Stuttgart 21 Der Terminplan unter der Lupe

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Am Montag treffen sich die Projektpartner von Stuttgart 21 im Lenkungskreis. Dann wird es darum gehen, wie die Bahn die Verzögerungen wieder aufholen möchte. Am Bahnhof sind unterdessen abermals geänderte Pläne genehmigt worden.

Bahnvorstand Volker Kefer (2.v.r.) wird beim Lenkungskreis am Montag den OB Fritz Kuhn, Verkehrsminister Winfried Hermann und Regionaldirektorin Nicola Schelling erklären müssen, wie die Bahn den entstandenen Verzug am Bahnhof aufholen möchte. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Bahnvorstand Volker Kefer (2.v.r.) wird beim Lenkungskreis am Montag den OB Fritz Kuhn, Verkehrsminister Winfried Hermann und Regionaldirektorin Nicola Schelling erklären müssen, wie die Bahn den entstandenen Verzug am Bahnhof aufholen möchte. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Wenn am Montag Vertreter von Stadt, Region und Land mit der Bahn zusammensitzen – der scheidende Bahn-Vorstand Volker Kefer nimmt abermals am Lenkungskreis teil –, wird darüber zu sprechen sein, ob und, wenn ja, wie der angespannte Terminplan für Stuttgart 21 zu retten ist. Vor fünf Monaten musste die Bahn einräumen, dass alleine auf der Baustelle für den eigentlichen Bahnhof mittlerweile eine Verspätung von zwei Jahren aufgelaufen ist.

Zusammen mit den Projektpartnern wolle man Möglichkeiten eruieren, durch einen geänderten Bauablauf wieder dem angestrebten Fertigstellungstermin 2021 näher zu kommen, hieß es damals bei der Bahn. Mit ersten Ergebnissen sei im Herbst zu rechnen. Seitdem gab es mehrere Gespräche auf Arbeitsebene, Ende September gar einen zweitägigen Workshop, bei dem sich Experten der DB-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm und der Landeshauptstadt Stuttgart gemeinsam über die Pläne beugten. Was dabei herauskam, mag noch niemand offen sagen. Aber es gab wohl Annäherungen, was den Ablauf von Straßenverlegungen angeht. Davon verspricht man sich einen geraffteren Bauablauf.

Geänderte Pläne für die Entrauchung genehmigt

Etwas Licht am Ende des Tunnels sieht die Bahn nun am sogenannten Südkopf des Bahnhofstrogs. Im Einmündungsbereich der Sänger- in die Willy-Brandt-Straße soll ein sogenanntes Entrauchungs- und Schwallbauwerk entstehen. Das 16,5 Meter hohe Gebäude beherbergt mehrere Ventilatoren, deren Leistung zuletzt angehoben werden musste. Hintergrund ist das überarbeitete Konzept, um im Brandfall den Rauch aus dem Tunnelsystem und der Bahnhofshalle zu bekommen. Dafür war ein formales Änderungsverfahren der ursprünglich im Januar 2005 genehmigten Pläne vonnöten. Ende Oktober hat das zuständige Eisenbahn-Bundesamt (Eba) sein Plazet zu dieser Planänderung gegeben – mittlerweile die 15. im Bereich des Durchgangsbahnhofs.

Ventilationsanlage verbreitet Lärm

Für Klaus-Jürgen Bieger, Brandschutzbeauftragter der Bahn, stellt der Beschluss des Eba „einen Meilenstein“ dar. Die veränderten Pläne ließen den Einbau von Ventilatoren zu, die im Brandfall bis zu 333 Kubikmeter Luft je Sekunde in den Bahnhof drücken. Damit sollen Teile der unterirdischen Halle rauchfrei gehalten, der Rauch durch die Lichtaugen nach oben abgeleitet werden. Über das geänderte Fluchtkonzept – nicht mehr über Nottreppen auf den Bahnsteigen, sondern über Ausstiege an den Enden der Bahnhofshalle – befindet das Eba in einem weiteren Änderungsverfahren, das die Ordnungsnummer 18 trägt. Abweichend von der ursprünglichen Planung seien die Ventilatoren nun eine „reine Notfallanlage“ und dienten nicht mehr zur dauerhaften Belüftung des Bahnhofs. Die Aussicht darauf, eine ununterbrochen laufende Ventilationsanlage in ihre Nachbarschaft zu bekommen, hatte Anwohner des Kernerviertels aufgeschreckt. Frank Schweizer, Sprecher der im Netzwerk ­Kernerviertel zusammengeschlossenen Anwohner, will noch keine abschließende Bewertung des Beschlusses abgeben. Man prüfe das Papier derzeit, erklärt er. Daran, dass die Anlage laut ist, wenn sie unter Volllast betrieben wird, lässt auch das Eba keinen Zweifel. „Die erforderliche Funktion der Ventilatoren, nämlich die Entrauchung des Tunnels im Ereignisfall, ruft derart hohe Geräuschemissionen hervor, dass nach dem Stand der Technik eine Einhaltung der Immissionsrichtwerte (. . .) mit verhältnismäßigem Aufwand nicht möglich ist“, heißt es in dem Beschluss. Zudem muss die Anlage aus Wartungsgründen regelmäßig angeworfen werden – etwa zehnmal im Jahr. Dabei werde aber nicht die volle Leistung abgerufen, so Bieger. Das passiere aber auf alle Fälle tagsüber. „Da geht das im Straßenlärm unter“, sagt der Brandschutzbeauftragte. Nur einmal im Jahr werde die Anlage mit voller Leistung getestet – und das werde dann auch zu hören sein. Bieger sieht aber auch Vorteile fürs Kernerviertel: „Dort kommt im Brandfall kein Rauch raus.“