Stuttgart 21 in Leinfelden-Echterdingen Hauptproblem ausgeklammert

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Die Bürger laufen seit Jahren Sturm gegen die Planung, den aus Süden kommenden Bahn-Fernverkehr auf die bestehende S-Bahn-Strecke zu legen.

Die Bürger von Leinfelden-Echterdingen wollen keinen Fernverkehr auf der S-Bahn-Trasse. Foto: ddp
Die Bürger von Leinfelden-Echterdingen wollen keinen Fernverkehr auf der S-Bahn-Trasse. Foto: ddp

Stuttgart - Dass die Stuttgart-21-Projektpartner Bahn und Land – wie berichtet – glauben, eine neue, deutlich bessere Variante für den Bahnhof am Flughafen gefunden zu haben, erstaunt kommunale Mandatsträger in der Markungsgemeinde Leinfelden-Echterdingen. Die nun greifbar erscheinende Veränderung der von Verkehrsminister Winfried Hermann wie von der Bahn selbst als suboptimal erkannten bisherigen Pläne findet dort Wohlwollen: „Das geht in die richtige Richtung“, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk.

Bürger wollen keinen Bahn-Fernverkehr auf S-Bahn-Strecke

Seine Einschätzung deckt sich mit Bewertungen der Sprecher der Gemeinderatsfraktionen. Die bemängeln aber auch, dass die Projektpartner das Hauptproblem in Leinfelden-Echterdingen ausgeklammert hätten. Das befinde sich nicht am Flughafen. Die Bürger laufen vielmehr seit Jahren Sturm gegen die Planung, den aus Süden kommenden Fernverkehr auf dem Abschnitt zwischen Rohr und Flughafen zusätzlich auf die bestehende S-Bahn-Strecke zu leiten. Sie befürchten mehr Lärm, zusätzliche Erschütterungen und einen aus dem Takt kommenden S-Bahn-Verkehr. „Für unsere Bürger ist die neue Bewegung am Flughafen deshalb nur am Rande interessant“, kommentiert Joachim Beckmann, der Fraktionsvize der Freien Wähler.„Das beruhigt die Gemüter in der Stadt nicht“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Harry Sand­laß. Die Grünen-Fraktionschefin Ingrid Grischtschenko hat den Eindruck, dass „die Bahn jetzt Mängel korrigieren will, die in der Planung lange Zeit mitgeschleppt wurden“.

Gemeinderat und OB würden sich freuen, wenn die Projektpartner nun auch noch Anlauf nähmen, um den Fern- und Nahverkehr auf dem noch nicht genehmigten Abschnitt auf den Fildern zu entflechten. Sie bleiben jedoch skeptisch, ob es dazu kommt. Die Alternative zur Strecke durch drei dicht besiedelte Stadt­teile  wäre eine – vermutlich mit hohen Kosten verbundene – Trasse entlang der Autobahn. „Wenn der Kostendeckel nicht ­gelupft wird, habe ich nur geringe ­Hoffnung“, sagt Wolfgang Haug (FDP/LE-Bürger).

Vorbereitung auf Filderdialog

Ungeachtet der neuen Entwicklung am Flughafen bereitet sich die von Leinfelden-Echterdingen vor einem knappen Jahr eingesetzte „Arbeitsgruppe Stuttgart 21 im Filderbereich“ auf den für Mai an­gekündigten Filderdialog vor. Am Montagabend haben die Mitglieder dieser Runde aus Kommunalpolitikern, Interessengruppen und Bürgern OB Klenk in seiner Kritik an der Informationspolitik der Stuttgart-21-Projektpartner ausdrücklich bestärkt. Dass die Hauptbetroffenen noch immer nicht in die Vorbereitungen eingebunden sind, wird als stillos und als Bruch der von Bahn und Land aufgestellten Regeln kritisiert. In dem Papier zum Dialogverfahren heißt es dazu, dass Format und Zeitplan „von den Projektpartnern . . . mit den Teilnehmern festgelegt“ werden. Deshalb hält es der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser für „dringend notwendig, dass sich jetzt mal alle Beteiligten an einen Tisch setzen“.Auch aus der Nachbarstadt Filderstadt werden Forderungen an die S-21-Projektpartner formuliert. Der Gemeinderat wünscht sich, dass beim Filderdialog nicht nur Verschlechterungen vermieden, sondern echte Verbesserungen erreicht werden. Die Filderstädter Stadträte wollen bewirken, dass bei den Streckenvarianten nicht nur die Kosten, sondern auch der Nutzen und die Zukunftsfähigkeit in die Bewertung aufgenommen werden. Vertreter der Bahn sollen zu einer Sitzung im April eingeladen werden.