Stuttgart 21 Degerloch habe das Gröbste überstanden

Von Tilman Baur 

Der Bau des Fildertunnels ist weit fortgeschritten. Laut der Bahn dürfte es nun für Anwohner in Stuttgart-Degerloch wieder ruhiger werden. Doch noch sind nicht alle Sprengungen im Untergrund abgeschlossen.

Tag der offenen Baustelle 2016: Inzwischen ist die Tunnelbohrmaschine „Suse“ demontiert. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Tag der offenen Baustelle 2016: Inzwischen ist die Tunnelbohrmaschine „Suse“ demontiert. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Degerloch - Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist so gut wie abgeschlossen. Die Rede ist natürlich nicht vom Tiefbahnhof. Dieser geht nach heutigem Stand Ende 2025 in Betrieb. Sondern von den Baumaßnahmen im Zusammenhang mit dem Fildertunnel, die in Degerloch wahrnehmbar sein könnten. „Alle wesentlichen Vortriebe im Fildertunnel sind absolviert“, sagte Andreas Dörfel, Tunnelbau-Teamleiter des Bahnprojekts, in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats. Es gebe keine Maßnahmen mehr, die die Bürger beeinträchtigen. „Sie haben das Schlimmste überstanden“, sagte Dörfel.

Mittlerweile habe man eine durchgehende Verbindung vom Hauptbahnhof bis auf die Filder, so der Experte. Die Zahlen machen das deutlich: 19 292 von insgesamt 19 489 Metern Vortrieb sind fertig, die Vortriebsmaschine „Suse“ sei mittlerweile demontiert, so Dörfel. Nach der Fertigstellung der Außenschalen der Tunnelröhren aus Spritzbeton folgte der Einbau der Tunnel-Innenschale in der Oströhre, in der Weströhre steht der Einbau noch bevor.

Nach den Innenschalen folgen dann die sogenannten Bankette, die Wege am Tunnelrand. „Dabei schaffen wir eine Leistung von 400 Metern pro Woche, das geht relativ schnell“, sagte Dörfel. Im nächsten Jahr schließlich wird die Bahntechnik in die Röhren eingebaut, also Schienen, Signaltechnik, Fahrdraht und Stromversorgung. Von diesen unterirdischen Operationen wird die Bevölkerung aber nicht berührt sein.

Sind die Wogen nun endgültig geglättet?

Einzig der Einbau der sogenannten Verbindungsbauwerke könne noch wahrnehmbar sein, so Dörfel. Sie verbinden alle 500 Meter die West- und Oströhre miteinander. Drei Verbindungswerke sind auf Degerlocher Gemarkung vorgesehen. Bevor die Sprengungen stattfinden würden Anwohner informiert, betonte Dörfel. Sind die Wogen also nun endgültig geglättet? Nicht ganz. Erst im vergangenen Jahr waren Meldungen über Wassereintritte bekannt geworden. Ein besonders heikles Thema, weil die anhydrithaltige Gesteinsschicht Gipskeuper, die auch unter Degerlocher Gemarkung zu finden ist, bei Kontakt mit Wasser aufquellen und den Erdboden anheben kann.

Vor allem der Bezirksbeirat Michael Köstler, der sich auch bei den Degerlocher „Obenbleibern“ engagiert, drängte auf konkrete Aussagen zu diesem Thema. Er verwies auf mehrere Schreiben eines von den Obenbleibern angeheuerten Rechtsanwalts an den Projektleiter des Bauabschnitts, Günter Osthoff, die jedoch unbeantwortet geblieben seien. Er verlange deshalb eine Stellungnahme, so Köstler.

Solche Sensoren befinden sich auch unter dem Fernsehturm

Diese lieferte Andreas Dörfel dann auch. „Es hat keine nennenswerten Wasserzutritte geben“, sagte er. Größtmögliche Sicherheit vor derlei Ereignissen stelle man durch das Anbringen sogenannter Dammringe in geologischen Übergangszonen her. Die Ringe verhindern, dass Wasser entlang der Betonröhre bergab fließt und in Anhydrit führende Schichten sickert. Zumal es entlang der gesamten Strecke Sensoren gebe, die mögliche Anhebungen des Erdbodens frühzeitig meldeten. Unter anderem befänden sich solche Sensoren auch unter dem Fernsehturm, sagte Dörfel.

Stellung bezog der Bahn-Experte darüber hinaus zu dem Vorwurf eines Anwohners an der Ramsbachstraße in Degerloch, der über Setzungen und Risse an seinem Haus geklagt und sie mit den Tunnelarbeiten in Verbindung gebracht hatte.

Die Schäden seien vielmehr durch Kanalarbeiten entstanden und hätten mit dem Bahnprojekt nichts zu tun, erklärte der Bahn-Mitarbeiter Andreas Dörfel. „Wir konnten alle Schadensmeldungen plausibel zurückweisen“, sagte er und betonte schließlich: „Der Tunnel soll 100 Jahre bestehen bleiben. Dafür tun wir Ingenieure alles.“

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