Die Bahn hat ihre Pläne zum Bau von Stuttgart 21 vorgestellt. Anfang 2013 sollen die Arbeiten am neuen Bahnhofstrog beginnen.

Stuttgart - Einige Monate lang hat sich auf den Stuttgart-21-Baustellen rund um den Schlossgarten vergleichsweise wenig getan, nach dem Abschluss der Baumrodungen will die Bahn die Arbeiten nun umso intensiver an mehreren Stellen gleichzeitig vorantreiben. Im Mittelpunkt stehen laut Projektleiter Stefan Penn dabei die vorbereitenden Baumaßnahmen bis zum Start der eigentlichen Arbeiten rund um den Tiefbahnhof im Bereich des Hauptbahnhofs und des Mittleren Schlossgartens. Für diesen komplexen Vorlauf benötige man bis zu acht Monate Zeit, so Penn.

Zu den unterschiedlichen Maßnahmen gehört allen voran der Bau jener Logistikstraßen, über die später der Erd- und Tunnelaushub mit Schwerlastern abgefahren werden soll. Ein Teil dieser Baulogistikstraßen quert den Mittleren Schlossgarten aus Richtung der SSB-Haltestelle Staatsgalerie und auf der Seite am Gebhard-Müller-Platz. Der weitere Verlauf führt über die dann dauerhaft gesperrte Straße Am Schlossgarten hinter dem neu zu bauenden Querbahnsteig entlang und am LBBW-Gebäude am Pariser Platz vorbei auf das Gelände am inneren Nordbahnhof. Vor dort aus soll das Material mit Güterzügen weitertransportiert werden.

Baulogistikstraßen bis November fertig

Spätestens Mitte November sollen die verschiedenen Baulogistikstraßen im Stadtgebiet, für die teilweise auch Brücken gebaut werden müssen, fertig sein, so der Projektleiter Penn. Am Anfang der zentralen Bauphase werde man zum Teil für den Abtransport noch über die öffentlichen Straßen, also durch die Stadt, fahren müssen. Das sei aber so bereits genehmigt.

Zu den vorbereitenden Arbeiten im Bereich des Schlossgartens gehört zudem der Abbruch des Landespavillons, der laut Zeitplan Mitte Mai ansteht und mit maximal zwei Monaten veranschlagt ist. Gleichzeitig muss in Nachbarschaft zur Grundwassermanagementanlage auch jene Fläche vorbereitet werden, auf der das Förderband vom Wagenburgtunnel endet. Über dieses Band, das vom Tunneleingang aus über die Kreuzung am Gebhard-Müller-Platz in den Schlossgarten gebaut wird, soll der Aushub abtransportiert werden, der beim Bau der Fildertunnels und des Ober-/Untertürkheimer Tunnels anfällt. Vom Schlossgarten aus werden die Erdmassen über die Logistikstraße zum Umschlagplatz auf dem Nordbahnhofgelände gefahren. Wie viele Schwerlaster auf der zentralen Logistikstraße zu Hochzeiten täglich unterwegs sein werden, ließ Projektleiter Stefan Penn am Montag offen.

Neuer Querbahnsteig

Eine weitere Voraussetzung für den Beginn der Arbeiten am Tiefbahnhof ist die Inbetriebnahme des neuen Querbahnsteigs, der um einige Meter vom Bonatz­gebäude weg verschoben werden muss – und das bei laufendem Fahrbetrieb. Der Beginn dieser Arbeiten ist auf Anfang Juli terminiert, zum Fahrplanwechsel im Dezember soll der Umbau beendet sein. Gleichzeitig wird dort ein neuer Fußgängersteg als Verbindung zwischen Querbahnsteig und dem Mittleren Schlossgarten gebaut.

Zentrale Grundlage allerdings, um tatsächlich Anfang nächsten Jahres in die Tiefe graben zu können, ist die Fertigstellung der Grundwassermanagementanlage. Diese sollte nach den ursprünglichen Plänen eigentlich noch dieses Jahr in Betrieb gehen, laut Projektleiter Penn verschiebt sich der Termin nun aber auf Januar 2013.

Vergabe der Aufträge in Kürze abgeschlossen

Bis dahin sollen einerseits die restlichen Rohre im Schlossgarten verlegt worden sein; Voraussetzung dafür ist der erfolgreiche Abschluss eine ergänzenden Artenschutzverfahrens. Zudem muss das Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde auch noch eine weitere Planänderung genehmigen, damit die Bahn mehr Grundwasser als ursprünglich beantragt abpumpen darf. Da die bereits gebaute Anlage mengenmäßig ausgelastet ist, wurden dazu verschiedene Varianten geprüft, etwa auch der Bau einer zweiten großen Grundwasseranlage auf dem Gelände des Südflügels. Die Bahn werde nun aber beantragen, so Penn, „die Förderspitzen mit temporären Anlagen auszugleichen“.

Welche Firma den neuen Tiefbahnhof bauen und dabei unter anderem auch den sogenannten Nesenbachdüker verlegen soll, ist nach wie vor nicht bekannt. Die Vergabe der Aufträge für die Talquerung werde aber in Kürze abgeschlossen, erklärte der Bahnsprecher Wolfgang Dietrich am Montag. „Das wird noch im März passieren.“ Gleichzeitig soll auch der Tunnel nach Feuerbach noch in diesem Monat vergeben werden. Die Bahn hatte für diese beiden Planabschnitte, die sie bereits im November 2011 vergeben wollte, auf der letzten Lenkungskreissitzung der Projektpartner Mehrkosten von knapp 240 Millionen Euro eingeräumt. Das Volumen für beide Abschnitte wird von Projektleiter Stefan Penn nun auf eine knappe Milliarde Euro beziffert.

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