Stuttgart 21 auf den Fildern Warum diese Lastwagen kräftig duschen

Von Jacqueline Fritsch 

Bevor Lastwagen die Stuttgart-21-Baustelle am Flughafen verlassen, müssen sie eine spezielle Anlage passieren. Das hat mit dem Dreck zu tun, der an ihren Reifen hängt.

Damit sie keinen Dreck mitschleifen, fahren die Lastwagen durch die Reifenwaschanlage. Foto: Fritsch
Damit sie keinen Dreck mitschleifen, fahren die Lastwagen durch die Reifenwaschanlage. Foto: Fritsch

Plieningen - Sobald der Lastwagen die Lichtschranke passiert, schießt das Wasser aus 88 Hochdruckdüsen in verschiedenen Winkeln auf seine Reifen. Langsam fährt er eine kleine Rampe nach oben, dann über ein gerades Stück, auf das nicht einmal das gesamte Fahrzeug passt – und schon geht es wieder abwärts. Glänzend kommen die Reifen, die bis gerade quer über die Baustelle gefahren und völlig verdreckt sind, wieder auf der Straße an. Jeder Lkw, der auf der Baustelle von Stuttgart 21 zwischen dem Flughafen und Plieningen unterwegs ist, muss durch die Reifenwaschanlage, bevor er von der Baustraße auf eine öffentliche Straße fährt. Das sind im Schnitt etwa 30 Fahrzeuge pro Tag, wenn viel los ist sogar bis zu 200 pro Tag.

Stillstand gibt es auf der Baustelle zwischen der A 8 und der Landesstraße 1192 trotz des Coronavirus nicht. Dort lässt die Deutsche Bahn zurzeit eine Ersatz-Autobahn bauen. Von Mitte Mai an sollen die Autos auf dieses 1,2 Kilometer lange Stück Straße geleitet und danach wieder zurück auf die bestehende Autobahn geführt werden. In der Zwischenzeit entsteht unter der Autobahn in offener Bauweise ein Tunnel für Stuttgart 21. Sobald die A 8 wieder normal verläuft – nach etwa anderthalb Jahren – wird die Ersatzautobahn durch Bahngleise ersetzt.

Die ausgehobene Erde muss ja irgendwann abtransportiert werden

Für diese Arbeiten muss eine Menge Erde bewegt werden. Die Baustellenfahrzeuge haben zwar extra sogenannte Baustraßen, um sich jenseits des normalen Verkehrs bewegen zu können. Dennoch müssen sie die ausgehobene Erde und andere Materialien aus der Baustelle schaffen. Damit sie dabei keinen Dreck mitschleifen, fahren sie vorher durch die Reifenwaschanlage. „Danach fährt man noch ein Stück die Baustraße entlang, damit das Wasser und der gelöste Schmutz hier bleiben und nicht mit in die Kreuzung zur öffentlichen Straße genommen werden“, erklärt Daniel Wäschenbach, der Teamleiter für den Bauabschnitt auf den Fildern bei der Deutschen Bahn.

Pro Waschgang kommen etwa 100 Liter Wasser in der Anlage in Bewegung. Das meiste davon läuft wieder zurück in den Container, aus dem es stammt Der steht direkt neben der Anlage und wird einmal am Tag mit etwa 3000 bis 4000 Litern Wasser nachgefüllt. Ein Anschluss an eine Leitung ist dadurch nicht nötig. „Aus dem benutzten Wasser wird der Schmutz herausgefiltert und landet in einem zweiten Container“, erklärt Wäschenbach. Diesen Schmutz abzutransportieren, das Wasser nachzufüllen und der Strom für die Anlage seien Kostenpunkte für das Projekt. Die Reifenwaschanlage selbst sei für die Bauarbeiten geliehen worden, denn Kosten für eine Neuanschaffung würden im fünfstelligen Bereich liegen, sagt ein Mitarbeiter von der Baufirma Strabag.

Es sind weitere solcher Waschanlagen geplant

Die Reifenwaschanlage an der Landesstraße zwischen der Echterdinger und der Bernhauser Straße ist die erste von dreien, die für Stuttgart 21 auf der Filderebene installiert werden. Sobald die Baustraßen an der Koppentalklinge und der Neuhauser Straße fertig sind, wird es auch dort solche Anlagen geben. „Die sind nicht nur dafür da, die öffentlichen Straßen sauber zu halten“, sagt Wäschenbach, „es ist auch eine Sache der Verkehrssicherheit, dass die Fahrzeuge nicht zum Beispiel auf der Autobahn größere Klumpen verlieren“. Für kleinere Verschmutzungen seien zusätzlich zwei Kehrmaschinen regelmäßig im Bereich der Baustelle unterwegs.

Reifenwaschanlagen seien auf Baustellen nichts Neues. Sie werden seit rund 20 Jahren eingesetzt, erklärt der Mitarbeiter der Baufirma. Im Zuge von Stuttgart 21 wurde unter anderem in der Stuttgarter Innenstadt eine installiert. „Da sind manche Leute schon durch die Lichtschranke gegangen und nass geworden“, erzählt Wäschenbach. Gefährlich sei das nicht. „Es ist ja im Prinzip eine Art große Dusche“, sagt er.




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