Stuttgart 21 im Sulzbachtal Protestfreier Brückenbau im Sulzbachtal

Von Markus Heffner 

Direkt neben der A 8 wird derzeit bei Denkendorf eine gewaltige Eisenbahnüberführung über das Tal gerollt, die später Teil der Hochgeschwindigkeits-Strecke für das Bauprojekt Stuttgart 21 sein soll.

Die Hälfte der 370 Meter langen Brücke haben die Arbeiter demnächst geschafft. Weitere Eindrücke von der Baustelle zeigen wir in der Fotostrecke. Foto: Achim Zweygarth 5 Bilder
Die Hälfte der 370 Meter langen Brücke haben die Arbeiter demnächst geschafft. Weitere Eindrücke von der Baustelle zeigen wir in der Fotostrecke. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Während die Arbeiten an den einzelnen Tunnelbauten von Stuttgart 21 unüberhörbar vom anhaltenden Protest der Projektgegner begleitet werden, wie zuletzt etwa der Schwertransport eines tonnenschweren Bohrteils für den Fildertunnel, wächst an anderer Stelle derzeit fast unbemerkt ein Bauwerk Meter um Meter: die Sulzbachtalbrücke, die zum Planfeststellungsabschnitt 1.4 gehört. Jenem vergleichsweise entlegenen und offenbar wenig beachteten Teilstück von Stuttgart 21 also, das südlich der Autobahn 8 direkt in die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm übergeht.

Knapp 370 Meter lang ist die zweigleisige Eisenbahnüberführung, die sich neben der A 8 bei Denkendorf in fast 40 Meter Höhe über das Sulzbachtal spannt. 2000 Tonnen Stahl und 14 000 Kubikmeter Beton müssen für die Brücke angeliefert werden, die seit Oktober vergangenen Jahres im sogenannten Taktschiebeverfahren Stück für Stück über ihre sechs Stützpfeiler geschoben wird. Bei diesem speziellen Verfahren, das vorzugsweise beim Überbrücken von tiefen Tälern eingesetzt wird, werden die einzelnen Brückenabschnitte direkt aneinander betoniert und mit Hilfe von Hydraulikhebern, eines Vorbauschnabels aus Stahl und speziellen Teflonrollenlagern aus der Schalung über das Tal geschoben.

Die Stützpfeiler gründen 30 Meter tief

In dreizehn Takte aus Betonieren und Schieben haben die Ingenieure den auf sechs Monate veranschlagten Brückenbau im Sulzbachtal eingeteilt, etwa die Hälfte der Strecke ist demnächst bereits geschafft. Projektgegner wurden seit dem Baubeginn bisher kaum im Bereich der Baustelle gesichtet, allenfalls Spaziergänger und Hundebesitzer, die ihren Vierbeiner durch das idyllische Tal springen lassen.

Gebaut wird die Sulzbachtalbrücke von der Adam Hörnig Gruppe mit Sitz in Aschaffenburg, die im Oktober 2011 den Auftrag von der Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 bekommen hatte. „Wir sind bisher im Zeitplan“, so ein Firmensprecher. Knapp 9,5 Millionen Euro sind für das zweigleisige Eisenbahnbauwerk veranschlagt, dessen Entwurf an der bereits bestehenden Autobahnbrücke ausgerichtet wurde. Aufwendig sei vor allem die Gründung der Stützpfeiler gewesen, deren Fundamente bis zu 30 Meter tief in den sumpfigen Untergrund versenkt werden mussten, weil die Knollenmergelschicht weiter oben nicht trage, so einer der Bauüberwacher: „Das ist vergleichsweise tief.“

Der Weg der Brückenelemente

Die Überführung wird Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke

Die fertige Strecke soll dafür vergleichsweise schnell sein: Der Planfeststellungsabschnitt 1.4, zu dem die Eisenbahnüberführung im Sulzbachtal gehört, ist Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf der die Züge mit bis zu 250 Stundenkilometern unterwegs sind. Er ist zehn Kilometer lang und führt von der Ortsgrenze der Landeshauptstadt am östlichen Rand des Flughafen-Rollfelds bis zur Neckarquerung bei Wendlingen. Neben drei kurzen Eisenbahnüberführungen werden in dem Abschnitt auch noch eine 175 Meter lange Brücke über das Denkendorfer Tal sowie ein 768 Meter langer Tunnel gebaut, der auf Höhe der Raststätte Denkendorf die Autobahn unterquert. Der Planfeststellungsbeschluss für diesen Streckenabschnitt liegt der Bahn seit April 2008 vor. Die veranschlagte Bauzeit beträgt fünf Jahre.