Stuttgart 21 Der Flughafentunnel wächst täglich drei Meter

Seit einem guten halben Jahr werden die beiden Tunnelröhren von Plieningen in Richtung Flughafen  gebaut. Foto: Jacqueline Fritsch
Seit einem guten halben Jahr werden die beiden Tunnelröhren von Plieningen in Richtung Flughafen gebaut. Foto: Jacqueline Fritsch

Die Bauingenieurin Sarah Gitzen ist beim Bauprojekt Stuttgart 21 für die unterirdischen Röhren zum Flughafen verantwortlich. Es ist bereits der dritte Tunnel, den die 30-Jährige unter der A8 baut.

Filder - Jeden Tag wird der Tunnel, durch den die Züge der Deutschen Bahn künftig den Flughafen anfahren, etwa drei Meter länger. Auf der Plieninger Seite der Autobahn fangen die beiden Tunnelröhren an, die mittlerweile schon einmal unter der A8 durchführen und nur noch 60 beziehungsweise 100 Meter von der Messepiazza entfernt sind. Im Inneren wird fleißig für die Neubaustrecke von Stuttgart 21 gebohrt, gebaggert und betoniert. Die Verantwortung über das Geschehen trägt Sarah Gitzen, eine junge, zierliche Frau, die sich in dem männerdominierten Beruf behauptet.

Zum dritten Mal hat Sarah Gitzen nun schon die Leitung für einen Tunnelbau unter der A8. „Wenn man unten ist, vergisst man schnell, dass über einem gerade die Autobahn ist“, sagt Gitzen. Andersherum sei das aber nicht so. Die 30-Jährige ist nicht nur zweimal täglich im Tunnel, um nach dem Rechten zu sehen – sie fährt auch jeden Tag oben über die Autobahn nach Hause. „Da denke ich oft: Jetzt fahre ich über den Tunnel, und das ist cool, weil das kein anderer weiß, der auch über die Autobahn fährt“, sagt Sarah Gitzen und schmunzelt.

Bagger gräbt sich durch Millionen Jahre alten Felsen

Unten bekommt man einen kleinen Einblick in das, womit sich Sarah Gitzen täglich beschäftigt. Nach etwa 250 Metern hört die sogenannte Nordröhre auf. Und zwar nicht im Tageslicht auf der anderen Seite des Tunnels, sondern tief unter der Erde vor einer riesigen runden Wand. Der knapp zehn Meter breite Kreis deutet an, dass der Tunnel genau dort weitergehen wird. Abwechselnd fahren ein Tunnelbagger und ein Bohrwagen diesen Kreis an und graben sich durch das, was dahinter versteckt ist.

„Man weiß nie so genau, was dahinter kommt“, sagt Sarah Gitzen, „deshalb bin ich immer gerne dabei, wenn der Bagger gerade öffnet und man sieht, wie sich der Grund verhält“. Eine Stunde lang gräbt sich der Bagger nun durch einen Millionen Jahre alten Felsen. Für Sarah Gitzen ist es genau das, was den Tunnelbau so spannend macht. „Hier war wirklich noch nie zuvor ein Mensch“, sagt sie.

Als Frau musste sie sich erst beweisen

Die erste Begeisterung dafür, unter der Erde zu arbeiten, kam bei Sarah Gitzen in einem Praktikum auf. Damals war sie dabei, als unterhalb von Stockholm Granit gesprengt wurde. „Das war schon faszinierend, dass man so kontrollierte Sprengungen machen kann, dass das alles hält und direkt darüber einfach die Stadt ist“, sagt sie. Seit sechs Jahren ist die studierte Bauingenieurin nun selbst als Bauleiterin im Tunnelbau tätig. Als Frau musste sie sich in diesem Job erst einmal beweisen, um von den überwiegend männlichen Kollegen akzeptiert zu werden. „Man kriegt von vornerein nicht so viel zugetraut, aber da stehe ich drüber“, sagt die 30-Jährige. Die meisten würden es sich nicht anmerken lassen, dass sie einer weiblichen Chefin eher skeptisch gegenüberstehen. Vielleicht werden sie sich auch daran gewöhnen müssen: „In meiner Generation gibt es schon ein paar Frauen im Tunnelbau“, sagt Sarah Gitzen.

Seit einem guten halben Jahr werden die beiden Tunnelröhren von Plieningen in Richtung des Stuttgarter Flughafens nun gebaut. Die Bagger und Bohrer arbeiten sich in den kommenden Monaten einmal unter der Messe durch bis kurz vor die künftige Haltestelle am Flughafen. Dann wird von der anderen Seite gebohrt. Aktuell sei man mit den Arbeiten an diesem Teil von Stuttgart 21 im Zeitplan, sagt Bauleiterin Sarah Gitzen. „Bisher sind wir sehr zufrieden.“




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