Filder - Der Gäubahnanschluss im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 ist nach wie vor umstritten. Die Pläne der Deutschen Bahn sehen vor, die Fernzüge von Stuttgart-Rohr an auf den S-Bahngleisen zum Airport zu führen. Die Gegner lehnen diese Mischnutzung ab, weil sie Engpässe befürchten. Sie plädieren dafür, die Gäubahn weiter über die Panoramastrecke zu führen und vom neuen Regionalbahnhalt in Vaihingen aus zusätzliche Züge zum Flughafen fahren zu lassen. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen sieht die Pläne der Bahn ebenfalls kritisch.
Die Bahn setzt auf Ersatzbusse
Während des Baus des Gäubahnanschlusses an den Flughafen nach den Plänen der Bahn setzt diese auf Ersatzbusse. Sie sollen statt der voraussichtlich für ein Jahr unterbrochenen S-Bahn zwischen dem dann neuen Endhalt Echterdingen und dem Flughafen sowie dem alten Endhalt in Filderstadt-Bernhausen pendeln. Denn am Airport entsteht im Untergrund parallel zum bestehenden S-Bahnhalt ein Gleis für die Gäubahnzüge. Die Kappung der S-Bahnverbindung soll den Bau beschleunigen. Beim Erörterungsverfahren für den Planabschnitt 1.3b auf der Landesmesse übte der Bahnkundenverband scharfe Kritik an dem Ersatzbus-Konzept. Der Landesvorstand Roland Morlock geht davon aus, dass Pendler aus Filderstadt dann pro Richtung bis zu 30 Minuten länger brauchen würden. Gegenüber unserer Zeitung erklärt er, wie er auf diese Zahl kommt.
Wie rechnet der Kundenverband?
Morlock geht davon aus, dass bis zum Bau des Gäubahnanschlusses die S-Bahnlinie nach Neuhausen fertig ist. Reisende, die mit der S-Bahn aus dieser Richtung kommen, müssen dann in Bernhausen auf den Bus umsteigen. Als Mindestumsteigezeit rechnet er mit sechs Minuten, „damit Reisende den Anschluss auch erreichen, wenn sie nicht jung und sportlich sind, und wenn die Bahn mal geringfügig verspätet ist“. Angekommen in Echterdingen, müssen die Fahrgäste wieder in die S-Bahn umsteigen, was wieder sechs Minuten Zeit bedeute. „Das heißt zwölf Minuten nur für Umstiege“, sagt Morlock.
Zu berücksichtigen sei nun die Fahrzeit der durchgehenden S-Bahn. Diese beträgt bis Echterdingen sechs Minuten. Gegenüber der S-Bahn in Bernhausen fahre also die nächste Bahn in Echterdingen bei einem 15-Minuten-Takt 21 Minuten später ab. Ziehe man davon die zwölf Minuten für den Umstieg ab, verbleiben noch neun Minuten Fahrzeit für den Bus, damit Pendler die nächste S-Bahn erreichen. Das sei knapp, es sei davon auszugehen, dass gerade in Zeiten hoher Verkehrsbelastung auch diese S-Bahn nicht erreicht werde. Damit kämen die Pendler erst zwei S-Bahnen und damit 30 Minuten später zu ihrem Ziel. Berechnet man Hin- und Rückweg, wäre das eine Stunde zusätzlicher Zeitaufwand.
Solange die S-Bahn nach Neuhausen noch nicht in Betrieb sei, könne der Ersatzbus auf die Abfahrt der S-Bahn in Echterdingen abgestimmt werden. Durch zusätzliche Umstiege und längere Fahrzeit gehe dann voraussichtlich immer genau ein Anschluss verloren. Das seien dann 15 Minuten pro Fahrt beziehungsweise eine halbe Stunde am Tag, rechnet Morlock vor. Darüber hinaus hat er noch weitere Szenarien ermittelt.
Ist eine kürzere Bauzeit möglich?
Kurzum, der Bahnkundenverband lehnt die S-Bahnunterbrechung ab. Wenn es aber dennoch dazu komme, so fordert er, dass zumindest die Bauzeit deutlich verkürzt werde. Das sei möglich, sagt Morlock, würde aber die Deutsch Bahn freilich mehr kosten. Aus Morlocks Sicht gilt es jedoch, „die Belange Dritter richtig einzupreisen“. Damit meint er, dass seiner Meinung nach vermutlich viele Pendler dem öffentlichen Personennahverkehr wieder den Rücken kehren, wenn ihre Anschlüsse aufgrund der S-Bahnkappung nicht mehr verlässlich seien. Das führe zu hohen Kosten für die Gesellschaft.
Die Stellungnahme der Deutschen Bahn
Die Deutsche Bahn beharrt indes auf ihrer Darstellung, die sie auch bei dem Erörterungsverfahren auf der Landesmesse vorgetragen hatte: „Grundsätzlich sei während der Sperrung der S-Bahn ein Ersatzverkehrskonzept machbar. Das belegt ein Gutachten des Verkehrswissenschaftlichen Instituts“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Die Details des Ersatzverkehrskonzepts würden rechtzeitig vor Baubeginn geplant und abgestimmt werden. Darüber hinaus wolle man sich als Vorhabenträger nicht zu einem laufenden Planfeststellungsverfahren äußern.