Stuttgart 21 Digitaler Bahnknoten kommt – Partner einigen sich auf Finanzierung

Von red/dpa/lsw 

Monatelang haben die Projektpartner mit dem Bund über eine moderne Signaltechnik für das Schienennetz von Stuttgart 21 gestritten. Lange sah es sogar so aus, als müsse das Milliardenprojekt mit alter Technik starten. Dann gab der Bund nach - nun steht auch die Finanzierungsplanung.

Auch der neue S-21-Tiefbahnhof soll mit ETCS, digitalen Stellwerken und automatisiertem Fahrbetrieb mit Triebfahrzeugführern ausgestattet werden (Symbolbild). Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Auch der neue S-21-Tiefbahnhof soll mit ETCS, digitalen Stellwerken und automatisiertem Fahrbetrieb mit Triebfahrzeugführern ausgestattet werden (Symbolbild). Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der Bahnknoten Stuttgart soll bis zum Jahr 2025 digital ausgestattet werden, damit Züge pünktlicher an ihr Ziel kommen und mehr Menschen und Güter mit der Bahn fahren können. Nach monatelanger Debatte haben sich Bahn, Land, Stadt und Region als Partner des milliardenschweren Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 darauf geeinigt, die neueste Technologie der Zugsteuerung auch bei S21 zu realisieren. Der Finanzierungsvertrag werde angepasst, Mehrkosten für das Bauprojekt entstünden aber nicht, hieß es am Freitag in Stuttgart nach einer Sitzung des sogenannten Lenkungskreises, in dem die Projektpartner zusammensitzen.

Ziel ist es nun, alle Strecken des Projekts Stuttgart 21 - also auch den neuen S-21-Tiefbahnhof - und darüber hinaus die unterirdische Stammstrecke der S-Bahn sowie große Teile des S-Bahn-Netzes der Region Stuttgart mit ETCS (European Train Control System), digitalen Stellwerken und automatisiertem Fahrbetrieb mit Triebfahrzeugführern auszustatten. Allerdings soll die Digitalisierung des gesamten Stuttgarter S-Bahnnetzes einschließlich der Strecken, auf denen auch Fern-, Regional- und Güterzüge fahren, erst bis ins Jahr 2030 folgen.

Erste Region in Deutschland mit ETCS-Schienenknoten

Neben der Region Stuttgart werden auch die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main und die Trassen der transeuropäischen Verbindung Skandinavien-Mittelmeer mit der neuen europäischen Leit- und Sicherungstechnik ETCS und digitalen Stellwerken ausgestattet. Für das Projektpaket mit dem Titel „Digitale Schiene Deutschland“ stehen bis 2023 zunächst 570 Millionen Euro bereit.

Nach Auskunft der Bahn wird Stuttgart somit als erste Region in Deutschland mit einen ETCS-Schienenknoten ausgerüstet. „Wir können zum internationalen Industriechampion werden, an dem sich Eisenbahnen anderer Länder orientieren“, sagte der Infrastruktur-Vorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla, nach der Sitzung der Partner im politisch besetzten sogenannten Lenkungskreis. Die Bahn will mit der digitalen Leittechnik mit 20 Prozent mehr Zügen fahren, diese können dann in geringerem Abstand als heute unterwegs sein.

Stuttgart: Wegbereiter und Pilotregion für Digitalisierung

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nannte die Region Stuttgart einen „Wegbereiter und zugleich Pilotregion für die Digitalisierung des deutschen Schienenverkehrs“. Es sei wichtig für die Stadt, gut und zukunftsfähig in den deutschen und europäischen Schienenverkehr eingebunden zu sein. „Und es wäre ein Treppenwitz der Geschichte gewesen, wenn ein solch teures Großprojekt mit veralteter Technik gebaut worden wäre“, sagte er.

Letzte Hürde auf dem Weg zu ETCS in Stuttgart war eine Förderung des Bundes gewesen, um die Züge entsprechend ausrüsten zu können. Die Frage, ob im Rahmen der Einführung von ETCS neben der Ausstattung der Schienen auch der Einbau der entsprechenden Technik in die Fahrzeuge vom Bund bezuschusst wird, war heftig diskutiert worden. Nach der neuen Vereinbarung wird der bisher im Finanzierungsvertrag des Projektes für die Leit- und Sicherungstechnik veranschlagte Betrag in Höhe von 160,5 Millionen Euro als pauschaler Kostenanteil für die Digitalisierung genutzt. Das allerdings dürfte nicht reichen. Deshalb übernehmen Bund und Bahn Kosten, die darüber hinaus gehen.

Nicht alle sind optimistisch

Der Optimismus der Projektpartner wird nicht von allen geteilt: „Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass alle Erwartungen erfüllt werden“, sagte Matthias Lieb vom ökologischen Verkehrsclub VCD. Es sei keinesfalls sicher, dass die Verspätungen abgebaut und zusätzlich weitere Zugfahrten durch den S-Bahntunnel möglich seien, sagte er. Ohne eine Alternative zu einem eventuell defekten ETCS sei die Aussicht auf eine pünktliche Bahn und zusätzliche Kapazitäten eine „nicht erfüllbare Wunschvorstellung“.

Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm umfasst Stuttgart 21 und die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm. Nach letzten Schätzungen soll es 8,2 Milliarden Euro kosten. Im Finanzierungsvertrag waren im Jahr 2009 noch 4,5 Milliarden Euro festgelegt worden.

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