Stuttgart 21 Bahn nimmt Wasserschlacht im Tunnel wieder auf

Von Konstantin Schwarz 

Seit September 2018 ruhen die Arbeiten im Tunnel nach Obertürkheim, nun gibt es eine Entscheidung darüber, mit welcher Technik sie wieder aufgenommen werden sollen.

Die Bahn kämpft beim Projekt Stuttgart 21 im Tunnel nach Obertürkheim mit Wasser. Nun hat sie ein anderes Verfahren gefunden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die Bahn kämpft beim Projekt Stuttgart 21 im Tunnel nach Obertürkheim mit Wasser. Nun hat sie ein anderes Verfahren gefunden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Anderthalb Jahre nach dem abrupten Stopp ihres Tunnelbaus nach Obertürkheim will die Projektgesellschaft für Stuttgart 21 voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 den Weiterbau der Röhren angehen. Insgesamt werden sie bis zum Hauptbahnhof je 5,3 Kilometer lang sein. Unter dem Neckar verzweigen sich die zwei zu vier Tunneln. Zwei Röhren führen nach Untertürkheim und dem dort vorgesehenen Abstellbahnhof, zwei Richtung Obertürkheim auf die Bestandsstrecke.

Sehen Sie im Video die Situation vor einem knappen Jahr:

Der Tunnelbau in Richtung Obertürkheim unterfährt das Gewerbegebiet am Hafen. Er steht unter keinem guten Stern. Bereits seit September 2016 kämpft die Bahn hier mit Grundwasser, musste eine Stelle mit überraschend auftretendes Grundwasser auf Höhe der Albert-Dulk-Straße mit einer Betonplombe abdichten und einen Fußballplatz durch die Injektion von Zementpaste stabilisieren. Im September 2018 wurde der Wasserzutritt in den Röhren mit 30 Litern pro Sekunde so groß, dass abgebrochen werden musste. Mit der Wassermenge von hochgerechnet rund 2600 Kubikmeter könnte man täglich drei Hallenbäder füllen.

Drainagerohre sollen den Arbeitern helfen

Der Weiterbau auf die bisherige Weise sei „nicht wirtschaftlich“, hieß es damals. Für die vorerst letzten rund 220 Meter hatte die Projektgesellschaft damals mehr als ein Jahr benötigt. Für die beiden je eingleisigen Tunnel müssen noch 317 und 179 Meter gegraben werden, dann vereinigen sie sich auf Höhe des Daimler-Logistikzentrums. Bis zum Tunnelportal stellt die Bahn dann einen 764 Meter langen zweigleisigen Tunnel her.

Inzwischen ist nach diversen Versuchen klar, wie es bautechnisch an dieser diffizilen Stelle weitergehen soll: Vor dem Abschlag des Gesteins soll es nun weitgehend entwässert werden, und zwar mit Hilfe von Horizontalfilterbrunnen. Dazu werden vier Drainagerohre mit einer Länge von 15 Metern ins Gestein getrieben. Über diese Rohre, so die Projektgesellschaft auf Anfrage, „kann das Gebirge voraus teilweise entwässert werden“. Um den Drainageeffekt zu verstärken, werde auf die Rohre ein Unterdruck aufgebaut. Wer im Netz sucht, stellt fest: Dabei handelt es sich um bewährte Technik, die zum Beispiel zur Wassergewinnung angewandt wird oder dann, wenn belastetes Grundwasser abgepumpt werden muss.

Es fehlen noch Genehmigungen

Die Baustelle liegt rund 15 Meter unter der Erdoberfläche und ist beengt. Ihrer Arbeit werden die Mineure im Schutz eines Rohrschirms nachgehen. Das hießt, dass vorauslaufend Stahlrohre über der auszubrechenden Strecke des späteren Tunnels ins Gestein getrieben werden, was die Stabilität erhöhen soll. Man erfülle die für den Tunnelbau festgelegten strengen Sicherheitsbestimmungen, so die Bahn. Was der Mehraufwand und das Umwälzen der bedeutend größeren Wassermenge kostet, will das Unternehmen nicht sagen. Für den Weiterbau benötigt es nicht nur zusätzliche Technik, sondern auch Genehmigungen. Die für die Erhöhung der abzupumpenden Wassermenge – etwa das Doppelte des Erwarteten – läuft am 28. Februar aus. Eine Verlängerung sei beantragt. Das Wasser wird gefasst, obertage gefördert, gereinigt und in den Neckar eingeleitet. So schwierig die Baustelle ist, zeitkritisch sei sie nicht. Der geplante Inbetriebnahmetermin von Stuttgart 21 Ende 2025 sei „vom Bauablauf in Obertürkheim nicht berührt“, so ein Sprecher.

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