Stuttgart 21 Gegner des Projekts sehen Gefahren für die Mineralquellen

Von Markus Heffner und  

Dabei birgt das Thema, das verhandelt wird, unabhängig vom Dissens zwischen Bahn und Stadt über die Bürgerinformation Diskussionsstoff genug. Anfang Januar sollen im Schlossgarten bekanntlich die Arbeiten am neuen Tiefbahnhof beginnen, was speziell Stuttgart-21-Gegnern Sorge bereitet. Sie sehen in dem Betrieb der Grundwassermanagementanlage, mit der für die Bauarbeiten am Trog der Zugstation Wasser abgepumpt und wieder in den Boden infiltriert wird, ein nicht unbeträchtliches Risiko in puncto der Geologie, und sie fürchten um die wertvollen Mineralquellen.

Befürchtungen hegen überdies die Anwohner des Kernerviertels, das an einem an die Stuttgart-21-Baustelle im Schlossgarten angrenzenden Hang liegt. Durch die Grundwasserentnahme , sagen sie, könnte sich die Festigkeit des Bodens verringern und der Hang abrutschen, was zu Schäden an Häusern führen würde. Eine Bürgerinitiative hat in dieser Sache bereits bei Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) interveniert, der bei einem Treffen mit diversen Initiativen Unterstützung zugesagt und sich positioniert hat. Die Bahn müsse den Nachweis liefern, dass ihre Arbeiten unbedenklich sind.

Die betroffenen Bürger konnte der Umweltminister damit einigermaßen beruhigen, die Bahn aber zeigt sich verwundert über den Auftritt. „Wir wären auf Einladung auch gerne dazugekommen und hätten das Verfahren aus unserer Sicht erläutert“, so Projektsprecher Wolfgang Dietrich. Hintergrund der Diskussion ist die siebte Planänderung, in der die Bahn für den Bau des Tiefbahnhofs eine Verdoppelung der Grundwasserentnahme auf fast sieben Millionen Kubikmeter beantragt. Expertisen hatten ergeben, dass einzelne Bodenschichten durchlässiger sind als angenommen. Damit die bei den Arbeiten anfallenden Wassermengen umgewälzt werden können, muss deshalb auf dem Gelände des abgerissenen Südflügels wohl eine zweite Grundwassermanagementanlage eingerichtet werden, die Anfang 2014 in Betrieb gehen könnte. Bis dahin soll laut Bahn durch Umplanung bei den einzelnen Baugruben mit einer Anlage gepumpt werden, um im Trockenen betonieren zu können.

Das Anhörungsverfahren zur Planänderung soll mit der Auslegung der Unterlagen am Montag beginnen. Deshalb seien die jüngsten Aussagen des Umweltministers nicht nachvollziehbar, so Dietrich. Untersteller hatte zuletzt unter anderem Bedenken bezüglich des Mineralwasservorkommens geäußert. Die Bahn hält dagegen, dass im Rahmen des Verfahrens, an dem über die Fachbehörden auch das Umweltministerium beteiligt ist, unter öffentlicher Beteiligung alle geologischen Themen und Fragestellungen behandelt werden, so Dietrich. Grundlage seien die Abstimmungen mit den Fachbehörden, die im vergangenen Jahr begonnen und zuletzt im April stattgefunden hätten. „Alle zuständigen Stellen sind in den Prozess von Beginn an einbezogen“, sagt Dietrich.

Das Umweltministerium hatte tatsächlich im Oktober 2011 erklärt, dass „eine Gefährdung der Mineralquellen durch die beantragte erhöhte Wasserentnahme wohl ausgeschlossen“ werden könne. Warum die Mineralquellen nun wieder auf diese Art thematisiert werden, sei für die Bahn nicht nachvollziehbar, so Dietrich: „Der Umweltminister hat eine Gefährdung der Mineralquellen durch den Bau von Stuttgart 21 bereits selber ausgeschlossen und damit eine zentrale Sorge im Zusammenhang mit dem Grundwassermanagement ausgeräumt.“