Stuttgart 21 Warum die Bahn für das Projekt bald allein zahlt

Die vertraglich zugesagten Beiträge der Baupartner reichen noch bis zum Jahresende. Alle weiteren Kosten bis zur Fertigstellung muss die Bahn AG allein schultern.
Stuttgart - Beim Großprojekt Stuttgart 21 wird die Deutsche Bahn AG die Finanzierungsmittel der Partner Stadt, Land, Region Stuttgart und der Flughafengesellschaft bis zum Jahresende fast vollständig ausgegebenhaben. Die Region hatte ihren Festbetrag von 100 Millionen Euro bereits bis Ende 2017 in acht gleichen Jahresraten beglichen und kein Risiko übernommen. Auch der Beitrag der Stadt von 31,56 Millionen Euro an der Regelfinanzierung war bis Ende 2017 zugesagt.
Stuttgart 21 war im Jahr 2009 auf 4,5 Milliarden Euro veranschlagt worden, 1,45 Milliarden davon waren als Risikoanteil deklariert. Land, Stadt und Flughafen beteiligen sich an diesem überproportional mit 940 Millionen. Das Land habe bis Ende 2017 bereits 86 Prozent seines Anteils an der Regel- und 81 Prozent seines Anteils an der Risikoübernahme bezahlt und insgesamt 773,04 Millionen von zugesagten 930,5 Millionen Euro überwiesen, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel. Bis Ende dieses Jahres werde das Geld vollständig aufgebraucht sein, so Gastel. Aus der Regelfinanzierung verbleibt dann laut Finanzierungsvertrag für die Bahn 2019 noch ein Rest von 8,3 Millionen Euro. Alle weiteren Kosten bis zur Fertigstellung muss die Bahn AG allein schultern.
Bahn hat die Partner verklagt
Der Bahn-Vorstand mit Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hatte im Januar 2018 nach einem Beschluss des Aufsichtsrates einen neuen Kostenumfang für Stuttgart 21 von insgesamt 8,2 Milliarden Euro beschlossen. Der Fertigstellungstermin wurde von Ende 2021 auf Ende 2025 verschoben. Alle Partner werden von der Bahn auf die weitere, letztlich unbegrenzte Mitzahlung an Stuttgart 21 verklagt. Dabei soll der für die Partner ungünstige Finanzierungsschlüssel aus der Risikobeteiligung gelten. „Für mich wird aus diesen Zahlen immer klarer, dass Stuttgart 21 der Bahn wie ein Klotz am Bein hängt. Der Bund kann sich nicht mehr wegducken, er muss die Finanzierung sicherstellen. Es geht um enorme Risiken für den bundeseigenen Konzern“, so Gastel.
Unsere Empfehlung für Sie

Nachnutzung durch Stuttgart 21 Neue Ideen für alte Neckar-Bahnbrücke
Ende 2025 soll die neue Bahninfrastruktur Stuttgart 21 in Betrieb gehen. Damit wird die alte Rosensteinbrücke über den Neckar frei. Sie könnte eine neue Verwendung finden.

Baumfällungen für S 21 im Schlossgarten 2010 EuGH stärkt Landesregierung im Streit um Herausgabe von S-21-Akten
Etappensieg fürs Staatsministerium. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stärkt die Rechtsposition der Landesregierung im Streit um Herausgabe von Informationen rund um den Polizei-Einsatz im Schlossgarten 2010.

Stuttgart 21 und der Artenschutz Bahn findet neuen Platz für Eidechsen
In der Erörterung zum Abstellbahnhof wollte die Bahn AG die Eidechsen auf dem Baugelände in Untertürkheim zur Not opfern. Nun hat sie eine Fläche zur Umsiedlung gefunden.

Stuttgart 21 Tiefbahnhof kostet 372 Millionen mehr
Im Jahr 2020 hat die Bahn beim Projekt Stuttgart 21 deutliche Fortschritte gemacht. Beim Tiefbahnhof ist jetzt eine enorme Kostenerhöhung für den Rohbau bekannt.

S-21-Baustelle entlang der A8 Welchem Zweck dienen die ballonartigen Mini-Ufos?
Auf der S-21-Baustelle an der Autobahn 8 gibt es so manches zu entdecken. Auch Treppenaufgänge und ballonartige Gegenstände gehören dazu. Doch wofür werden die eigentlich benötigt?

Stuttgart 21 Pofalla steht zu S 21 – ohne Wenn und Aber
Das Bekenntnis des Vize-Bahnchefs Roland Pofalla zu S 21 steht im Widerspruch zu früheren Aussagen von Bahnchef Richard Lutz.