Mehrere Baustellen, die für Stuttgart 21 notwendig sind, steigern im Sommer die Staugefahr auf der Autobahn A 8. Es werden Fahrbahnen verschwenkt und Anschlussstellen umgebaut. Experten rechnen mit massiven Behinderungen.
Stuttgart - Am ersten Ferienwochenende gilt die A 8 zwischen dem Leonberger Dreieck und der Anschlussstelle Wendlingen wieder als Staufalle, die wohl mehrmals zuschnappen wird: Dann wird die Fahrbahn zur Standspur, über Stunden hinweg werden sich von diesem Freitag bis zum Sonntag lange Schlangen bilden. Dieses Szenario droht in den nächsten Jahren nicht nur zum Urlaubsbeginn.
An mehreren Stellen werden nämlich Bauarbeiten im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 mit der Neubaustrecke nach Ulm den Autoverkehr auf den Fildern – zumindest – beeinträchtigen. „Stuttgart 21 ist auch ein Straßenbauprojekt, das den Verkehr auf der hochbelasteten A 8 beeinflussen wird“, sagte der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) auf einer Baustellentour des Regierungspräsidiums Stuttgart.
Auf der A 8 im Bereich Stuttgart sind zu Spitzenzeiten täglich zwischen 100 000 und 150 000 Autos unterwegs – eine der am meisten belasteten Autobahnstrecken in Deutschland. Der Minister rechnet wie die Experten von Regierungspräsident Johannes Schmalzl (FDP) deshalb mit massiven Störungen und Staus. „Auch wenn wir gut planen, wird sich das nicht verhindern lassen“, warnte Hermann die Autofahrer.
Spurverschwenkungen in Denkendorf und am Flughafen
Die beiden zentralen Maßnahmen werden Fahrbahnverschwenkungen auf der Höhe der Rastanlage Denkendorf ab Ende August und im nächsten Jahr beim Messeparkhaus am Flughafen sein (siehe Karte). Hinzu kommen Umbauten an den Anschlussstellen Plieningen, Esslingen und Wendlingen und acht provisorische Auf- und Abfahrten für S-21-Baufahrzeuge.
„An diesen Bereichen werden wir die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit reduzieren müssen“, kündigte Schmalzl an. Auch wenn bei den Verschwenkungen weiterhin alle sechs Spuren zur Verfügung stünden, drohe dann bei hoher Verkehrsbelastung der Stau. „Wir haben das erlebt, als wir bei Wendlingen die Fahrbahnen verschwenkten, und abends im Berufsverkehr die Schlange bis zum Flughafen ging“, sagte er. Aber schon an den Baustellenein- und ausfahrten rechnen die Experten mit Problemen. „Auch dort müssen wir das Tempo verringern, und das macht den Verkehr auf diesem hochbelasteten Abschnitt unstetig“, sagte Frank Maiwald vom Regierungspräsidium Stuttgart.
Regierungspräsidium spricht von Riesenaufwand
Insgesamt tangiert der Bau der Neubaustrecke, die in diesem Bereich zuerst nördlich und ab Denkendorf südlich der Autobahn verläuft, an mehr als 100 Stellen die A 8. „Das geht von der Verlegung von Versorgungs- und Fernmeldeleitungen bis zur Verlängerung von Wegebrücken, die nun auch über die S-21-Trasse führen müssen“, sagte Maiwald. Zudem nutze das Regierungspräsidium die Aktivitäten der Bahn, um eigene Straßenbauarbeiten zu erledigen.
„Insgesamt ist das ein Riesenaufwand“, erklärte Maiwald, der allerdings auch die Synergieeffekte hervorhebt: Von der Bahn eingerichtete Baustraßen würden später als offizielle Straßen genutzt. Insgesamt belaufen sich die Investitionen außerhalb des reinen Bahnprojekts aber noch immer auf rund 100 Millionen Euro, schätzte Schmalzl. Einen großen Teil der Aufwendungen bezahle die Bahn, der Rest komme von Bund, Land und Gemeinden.
Die Maßnahmen im einzelnen
Flughafentunnel Obwohl das Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, rechnet das Regierungspräsidium damit, dass von Mitte kommenden Jahres an an den drei Tunnels gearbeitet wird, die den Fernbahnhof am Flughafen mit der Schnellbahntrasse verbinden. Für die in offener Bauweise zu erstellenden Tunnels müssen die Fahrbahnen am Messeparkhaus mehrfach verlegt werden. Zusätzlicher Platz für die Spuren soll in nördlicher Richtung geschaffen werden.
Tunnel Denkendorf Am weitesten gediehen sind die Vorbereitungen rechts und links der Autobahn im Bereich der Rastanlage Denkendorf: Dort unterquert die S-21-Trasse die A 8, vom 24. August an sollen die Fahrbahnen verschwenkt werden. „Da wird es sehr eng zugehen“, sagte Maiwald, „wir hoffen, dass alles gut funktioniert.“ Bis Mitte 2018 wird die Verschwenkung nach Angaben des RP dauern.
Anschlussstellen Die Anschlussstelle (AS) Plieningen wird mit der Südumfahrung des Filderstadtteils nächstes Jahr umgebaut. 2018 ist die AS Esslingen dran, die nach Westen verlegt wird. An der AS Wendlingen wird im Jahr 2017 eine zweistreifige Ausfahrt angelegt. Im weiteren Verlauf muss im Bereich Wendlingen für die Schienentrassen eine Landesstraße komplett verlegt werden. Außerdem wird der Rastplatz vor dem Aichelberg gesperrt und zweieinhalb Meter höher gelegt.
A 8/A 831 Zwischen dem Autobahnkreuz Stuttgart und dem Leonberger Dreieck wird 2017 ein zusätzlicher Fahrstreifen angelegt, dafür werden auch Unter- und Überführungen neu gebaut. In der Gegenrichtung werden schon im kommenden Jahr Betonplatten durch lärmarmen Asphalt ersetzt – beides erfordert ebenfalls Verschwenkungen, an einem Wochenende ist sogar eine Totalsperrung nötig. „Der Abstimmungsbedarf ist groß“, sagte Maiwald zur Zusammenarbeit mit der Bahn.
Das Regierungspräsidium sei von Informationen und Plänen der Bahn abhängig. „Wenn wir selber bauen, können wir agieren. Jetzt können wir nur reagieren“, sagte Maiwald: „Und die Bahn gibt den Zeitdruck, unter dem sie steht, nun an uns weiter“. Allerdings sei die Zusammenarbeit besser geworden. „Die Bahn hat dazu gelernt“, sagte Maiwald, auch wenn nach wie vor Unterlagen und Pläne unvollständig seien und zu spät kommen würden.