Stuttgart 21-Erörterung Tunnel-Alternative für Airport-Anschluss

Zum Flughafen sollen mit Stuttgart 21 neben der S-Bahn Fernzüge fahren. Foto: Horst Rudel

Die Pläne im Projekt Stuttgart 21 sehen die Führung der Gäubahn über die S-Bahngleise an den Flughafen vor. Ein neuer Tunnel, den Verkehrs-Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) vorschlägt, erscheint Kritikern des Projekts als möglicher Kompromiss.

Leinfelden-Echterdingen/Stuttgart - Die beim Bahnprojekt Stuttgart 21 verfolgten Pläne zum Anschluss der Gäubahn an den Landesflughafen könnten eine Wende erfahren. Bei der Erörterung der geplanten Anbindung gerieten am Donnerstag im Messe-Kongresszentrum zwei Varianten in den Blick.

 

Bei S 21 soll die Gäubahn über eine neue Verbindungskurve von der Hauptstrecke in Stuttgart-Rohr durch den Wald zu den bestehenden S-Bahngleisen Richtung Airport verlaufen. Die heiß diskutierten Varianten sind der sogenannte „Bilger-Tunnel“ zwischen Böblingen und dem Airport und die Weiternutzung der bisherigen Stecke über den Stuttgarter Westen. Sie würde in einem Zusatzhalt am S-21-Tiefbahnhof enden und bekam am Donnerstag den Namen „Hermann-Lösung“. Steffen Bilger (CDU) ist Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Winfried Hermann (Grüne) Verkehrsminister des Landes.

Schutzgemeinschaft hat Vorbehalte

Die Bahn lehnt beide Varianten ab. Der Bilger-Tunnel wurde im Rahmen des Deutschlandtakts entwickelt, hinter dem ein Taktfahrplan mit festen Umsteigezeiten in wichtigen Bahnhöfen und das Ziel einer Fahrgastverdoppelung stehen. Er weist über 2025 – wenn Stuttgart 21 in Betrieb gehen soll – hinaus. „Ich will den Tunnel nicht ausschließen“, so der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne), der Deutschlandtakt sei eine politische Entscheidung. Um die Gäubahnverbindung Singen-Stuttgart entscheidend zu beschleunigen, brauche man die Bilger-Röhren aber nicht, es genügten Neigetechnik-Züge auf der bisherigen Strecke. „Der Tunnel ist Beleg für die Mängel der Bahnplanung auf den Fildern mit dem Mischverkehr von S- und Fernbahn“, sagte Gastel.

Die Schutzgemeinschaft Filder hat Vorbehalte. „Wir lehnen den Tunnel nicht von vornherein ab“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Frank Distel, die Lösung sei jedenfalls besser als der geplante Mischverkehr auf der S-Bahnstrecke. Am besten sei aber der Erhalt der bisherigen Strecke zum Hauptbahnhof. Der Tunnel sei „eine gute und zukunftsfähige Lösung für Leinfelden-Echterdingen und die ganze Region“, sagte Eva Noller, Erste Bürgermeisterin der Stadt. Walter Bauer, SPD-Fraktionsvorsitzender aus Filderstadt, schloss sich an, die S-21-Lösung gefährde den Nahverkehr in der Region.

Anwalt der Bahn: Beibehalt der alten Strecke „romantische Vorstellung“

Die S-21-Projektgesellschaft lehnt den Tunnel ab. Man gewinne mit ihm zwar „entscheidende Minuten für den Deutschland-Takt“, das sei für S 21 aber kein Thema, der Bau führe zu „erheblichen Mehrkosten“, so Florian Bitzer vom S-21-Projekt. Bezahlt würde er allerdings vom Bund und nicht aus dem S-21-Finanztopf. Bilger hatte für den Tunnel Kosten von rund einer Milliarde Euro genannt. Die Ergänzungsstation von Hermann am S-21-Tiefbahnhof sei für die Gäubahn „deutlich nachteilig“, so Bitzer, die S-21-Planung „das Optimum“. Peter Schütz, Anwalt für die Bahn, nannte den Beibehalt der alten Strecke eine „romantische Vorstellung“. Man gewinne mit dem Anschluss des Flughafens 5000 Reisende täglich. Schütz verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Bahn habe dazu bestellte Gutachten vorgelegt. „Wir sind kein CDU-Kungelverein und beeinflussen unsere Gutachter nicht unsachgemäß“, so Schütz.

Über die S-21-Pläne für die Gäubahn entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt (Eba). Das Regierungspräsidium (RP) liefert der Bundesbehörde den Bericht zur Erörterung. „Die Tunnelvariante wäre schon die bessere Lösung“, sagte Gertrud Bühler, die die Erörterung leitete. Sie werde aber „nicht per Handauflegen gebaut“. Bei einer Milliarde Euro Kosten müsse man die Variante ausschließen.

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