Stuttgart 21 Filderplanung ist zwei Jahre in Verzug

Von Thomas Braun 

Die Bahn hat neue Pläne für die Flughafenanbindung eingereicht. Der ursprüngliche Baubeginn 2013 ist rein rechnerisch kaum zu halten.

Inoffiziell räumt die Bahn Verzögerungen ein. Foto: dpa
Inoffiziell räumt die Bahn Verzögerungen ein. Foto: dpa

Stuttgart - Die Deutsche Bahn hat dieser Tage neue Unterlagen für den Planfeststellungsabschnitt 1.3 zwischen Rohrer Kurve und dem Flughafen einschließlich des Filderbahnhofs - beim Eisenbahnbundesamt (Eba) eingereicht. Das hat die Behörde bestätigt. Zur Dauer des Genehmigungsverfahrens wollte ein Sprecher des Eba allerdings keine Prognose abgeben. Damit ist weiterhin völlig offen, wann das vorgeschriebene Erörterungsverfahren beginnen wird.

Die Landesregierung hatte das Thema auf die Tagesordnung der kürzlich von der Bahn einseitig abgesagten Sitzung des Lenkungskreises setzen lassen. Doch bei den Bahnverantwortlichen war die Neigung gering, vor der für den 27. November anberaumten Volksabstimmung zum Thema Stuttgart 21 eine offene Flanke zu bieten. Gemäß den eigenen Vorgaben hinkt der Konzern, wie berichtet, bei diesem für die Flughafenanbindung zentralen Streckenabschnitt seinen eigenen Zeitplänen um mindestens zwei Jahre hinterher. Schon für das erste Quartal 2011 war demnach die rechtskräftige Baugenehmigung vorgesehen, mit den Ausschreibungen der Bauaufträge wollte die Bahn ebenfalls im Lauf des Jahres begonnen haben. Der eigentliche Baubeginn war für das Jahr 2013 avisiert.

Baubeginn erst 2016/2017?

Bisher ist allerdings noch nicht einmal das dem Planfeststellungsbeschluss vorangehende Verfahren angelaufen. Projektsprecher Wolfgang Dietrich hatte gegenüber der StZ dennoch erklärt, die Bahn liege im Plan. Inoffiziell räumt die Bahn allerdings sehr wohl Verzögerungen ein: Weil gleich zwei Bundesverkehrsminister, der SPD-Mann Wolfgang Tiefensee und der CSU-Amtsinhaber Peter Ramsauer, sich schwertaten, die notwendige Ausnahmegenehmigung für den ICE-Verkehr auf der S-Bahn-Strecke zu erteilen, seien die Zeitpläne ins Rutschen geraten.

Der ursprüngliche Baubeginn 2013 ist rein rechnerisch kaum zu halten, im schlimmsten Fall könnte das Verfahren bis zur rechtskräftigen Baugenehmigung wie etwa beim Abschnitt Filderbereich bis Wendlingen sogar dreieinhalb Jahre dauern. Bei einer von der Bahn auf sechs Jahre kalkulierten Bauzeit wäre ein Baubeginn dann erst 2016/2017 möglich.

Bahn will Termine einhalten

Die Folge: Bahnreisenden aus Richtung Singen bliebe der versprochene direkte Weg zum Flughafen weit über das ursprünglich angepeilte Fertigstellungsjahr 2019/2020 hinaus verwehrt. Sie müssten wie bisher via Gäubahn über den Kopfbahnhof und dann von dort aus per S-Bahn weiter zum Airport fahren.

Der Kopfbahnhof müsste bis zur Fertigstellung des Streckenabschnitts parallel zum neuen Tiefbahnhof weiter betrieben werden, die städtebauliche Neuordnung müsste folgerichtig vertagt werden. Die verzögerungsbedingten Mehrkosten würden den Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro für das Gesamtprojekt Stuttgart 21 unweigerlich sprengen, glaubt zumindest der grüne Teil der neuen Landesregierung.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat nicht zuletzt deshalb in einem Brief an Bahn-Chef Rüdiger Grube die Fortsetzung der unterbrochenen Lenkungskreissitzung gefordert. Es müsse geklärt werden, ob die Bahn bereit ist, diese und andere mögliche Mehrkosten allein zu tragen. Doch der Konzern will erst nach der Volksabstimmung Farbe bekennen.

Das Kalkül der Bahn: sollte der Urnengang eine Mehrheit für die Fortsetzung des Projekts ergeben, sähe sich die Regierung zur Kooperation gezwungen. Bis dahin bleibt die Strategie im Ungefähren. Auf die Anfrage der StZ, welche Möglichkeiten es gebe, den eingetretenen Zeitverlust aufzuholen, teilte das S-21-Kommunikationsbüro lediglich mit, die Bahn gehe davon aus, dass eine termingerechte Inbetriebnahme nicht gefährdet sei. Dazu seien "entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht" worden.