Stuttgart 21 Der neue Projektchef Manfred Leger will keine Garantien geben

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Manfred Leger, Projektchef bei Stuttgart 21, leistet sich in einem ARD-Interview einen Versprecher – und redet auch über Unwägbarkeiten und Verspätungen bei dem Milliardenvorhaben.

Manfred Leger sagt, dass sich alles Mögliche ergeben könne, auch Mehrkosten. Foto: dpa
Manfred Leger sagt, dass sich alles Mögliche ergeben könne, auch Mehrkosten. Foto: dpa

Stuttgart - Es ist ein bundesweiter Auftritt, was selbst beim Aufregerprojekt Stuttgart 21 so oft nicht mehr vorkommt. Das ARD-Mittagsmagazin berichtete am Mittwoch von der von Protesten begleiteten Taufe des Tunnels, der von der Innenstadt ins Neckartal führt. In dem knapp dreiminütigen Bericht kommt auch Manfred Leger zu Wort, der seit Sommer amtierende Chef der neuen Projekt-GmbH. Auf den Zeit- und Kostenrahmen angesprochen, erklärte der direkt unter Infrastrukturvorstand Volker Kefer angesiedelte Manager: „Ich kann nicht garantieren, dass wir dabei bleiben, weil wir die Unwägbarkeiten nicht kennen. Wenn wir Plangenehmigungen nicht erhalten, und es gibt einen Abschnitt, den Fildertunnel, da gibt’s noch nicht einmal einen Planfeststellungsbeschluss, da kann sich alles mögliche ergeben. Wenn es um zwei Jahre länger dauert als erwartet, kann ich Ihnen nicht sagen, ob das noch im Rahmen des Budgets abfederbar ist.“

Kommunikationsbüro spricht von einem „Versprecher“

Diese Aussage ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Erstens leistet sich Leger, der es eigentlich besser wissen müsste, einen, wie das S-21-Kommunikationsbüro erst auf Nachfrage am Freitag erklärte, „Versprecher“. Denn der Fildertunnel, also die Röhren zwischen Fasanenhof und Innenstadt, sind schon seit längerem planfestgestellt, an den Portalen wird bereits gearbeitet. Der oberste Projektchef meinte den Filderbereich, also jenen Abschnitt mit dem Flughafenbahnhof, für den die Anhörung läuft und für den die Bahn die Genehmigung zum Bau bis Mitte 2015 erwartet.

Aber auch inhaltlich lassen die Aussagen des obersten S-21-Managers aufhorchen. Leger hatte zuletzt, wenn er nach dem Zeitplan mit der Fertigstellung im Dezember 2021 und dem Kostenrahmen von sechs Milliarden Euro gefragt wurde, erklärt, die Vorgaben seien „wie eine Bibel“ für ihn und seine Mitarbeiter. Die letzte Analyse habe ergeben, dass „wir innerhalb des Finanzierungsrahmens liegen, den die Bahn vorgegeben hat“, behauptete er Ende November. Jetzt erklärte er via TV, dass er das Erreichen dieser Zielvorgaben „nicht garantieren“ könne, weil es „Unwägbarkeiten“ gebe, „die wir nicht kennen“ – und dazu zählt er den Planfeststellungsbeschluss für den Filderabschnitt.

Auch der Abstellbahnhof hat noch keine Baugenehmigung

Doch das S-21-Kommunikationsbüro kann in der Aussage Legers nichts Neues erkennen. Schon Kefer habe Ende November erklärt, dass die Zusage, den Kostenrahmen von sechs Milliarden Euro einzuhalten, „nicht mehr/uneingeschränkt gelte, wenn bestimmte Prämissen nicht gehalten werden können und bspw. Genehmigungen/Planfeststellungsbeschlüsse nicht in einem bestimmten Zeitrahmen ergehen“, schreibt das S-21-Kommunikationsbüro. Und: „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinerlei Anzeichen, dass diese Prämissen in Frage zu stellen sind.“

Das sehen – wie berichtet – manche Beteiligte anders. So hält beispielsweise der Verkehrsminister Winfried Hermann die von der Bahn unterstellte Genehmigungszeit für den Filderabschnitt für unrealistisch kurz. Und dass Leger angesichts der Tunneltaufe nicht erwähnte, dass auch für den Untertürkheimer Ast mit dem Wartungs- und Abstellbahnhof noch kein Planfeststellungsbeschluss vorliegt, hält das Kommunikationsbüro für „vollkommen normal“: Erwähnenswert wäre das nur gewesen, wenn man dadurch auf einem kritischem Pfad liege. Dies sei man aber nur auf dem Abschnitt auf den Fildern.

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