Stuttgart 21 Freier Blick auf das Baufeld im Schlossgarten

Von Markus Heffner 

Die Bahn hat am Planetarium eine Aussichtsplattform aufgestellt. In drei Wochen sollen die Arbeiten an der Grundwasseranlage weitergehen.

Die Aussichtsplattform bietet eine neue Sicht auf S 21. Foto: Achim Zweygarth 44 Bilder
Die Aussichtsplattform bietet eine neue Sicht auf S 21. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Ohne Protestaktionen lässt sich beim Bahnprojekt Stuttgart 21 nichts in Betrieb nehmen – auch bei der Eröffnung einer Aussichtsplatt­form hat es am Freitagmittag nicht an entsprechender Begleitmusik im Mittleren Schlossgarten gefehlt. Dort, direkt am Planetarium, hat die Bahn nun ein Metallgerüst mit Tafeln über das Projekt und die Bodenbeschaffenheit im Talkessel aufgestellt, drei Infocenter am Stuttgarter Flughafen, an der Neubaustrecke und am Ulmer Hauptbahnhof sollen folgen.

Von der Plattform im Schlossgarten können Befürworter und Projektgegner nun gleichermaßen das Baufeld und die Arbeiten inspizieren. Freie Sicht haben die Besucher auch auf die Grundwassermanagementanlage, an der, wie berichtet, seit Donnerstag nach einem Beschluss des Eisenbahn-Bundesamtes (Eba) weitergebaut werden darf. Die Bahn brauche nun drei Wochen Zeit, um die Baustelle hoch­zufahren, sagt Projektsprecher Wolfgang Dietrich. Einerseits müssten die anstehenden Maßnahmen im Stadtgebiet mit der Polizei und dem Ordnungsamt abgestimmt werden. Vom 5. November an werde die Bahn zudem unter anderem auch die Bürger in den betroffenen Stadtteilen informieren, beispielsweise im Kernerviertel.

Bis wann die Grundwasseranlage fertig gestellt ist und in Betrieb gehen kann, lässt sich laut Dietrich derzeit nicht genau absehen. Die Arbeiten waren im Dezember 2011 durch ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in Mannheim gestoppt worden, der einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) stattgegeben hatte. Grund dafür waren fehlende Artenschutzmaßnahmen bei der Umplanung der Anlage, laut EBA sind diese Auflagen nun erfüllt worden.

Juchtenkäfer in Platanen nachgewiesen

Der BUND hält das nachträgliche Verfahren, bei dem die Umweltschutzorganisation angehört werden musste, derweil für eine Farce. Durch die Fällung der Bäume im Schlossgarten seien zuvor bereits vollendete Tatsachen geschaffen worden, so der Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. Da es somit auch keine Konfliktpunkte mehr gebe, werde der BUND den Beschluss des Eba auch nicht mehr anfechten. Allerdings bestehe der Verband auf dem Schutz und Erhalt zweier Großplatanen am Ferdinand-Leitner-Steg und der Grundwasseranlage, in denen laut aktueller Auskunft des Eba Juchtenkäferpopulationen nachgewiesen worden seien, so Frieß: „Das fordern wir als Kompensation für die mit der Zentralisierung verbundenen zusätzlichen 800 Quadratmeter Flächenverbrauch.“

Bahn will Einwendungen prüfen

Gleichzeitig hält der BUND die in der siebten Planänderung beantragte Entnahmemenge von 6,8 Milliarden Liter Grundwasser für nicht genehmigungsfähig und fordert einen Baustopp. Die Umweltschützer sehen durch die Verdoppelung der Menge das Mineralwasser und den Baumbestand gefährdet. Zudem, so die Befürchtung, könnten durch den Druckverlust im Boden angrenzende Hänge ins Rutschen geraten, wodurch wiederum die Gefahr bestehe, dass Häuser beschädigt werden.

Die Bahn nehme alle Einwendungen ernst und werde die angeführten Argumente von Experten prüfen lassen, erklärt dazu Projektsprecher Wolfgang Dietrich. „Wir sehen dem gelassen entgegen.“ Im November werde man eine erste Stellungnahme zu den wesentlichen Einwendungen der Träger öffentlicher Belange abgeben.