Stuttgart 21 Bahndirektion von 2020 an wieder auf festem Boden

Teile der Tunnel für den neuen Bahnknoten Stuttgart 21 werden derzeit an der alten Bahndirektion direkt auf Stadtbahnröhren gebaut. In zwei Jahren sollen die Gruben geschlossen sein und der Bau eines neuen Viertels beginnen.

Die Wölbung rechts zeigt die Tunneldecke der Stadtbahn. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Wölbung rechts zeigt die Tunneldecke der Stadtbahn. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Alle zwei Minuten rauschen Stadtbahnen durch die Röhren, die von den Haltestellen Stadtbibliothek und Budapester Platz kommend zum Hauptbahnhof führen. An dieser Schlagader des Nahverkehrs wird gerade eine diffizile Operation ausführt. Die Stadtbahntunnel, die vor weniger als zwei Jahren in Betrieb gingen, sind zwischen der ehemaligen Bahndirektion und der Jägerstraße zu einem Teil wieder ausgegraben worden. Denn direkt über der Tunneldecke baut die Bahn ihren Zulauftunnel zur neuen Durchgangsstation. „Für uns ist es auch ein ­Novum, einmal unsere Tunnel von außen zu sehen“, sagt Winfried Reichle, bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) für die Infrastruktur verantwortlich.

Reichle ist mit dem Verlauf der Aktion zufrieden. Gleichwohl hat das Nahverkehrsunternehmen weiter ein waches Auge auf den Abschnitt, durch den die Linien 5, 6, 7, 12 und 15 rollen. Alle 14 Tage steigen Fachleute in die Röhren und schauen nach dem Rechten. Weil die Last des darüber abgegrabenen Erdreichs fehlt, hätten sich die Tunnel fünf bis sechs Millimeter gehoben, ein Wert, der noch keinen Anlass zur Sorge gebe, so Reichle.

Eisenbahntunnel liegen auf Betonpfählen

Fast wie bei einer Allee werden die beiden SSB-Röhren unter der aufgeständerten Bahndirektion von Betonpfählen gesäumt, die bis zu neun Meter in den Untergrund reichen. Auf diesen anderthalb Meter im Durchmesser großen Säulen wird einmal das Gewicht der Eisenbahntunnel lasten. Um das Vorhaben noch etwas kniffliger zu machen, müssen die Eisenbahnröhren auch unter dem auf einer Hilfskonstruktion ruhenden 15 000 Tonnen wiegenden Gebäude der alten Bahndirektion hindurch gebaut werden. „Spätestens Anfang 2020 soll die Bahndirektion auf den Bahntunneln stehen“, sagt Michael Pradel, der bei der Bahn den S-21-Abschnitt in der City verantwortet. Derzeit graben sich Arbeiter vom Bahnhof kommend unter der Heilbronner Straße hindurch. Die hat nach mehreren Verlegungen jene Verkehrsführung erreicht, die bis zum Ende des Baus an Stuttgart 21 Bestand haben wird.

Der alte Stadtbahntunnel muss den Eisenbahntunneln weichen. Hoffnungen, in dessen stillgelegten, aber nicht abgerissenen Abschnitten unter der Heilbronner Straße die S 21 zum Opfer gefallene Konzertlocation Röhre wiederaufleben zu lassen, erteilt Reichle eine Absage. Man habe das geprüft. Aber zum einen liege der alte Stadtbahntunnel in einem Gefälle, zum anderen wären die an eine Versammlungsstätte gestellten Bedingungen nicht zu erfüllen gewesen. Der alte Tunnel ist verfüllt.

Die ehemalige Bahndirektion, in deren Schatten dies alles geschieht, wird nach Abschluss der Arbeiten drei Zentimeter tiefer stehen als zu Beginn der Arbeiten. Um diesen Wert habe sich das Gebäude gesenkt, ohne dabei Schaden zu nehmen, sagt Bernd Mehlig, der für das Bauunternehmen Züblin die Arbeiten leitet. Anfang 2020, so Pradel, will man das Areal zwischen Bahndirektion und Jägerstraße an den neuen Eigner übergeben. Im Februar war ein städtebaulicher Wettbewerb für das Gebiet zwischen der Kriegsberg-, Jäger-, Ossietzky- und Heilbronner Straße mit zwei zweiten Plätzen zu Ende gegangen. Die Entwürfe werden überarbeitet. Auf dem 13 400 Quadratmeter großen Areal können Büros, Wohnungen und Hotels entstehen.