Nach einem Jahr Pause baut die Bahn im Schlossgarten wieder weiter am Grundwassermanagement. Die komplexe Technik soll die Baugrube trocken halten und das Mineralwasser schützen.

Stuttgart - Die Bahn hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Kommunikationsbüro von Stuttgart 21 angekündigt, dass sie die Arbeiten an dem Grundwassermanagement fortsetzen wird. Das System werde nun bedarfsorientiert ausgebaut. „Die erste Stufe soll im März 2013 einsatzbereit sein“, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich.

Der Projektsprecher räumte ein, dass es in einzelnen Bauabschnitten noch zu zeit­lichen Verschiebungen und Änderungen kommen könne. Noch vor wenigen Wochen hatte Dietrich erklärt, dass im Februar 2013 damit begonnen werden könne, die Baugrube für den Trog des Tiefbahnhofs auszuheben. Konkrete Zeitpläne über den Bauablauf könne man erst im Januar vorlegen, hieß es nun. „Im Moment gehe ich aber davon aus, dass wir alle Bauarbeiten in dem vorgesehenen Zeitrahmen von sechs Jahren abschließen können“, sagte Dietrich.

Auflagen vom Verwaltungsgerichtshof

Wie berichtet, hatte das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) erst Ende Oktober die 5. Planänderung der zentralen Anlage im Schlossgarten genehmigt. Die Arbeiten waren im Dezember 2011 vom Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg gestoppt worden, der einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) stattgegeben habe. Die Umweltorganisation hatte bei der Planung des Grundwassermanagements der Bahn Mängel beim Artenschutzkonzept vorgehalten.

Die Rüge des Gerichts und die damit verbundenen zusätzlichen Arbeiten haben die Bahn viel Zeit gekostet. „Jetzt stehen wir wieder da, wo wir vor einem Jahr bereits einmal waren“, sagte Dietrich. Nun gehe es aber darum, die Grundwasseranlage fertig zu stellen. Das hochkomplexe technische System, das aus der zentralen Wasseraufbereitungsanlage, Pumpenanlagen, Rohrleitungen und zahlreichen Infiltrationsbrunnen bestehe, garantiere ein Höchstmaß an Sicherheit für das Grund- und Mineralwasser. Die bewährte Technik sei bereits auf vielen anderen Baustellen erfolgreich eingesetzt worden.

Informationsveranstaltung für Anwohner

Nach Angaben der Bahn wird mit den Arbeiten schon in den nächsten Tagen begonnen. Am ehemaligen Busbahnhof müssten noch Anschlüsse an Versorgungsnetze hergestellt und Restarbeiten an der bereits bestehenden zentralen Grundwasseraufbereitungsanlage erledigt werden. Im Bereich des Hauptbahnhofs sollen die Arbeiten ebenfalls noch im November beginnen. „Von Januar an wird das Rohrnetz dann in der Jägerstraße, im Mittleren Schlossgarten, in der Ossietzkystraße und im Kernerviertel montiert“, erklärte Dietrich. Im Kernerviertel sei auch eine Informationsveranstaltung für die Anwohner geplant. Der Termin stehe aber noch nicht fest. In dem zum Schlossgarten hin abfallenden Wohngebiet befürchten die Bürger, dass der Hang durch das Abpumpen des Grundwassers in Rutschen geraten könnte.

Viele Einwände gegen weitere Pläne

Das 17 Kilometer lange Rohrleitungsnetz des Grundwassermanagements ist erforderlich, um das aus den Baugruben gepumpte Grundwasser zur zentralen Aufbereitungsanlage und zu den sogenannte Infiltrationsbrunnen teilweise wieder in den Boden zu leiten. Damit soll der Druck auf das in tieferen Schichten strömende Mineralwasser stabil gehalten werden. Die Rohre verlaufen im Umfeld des Hauptbahnhofs und sind an die Wasseraufbereitungsanlage auf dem Gelände des früheren Omnibusbahnhofs im Schlossgarten angeschlossen. Bis auf das Kernerviertel verliefen sie nicht durch Wohngebiete, sondern auf Baugrundstücken und auf Flächen im Schlossgarten. Eine Leitung führt zum Neckar, der das überschüssige Grundwasser aufnehmen soll.

Um die doppelte Menge Grundwasser – 6,8 statt 3,2 Milliarden Liter – entnehmen zu können, hat die Bahn eine zweite Anlage auf dem Areal des abgebrochenen Südflügels beantragt. Gegen dieses Vorhaben sind beim Regierungspräsidium mehr als 11 000 Einsprüche eingegangen – unter anderem auch eine 16 Seiten starke kritische Stellungnahme der Stadt Stuttgart.

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Wolfgang Dietrich Stuttgart Stuttgart 21