Stuttgart 21: Fildertunnel Widerstand gegen Betonwerk

Von Markus Heffner 

Für den Bau des zehn Kilometer langen Fildertunnels will die österreichische Porr-Gruppe ein zweites Betonwerk bauen, das nicht Bestandteil der Planfeststellung ist.

In der Bildergalerie dokumentieren wir die Historien des Projekts. Foto: dpa 32 Bilder
In der Bildergalerie dokumentieren wir die Historien des Projekts. Foto: dpa

Stuttgart - Für den Bau des zehn Kilometer langen Fildertunnels muss offenbar ein zweites Betonwerk gebaut werden, das nicht Bestandteil der Planfeststellung ist. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung verhandelt die österreichische Porr-Gruppe, die im Juli 2011 von der Deutschen Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 den Zuschlag für den Fildertunnel erhalten hat, derzeit mit Landwirten und Grundstückseigentümern im Stadtbezirk Plieningen über mögliche Flächen. Geprüft werden offenbar drei bis vier verschiedene Standorte in Autobahnnähe. Die Stadt Stuttgart als Projektpartner ist bisher nicht in die Standortsuche involviert. „Bei uns liegt keine offizielle Anfrage vor“, erklärte der Stadtsprecher Andreas Scharf am Dienstag auf Anfrage. Grundsätzlich könne Ackerland aber nicht einfach in Bauland umfunktioniert werden. Zudem müssten die Immissionsschutzgesetze beachtet werden.

Benötigt wird das zusätzliche Betonwerk, weil der Fildertunnel nach der Genehmigung durch das Eisenbahnbundesamt statt in herkömmlicher Sprengtechnik nun mit einer Vortriebsmaschine gebaut werden kann. Der Plan sieht vor, die erste Röhre vom Fasanenhof in Richtung Stuttgarter Innenstadt zu bohren, die Maschine dort in einer Wendekaverne zu drehen und die zweite Röhre in entgegengesetzter Richtung zu bauen. Verschalt wird der Tunnel bei dieser Technik mit so genannten Tübbingen, also Betonsegmenten, die Ringweise eingesetzt werden. Gefertigt werden sollen die Segmente direkt vor Ort, wofür ein eigenes Betonwerk gebaut werden müsste.

Standort gesucht

Der Bezirksbeirat Plieningen, der das Thema jüngst diskutiert hat, befürchtet dabei den Verlust weiterer Grünflächen und Felder sowie zusätzlichen Schwerlastverkehr im Stadtbezirk. „Wir möchten nicht, dass uns still und heimlich ein Betonwerk ins Landschaftsschutzgebiet oder auf unsere Felder gesetzt wird“ betont Ulrich Berger, Sprecher der SPD-Fraktion.

Dass die Firma Porr aktuell in Plieningen nach einem Standort für eine solche Fabrikationsstätte sucht, bestätigt die Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 auf Anfrage. „Es sind mehrere Optionen in der engeren Wahl, die derzeit abgestimmt werden“, so ein Sprecher. Geprüft wurde dabei offenbar ein Baufeld zwischen der A 8 und der Schelmenwasenstraße am Echterdinger Ei (siehe Grafik 1), das aber zu klein ist und zudem der Neubaustrecke der Stadtbahnlinie U 6 im Weg stehen würde, so Berger. Ein zweiter Standort etwas weiter östlich im Gewann Hattenbach (siehe Grafik 2), der ebenfalls geprüft wurde, würde im Landschaftsschutzgebiet liegen. Als favorisierte Variante gilt daher ein zehn Hektar großes Gelände an der L 1192 auf Höhe der Landesmesse (siehe Grafik 3). Die Flächen sind größtenteils in Privatbesitz und werden von verschiedenen Landwirten bewirtschaftet, ein Teil des Geländes ist als Ausgleichsfläche für die Messe ausgewiesen. Die gefertigten Betonsegmente, insgesamt etwa 50 000, müssten während der Bauzeit von dort über Plieningen zum Tunnelportal gefahren werden. Laut Planfeststellung habe der Transport aber über die Schelmenwasenstraße im Fasanenhof zu erfolgen, erklärt Ulrich Berger.

Gespräche mit dem Ortsobmann

Tatsächlich ist in der Planfeststellung für den Fildertunnel lediglich ein Betonwerk direkt am Tunnelportal im Gewerbegebiet Fasananhof vorgesehen. Die zweite Produktionsstätte für die Innenverschalung, die nun zusätzlich gebaut werden soll, ist nicht darin enthalten. Trotzdem ist der Vorgang bisher weder im Stuttgarter Rathaus noch beim Bezirksamt Plieningen angekommen. Er habe keine offizielle Anfrage über eine Standortsuche für ein betonwerk auf Plieninger Fläche auf dem Tisch, so der Bezirksvorsteher Edgar Hemmerich.

Gespräche geführt haben die Firmenvertreter bisher offenbar nur mit dem Plieninger Ortsobmann Helmut Gehrung, der jedoch von den vorgeschlagenen Standorten wenig hält. Es sei nicht vorstellbar, freie Felder für zehn Jahre zu ruinieren. Die Erfahrungen aus dem Bau der Autobahn, des Flughafens und der Landesmesse hätten außerdem gezeigt, so Gehrung, dass die Rekultivierung der Flächen viel Geld koste und die jetzige Qualität der Böden dennoch nicht mehr zu erreichen sei.

Der Ortsobmann schlägt daher einen weiteren Standort vor, eine fünf Hektar große „Insel“ an der Landstraße zwischen Plieningen und Echterdingen auf Höhe des Messeparkhauses. Das Gelände gehöre überwiegend der Bahn, so Gehrung. Zudem habe auch die Baufirma signalisiert, trotz etwas weiterer Anfahrt mit dem Standort einverstanden zu sein. Offenbar wird diese Variante aber von der Bahn abgelehnt, weil das Gelände im Baugebiet der Fildertrasse liegt.