls auf das Verkehrsministerium zuzugehen.

Schlittert man so in eine Katastrophe?

Stadträten unterschiedlicher Couleur schwebt eine Art Spitzengespräch vor, an dem S-21-Projektpartner, also auch die Region und die Stadt Stuttgart, sowie Vertreter anderer Kommunen teilnehmen. Der Unmut der Kommunalpolitiker ist groß. Das aktuelle Konzept sei „eine Krampflösung“, erklärt die SPD. Bei so vielen Fehlern müsse dringend nachgebessert werden. Ein FW-Stadtrat spricht von Pfusch vor der Haustür, den es zu vermeiden gelte. Eine Stadträtin der L.E. Bürger befürchtet, dass man in eine Katastrophe schlittere. Zumindest der Status quo der S-Bahn solle erhalten bleiben, erklären die Grünen. Die Fraktion Linke/Pirat, die in der Regionalversammlung sitzt, hat den Antrag gestellt, den Gutachter Hohnecker in den Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart einzuladen. Seine kritische Stellungnahme müsste dort gründlich diskutiert werden.