Stuttgart 21 Termine haben sich immer wieder verschoben

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Das – von der Bahn eingestandene – Problem mit der noch nicht fertigen Logistikstraße ist nur eines von mehreren, die den Beginn der Bauarbeiten in der Innenstadt begleiten. Dazu gehören auch die noch nicht abgeschlossenen Planverfahren für diesen Bereich. Für den Nesenbachabwasserkanal und die erhöhte Grundwasserentnahme stehen die Genehmigungen des Eisenbahnbundesamts (EBA) noch aus. Auch das Brandschutzkonzept für den Tiefbahnhof befindet sich weiter in der Abstimmung mit den Experten des Regierungspräsidiums, der Feuerwehr und des EBA. Früher hoffte die Bahn, dass sie die Genehmigung in diesem Sommer erhält, jetzt nennt sie Mitte 2015. Den von ihr selbst angekündigten Termin, das Konzept noch vor der Sommerpause dem Technik-Ausschuss des Gemeinderats vorzustellen, ließ sie verstreichen.

Fragen zu den Genehmigungsverfahren und zum Ablauf der Baustelle wollte das Kommunikationsbüro im Vorfeld des heutigen Tags gegenüber der Stuttgarter Zeitung nicht beantworten. Ungeklärt bleibt damit, warum in den vom Kommunikationsbüro vorgestellten offiziellen Bahnunterlagen, die unter www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de einsehbar sind, verschiedene Termine und Abläufe genannt werden und welche Auswirkungen die Veränderungen haben. So kommunizierte die Bahn vor knapp einem Jahr unter dem Titel „Baustart in den nächsten zwölf Monaten“, dass die Hauptarbeiten für die Baugrube 16 im Juni 2014 und die für den Nesenbachdüker schon im Dezember 2013 beginnen sollten. Ende März 2014 wurde unter der Überschrift „Wesentliche Bauarbeiten in 2014“ informiert, dass die Baugrube 16 und der Dükerbau im Juni angegangen werden sollen. In der aktuellsten Auflistung von Anfang Juli sind für die Baugrube 16 der August und für den Dükerbau der Oktober als Beginn vorgesehen. Dafür rutschte der Start für die Baugrube 1 am Nordkopf vom März 2014 in die zweite Januarhälfte des kommenden Jahres.

BUND warnen vor Gefahren fürs Mineralwasser

Offen ist auch, nach welchen Plänen der Nesenbachabwasserkanal gebaut wird. Fragen danach beschied das Kommunikationsbüro mit dem lapidaren Hinweis, dass dies noch erläutert werde. Dabei wurde der Bau des Nesenbachabwasserkanals schon im Januar 2005 genehmigt – allerdings in einer Bauweise mit Druckluftvortrieb, die die Firma Züblin, die den Zuschlag für die Arbeiten in der Innenstadt erhielt, nicht realisieren wollte. Deshalb beantragte die Bahn eine Planänderung, in der der Kanal zwar um 60 Meter verkürzt, aber nun in offener Bauweise erstellt wird. Auch dagegen erhebt sich Kritik. So moniert der BUND, dass der Düker durch seine Lage unter dem Trog am gefährlichsten in die schützenden Deckschichten der Mineralwasservorkommen schneide. Der Umweltverband und die S-21-kritischen Ingenieure 22 befürchten zudem, dass die Gefahr von Rückstauungen und Überschwemmungen steige und die von der Stadt zu tragenden Kosten für die Reinigung sich bis auf eine halbe Million Euro pro Jahr summieren könnten. Das städtische Tiefbauamt und die Bahn weisen all diese Befürchtungen zurück. Wann der Dükerbau vom EBA genehmigt wird, ist offen. Das Amt für Umweltschutz erwartet noch Prüfungen für eine wasserwirtschaftliche Bewertung. „Diese Berechnungen liegen noch nicht vor“, erklärte jüngst Minister Winfried Hermann (Grüne).

Anwohner fordern Schallschutz ein

Mit großen Befürchtungen sehen die in Netzwerken zusammen geschlossenen Anwohner dem Baustart mit Arbeitszeiten von 7 bis 20 Uhr entgegen. „Es ist nur ein Bruchteil des Schallschutzprogramms für das Kernerviertel umgesetzt“, beklagt Sprecher Frank Schweizer. Ganz anders dagegen die Stimmung beim Architekten Christoph Ingenhoven. Dies sei der Beginn der Arbeiten an seinem Baby, sagte er der Nachrichtenagentur dpa erfreut.

In einer Überblicksarte zeigen wir, an welchen Stellen derzeit wegen des Bahnprojekts Stuttgart 21 gebaut wird:


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