Stuttgart 21 Filderstadt blickt mit Sorge aufs Bahn-Konzept

Von Natalie Kanter 

Erhebt nun auch eine zweite Filderkommune seine Stimme gegen das Bahn-Konzept? Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub trifft sich mit Amtskollege Roland Klenk aus Leinfelden-Echterdingen. Inhalt des Gesprächs: das S-21-Konzept auf den Fildern und die kritische Expertise von Gutachter Hohnecker.

Wird das Bahnprojekt Stuttgart 21 auf der Filderebene zu Lasten der S-Bahn realisiert? Diese Frage treibt nun bereits zwei Städte um. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Wird das Bahnprojekt Stuttgart 21 auf der Filderebene zu Lasten der S-Bahn realisiert? Diese Frage treibt nun bereits zwei Städte um. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Filderstadt - Christoph Traub hat die jüngste Berichterstattung über das Stuttgart-21-Konzept auf den Fildern sehr genau verfolgt. Der Filderstädter Oberbürgermeister beschreibt seinen derzeitigen Gemütszustand dazu als „zumindest besorgt“. Denn: Das Bahnprojekt dürfe in keinem Fall zu Lasten der Filder-S-Bahn realisiert werden. „Wir als Stadt sind an einem funktionierenden öffentlichen Nahverkehr interessiert“, sagt er. Filderstadt habe sich hierbei durch Stuttgart 21 eigentlich Verbesserungen erhofft – und keine Verschlechterungen.

Am Dienstag, 15. Oktober, wird sich Traub mit Roland Klenk, dem Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, treffen. Der Filderstädter Rathauschef will sich von seinem Amtskollegen erläutern lassen, wo genau die Kritikpunkte liegen. Also welche Mängel der von L.-E. beauftragte Gutachter Eberhard Hohnecker tatsächlich festgestellt habe. „Dieser Austausch war mir und dem Filderstädter Gemeinderat ein Anliegen“ sagt er.

Keinen Tag verlieren

Traub wird wenig später die Fraktionsvorsitzenden über die in dem Gespräch gewonnenen Erkenntnisse informieren, damit auch die Stadt Filderstadt möglichst bald zu einer Haltung finden kann. Denn: „Wenn wir noch eine Chance haben wollen, unsere Stimme zu erheben, dürfen wir keinen Tag verlieren.“ Schließlich befinde man sich nicht am Anfang der Planung, sondern mitten im Planfeststellungsverfahren. Möglicherweise hat Leinfelden-Echterdingen in Filderstadt also einen Verbündeten gefunden.

Eberhard Hohnecker hat bekanntlich im Auftrag der Stadt L.-E. das Stuttgart-21-Konzept auf den Fildern untersucht und dabei Mängel festgestellt. Er wirft den Planern vor, keine Zukunftsoptionen für die Filder-S-Bahn untersucht zu haben. Das Projekt würde auf deren Kosten realisiert, sagt er. Hohnecker schlägt bauliche Veränderungen wie ein viertes Gleis am Flughafen vor.

Die Kommune Leinfelden-Echterdingen lehnt das S-21-Konzept auf der Filderebene deshalb nun wegen fehlender Zukunftsfähigkeit ab und hat ein entsprechendes Schreiben an das Regierungspräsidium geschickt, welches derzeit mitten im Anhörungsverfahren steckt. Bei diesem Schreiben handele es sich um eine ergänzende Stellungnahme der Stadt, wie eine Sprecherin des RP erklärt. Es wird also noch berücksichtigt, obwohl die Einspruchsfrist bereits abgelaufen ist.

Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen waren sich bereits bei der von der Bahn geplanten S-Bahn-Sperrung einig. Beide Städte kritisieren, dass wegen der Arbeiten am Flughafen die Verbindung nach Bernhausen etwa ein Jahr gekappt werden soll. Leinfelden-Echterdingen hat sich zudem bereits erfolgreich für einen besseren Lärm-, Erschütterungs-, und Brandschutz eingesetzt. Die Kommune wendet sich auch gegen das in L.-E. geplante Bodenlager. 50 000 Kubikmeter an Erdaushub von der Roher Kurve sollen auf einem Feld zwischen Oberaichen und Musberg zwischengelagert werden.

Bahn will keinen Kommentar abgeben

Die Bahn selbst möchte das Ganze zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Sie beruft sich auf das laufende Planfeststellungsverfahren. Ein Projektsprecher schreibt unserer Zeitung auf Nachfrage lediglich: „Die Vorhabenträgerin wird die Stellungnahme der Stadt Leinfelden-Echterdingen und die gutachterliche Stellungnahme von Universitätsprofessor Dr. Ing. Eberhard Hohnecker prüfen und dazu im laufenden Anhörungsverfahren gegenüber der Anhörungsbehörde Stellung nehmen.“

Jürgen Wurmthaler, der Verkehrsdirektor des Verbands Region Stuttgart (VRS), ist sich derweil sicher, dass die Bahn aus der ersten Anhörung, die es zu dem S-21-Konzept auf der Filderebene bereits gegeben hat, gelernt und nun sehr genau darauf geachtet habe, dass ihre Unterlagen belastbar seien. „Wir gehen davon aus, dass die Bahn gut dasteht und auf den Fildern eine gute Mobilitätsdrehscheibe entstehen wird“, sagt er. Wurmthaler spricht sich gegen weitere Verzögerungen aus: „Es sollte auch im Interesse der Stadt Leinfelden-Echterdingen sein, dass wir durch das Verfahren nun gut und schnell durchkommen“, sagt er.

Einen Erörterungstermin gibt es weiterhin nicht. Zunächst war vom Herbst 2019 die Rede, nun soll die Anhörung im kommenden Jahr über die Bühne gehen.