Stuttgart 21 Gegner erinnern mit Demo an „Schwarzen Donnerstag“

Von Georg Linsenmann 

Viele Demonstranten haben am Samstag den sofortigen Ausstieg aus dem Bahnprojekt Stuttgart 21 gefordert. Dabei wurde an den rechtswidrigen Polizeieinsatz am „Schwarzen Donnerstag“ erinnert und der Bogen zu den aktuellen Protesten im Hambacher Forst geschlagen.

Mit Transparenten erinnerten die Stuttgart-21-Gegner an den „Schwarzen Donnerstag“ vor acht Jahren. Foto: Max Kovalenko 10 Bilder
Mit Transparenten erinnerten die Stuttgart-21-Gegner an den „Schwarzen Donnerstag“ vor acht Jahren. Foto: Max Kovalenko

Stuttgart - „Wir vergessen nicht!“ Diese von einem Demonstranten hochgehaltene Parole war zum 8. Jahrestag des „Schwarzen Donnerstag“ das Leitmotiv der Demonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21, die am Samstag am Hauptbahnhof stattfand. Vor acht Jahren hatte die Polizei eine Demonstration gegen anstehende Baumfällungen im Mittlerem Schlossgarten gewaltsam aufgelöst. Ein Einsatz mit vielen Verletzten, inzwischen amtlicherseits als „rechtswidrig“ aktenkundig.

Nie werde er diesen „bitteren Tag vergessen, an dem eine friedliche Demonstration von der Polizei brutal niedergemacht wurde“, sagte Michel Brandt, Mitglied des Bundestages (Die Linke), als erster von vier Rednern. Wie die anderen Redner, schlug er den Bogen zu den Protesten gegen die Rohdung des Hambacher Forstes, „wo wieder Pfefferspray eingesetzt wird“, und forderte den „sofortigen Ausstieg aus diesem unterirdischen Bahnhofsprojekt“.

Mit großem Beifall wurde Dieter Reicherter begrüßt. „Ich bin sehr beeindruckt, wieviele wieder da sind“, sagte der einstige Richter und Staatsanwalt, und forderte angesichts der „vermummten Täter des Schwarzen Donnerstag“ die Kennzeichnungspflicht von Polizisten und betonte: „Das Unrecht ging von der Polizei aus, die wahren Drahtzieher wurden aber nicht belangt. Noch kürzlich hat Mappus jegliche Verantwortung abgestritten. Er hatte willige Helfer im Staatsministerium und bei der Polizei.“ Es gelte, „weiterzukämpfen, bis das unsinnige S21 gestoppt ist“. Als er „Oben bleiben!“ rief, wurde dies sofort von der Menge skandiert.

Protestzug im Anschluss

Monika Lege von Robin Wood erinnerte daran, dass „Kastanien zu Pflastersteinen erklärt wurden, um den Demonstrierenden Gewaltbereitschaft zu unterstellen“. Der Verkehrsexperte Winfried Wolf beschrieb in einer leidenschaftliche Rede den „desolaten Zustand“ der Bahn AG samt eingestandener Finanzmisere, verwies auf eine an den Bundestag adressierte Anzeige „S21 stoppen“ mit bundesweiter Unterstützung und forderte: „Dieser Spuk muss ein Ende haben!“

An die Kundgebung schloss sich ein ebenfalls friedlicher Protestzug an, der beim Start die Schillerstraße von der Adenauer Straße bis zum Bahnhof füllte. 2000 Teilnehmer waren es laut Veranstalter, laut Ralf Perrey, dem Einsatzleiter der Polizei, „wahrscheinlich nicht ganz soviele“. Später legte sich die Polizei auf 1100 Personen fest. Einmal mehr dabei war Ernest Petek, der sagte: „Ich gehe seit 1995 gegen Stuttgart 21 auf die Straße. Ich werde das machen, bis es gestoppt ist.“ Der Demonstrationszug endete am Marktplatz mit einem ohrenbetäubenden „Schwabenstreich“.