Stuttgart-21-Baustelle Die Rohre sind nicht mehr zu gebrauchen

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Mit einer Bestandsaufnahme auf der Baustelle hat die Aufarbeitung der Ereignisse vom Montagabend begonnen.  

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Foto: canon EOS 5Dmk2

Stuttgart - Mit Spürhunden hat die Polizei am Dienstag das Gelände des Grundwassermanagements abgesucht. Die Tiere sollten nach Spuren von Sprengstoff suchen, die von einem offenbar selbst gebastelten Böller stammen könnten, der am Montag über den Bauzaun flog. Als es beim Zentralgebäude mit den blauen Wassertanks knallte, war die Stimmung auf der Baustelle schon gekippt, der Bauzaun auf der gegenüberliegenden Seite des alten Busbahnhofs umgestoßen. So schilderte der Polizeipräsident Thomas Züfle am Dienstag bei einem Rundgang auf dem Gelände den Beginn der Ereignisse.

Was genau alles beschädigt wurde, ist am Morgen noch nicht klar. Ersten Schätzungen zufolge soll der Schaden an den Geräten und am Material "in den siebenstelligen Bereich" gehen, so der Polizeipräsident. Auch der Sprecher der Bahn, Wolfgang Dietrich, spricht von rund einer Million Euro Schaden. Noch nicht eingerechnet ist dabei der Stillstand auf der Baustelle. Zu einer Verzögerung von zwei bis drei Tagen werde es durch die Stürmung der Baustelle kommen.

Gitter liegen zerstört und verbogen am Boden

Die Polizei ermittelt zurzeit "gegen alle uns bislang bekannten Personen, die in Verbindung mit einer Straftat stehen", sagt Thomas Züfle. Dazu zählen diejenigen, die an den Baufahrzeugen und dem Material Hand angelegt haben, und auch die elf Personen, die auf das Dach des Zentralgebäudes geklettert waren. Auch dort sollen sie Schäden angerichtet haben. Was genau auf dem Bau mit den blauen Wassertanks kaputt gegangen ist, steht noch nicht fest.

"Das zweite Thema ist der Landfriedensbruch", sagt der Polizeipräsident. Denn irgendjemand habe schließlich angefangen, die Zäune umzustoßen und auf das Gelände zu drängen. Laut den "Parkschützern" waren die Demonstranten am Montagabend durch ein offen stehendes Gitter auf das Gelände gelangt. Die Gitter lagen verbogen und zerstört am Boden.

Nicht zuletzt wollen die Beamten natürlich wissen, wer einen ihrer Kollegen verletzt hat. Eine Gruppe soll einen Polizisten in Zivil ausfindig gemacht und zusammengeschlagen haben. Die "Parkschützer" widersprechen dieser Version. Es habe zwar ein Gerangel gegeben, der Polizist habe aber zuvor Demonstranten angestachelt, auf der Baustelle zu randalieren, sagen sie. Für den Polizeipräsidenten entbehrt diese Behauptung jeglicher Grundlage.

Lastwagen stark beschädigt

Den größten Schaden hat bei der Besetzung des Baustellengeländes offenbar ein Lastwagen genommen. Alle Reifen sind platt, die Steuerung der Fahrzeughydraulik ist ebenso wie das Zündschloss mit Bauschaum verklebt. Die Verglasungen von Blinkern und Lichtern sind zertrümmert. An diesem und anderen Fahrzeugen wurden Reifen zerstochen, Radmuttern abmontiert, "Sand, Steine, Lappen und andere Gegenstände in den Tank gefüllt", zählt der Polizeipräsident auf. Die blauen Rohre, die zur Montage für das 17 Kilometer lange Leitungssystem des Grundwassermanagements seit dem Wochenende bereit gelegen hatten, sind unbrauchbar geworden. Auf den ersten Blick sieht man nur die Parolen der Projektgegner, die darauf geschrieben sind. "Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker", steht darauf. Oder: "Das ist unsere Stadt". Doch die eigentlichen Schäden sind im Inneren: Die Rohre sind mit Bauschaum gefüllt. Die Leitungen, die als Heizung in das Dämmmaterial eingezogen sind, um im Winter ein Einfrieren des Wassers zu verhindern, wurden abgeschnitten - damit sind sie unbrauchbar geworden. Das gilt auch für die teilweise von den Trommeln abgerollten Kabel, die auf dem Baustellengelände liegen. Auch diese sollten für die Heizung verbaut werden, drei Meter pro Meter Rohrleitung. Die Firma habe den Wert der Kabel mit rund 60 Euro pro Meter angegeben, sagte der Polizeisprecher Stefan Keilbach.

Am Montag hatte die Polizei 16 Personen festgenommen, darunter die elf Besetzer, die nach langen Verhandlungen und Gesprächen freiwillig vom Dach gestiegen waren. Am Dienstag wurde geprüft, ob gegen drei der Besetzer Haftbefehl erlassen werden sollte. Mehrere Besetzer waren der Polizei wie den Demonstranten als Bewohner des Zeltdorfes im Park bekannt.

Noch steht nicht fest, ob auch gegen Personen aus dem Kreis der Parkschützer ermittelt wird, die eventuell zur Stürmung des Geländes und zur Sabotage aufgerufen hatten. "Einerseits sieht es nach einem Plan aus", sagte Züfle, da einige von ihnen Bauschaum und Werkzeug dabei hatten. Es seien aber auch Demoteilnehmer dabei gewesen, die spontan mitgerissen wurden.