Stuttgart 21 in Obertürkheim Für den Trogbau werden Gleise verschoben

Von Elke Hauptmann 

Die Bauarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 gehen in die nächste Phase. Auf einem 700 Meter langen Teilstück entlang des Uhlbachs werden die Gleise verschoben.

Im  ausgebauten Ulbach wird eine Spundwand eingesetzt und  der einstige Schillerradweg aufgefüllt, damit der provisorische Bahndamm mit  Gleisen verschoben werden kann. Später wird dieser wieder zurückgebaut. Foto: Elke Hauptmann
Im ausgebauten Ulbach wird eine Spundwand eingesetzt und der einstige Schillerradweg aufgefüllt, damit der provisorische Bahndamm mit Gleisen verschoben werden kann. Später wird dieser wieder zurückgebaut. Foto: Elke Hauptmann

Obertürkheim - Die Bauarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 haben mittlerweile deutlich sichtbar Obertürkheim erreicht. Anfang vergangenen Jahres hat sich die Bahn von ihrem Generalunternehmer Porr im Planfeststellungsabschnitt 1.6a (Zuführung Ober-/Untertürkheim) getrennt, „weil wir unzufrieden waren mit der Leistung“, sagte der Teamleiter in diesem Abschnitt, Andreas Dörfel, beim Informationsabend am Mittwoch in der Andreaskirche. Seit die Projektgesellschaft die Planungen übernommen habe, seien bereits zahlreiche Maßnahmen erfolgt. Unter anderem wurden rund 800 Eidechsen entlang des Bahndamms am Imweg eingesammelt und im eigens auf der Feuerbacher Heide errichteten Ersatzhabitat angesiedelt. Das ungenutzte Industriegleis auf der Gebäudeseite wurde entfernt und dort eine Baustraße angelegt, der Uhlbach freigeräumt und neu gefasst, die alte Fußgängerunterführung zum Schillerradweg verfüllt und jüngst ein 90 Meter langer Regenwasserkanal vom künftigen Rettungsplatz am Imweg in Richtung Hafenbahnstraße durchs Erdreich gepresst, zählte Dörfel auf.

In den nächsten Monaten nun soll es auf dem Baufeld „richtig losgehen“, kündigte er an. Auf Höhe der Gewerbegebäude muss ein Trogbauwerk in offener Bauweise errichtet werden – 80 Meter werden überdeckelt, weitere 250 Meter lang wird die Rampe, über die die Züge in den Tunnel vom und zum Stuttgarter Tiefbahnhof geführt werden. Die Röhren der Zuführung werden derzeit vom Zwischenangriff in der Ulmer Straße in Wangen aus bergmännisch vorgetrieben. Jene zwei, die Richtung Obertürkheim abz weigen, sind nicht mehr weit vom künftigen Tunnelportal entfernt. „Es fehlen noch 650 Meter“, so Dörfel.

Außerdem im Video: Wie entstand die Idee für Stuttgart 21? Wie hat sich die Planung seitdem verändert? Was wird das Projekt kosten? Sehen Sie die zehn wichtigsten Fakten im Video.

Um den Trog bauen zu können, sind aufwendige Vorarbeiten erforderlich: Die vier bestehenden Gleise müssen auf einer Länge von 700 Metern verschoben werden. Sie werden nacheinander in Richtung des Uhlbach versetzt. Dafür muss eine Spundwand im Bachbett eingebaut und der Schillerradweg aufgeschüttet werden. Das Baumaterial dafür – rund 6000 Kubikmeter Abraum aus dem Tunnelbau – wird über die Hafenbahnstraße angeliefert. Durch Obertürkheim sollen so gut wie keine Lastwagen rollen, so Dörfel.

Die Wanderbaustelle wird sechs bis neun Monate Bestand haben

Mit den Arbeiten soll im Mai begonnen werden. Die Bauarbeiten werden unter laufendem Bahnbetrieb erfolgen, Beeinträchtigungen seien jedoch nicht zu vermeiden, sagte Dörfel. An einigen Wochenenden werde es zu Zug- und Halteausfällen kommen. „Darüber informieren wir dann zeitnah.“ Erklärtes Ziel ist es, die „Umleitung“ Ende Mai 2019 in Betrieb zu nehmen. Der sich dann anschließende Trogbau wird laut Dörfel etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen. Gleichzeitig werden im Bereich zwischen Tunnelportal und Imweg zwei weitere Gleise verlegt. „Wir kommen dadurch sehr dicht an die Gewerbegebäude heran“, erklärte der Teamleiter. Anwohner sollen künftig durch eine 385 Meter lange Lärmschutzwand geschützt werden. Wann genau sie errichtet wird und wie sie einmal aussehen wird, ist derzeit allerdings offen. Der Bezirksbeirat äußerte den Wunsch, in deren Gestaltung einbezogen zu werden.

Eine aus Sicht der Obertürkheimer „erfreuliche Nachricht“ sei, so Bezirksvorsteher Peter Beier, dass die provisorische Radweg-Umleitung über die Otto-Hirsch-Brücken Ende nächsten Jahres wieder aufgehoben werden könnte – und damit der Weg frei werde für den Bau eines Kreisverkehrs. Die Bahn baut eine neue Querung zum Schillerradweg, die näher an den Ort heranrückt. Die Rampe wird allerdings ein neunprozentiges Gefälle haben – was nicht wenig ist. „Das lässt sich baulich aber nicht anders lösen“, erklärte Dörfel. Die einzelnen Aufträge sollen an mittelständische Unternehmen aus der Region vergeben werden, teilte er mit.

Weniger erfreut hingegen zeigten sich die Obertürkheimer über die im Zuge des Projektes erforderlichen Kanalbauarbeiten in der Augsburger Straße zwischen den Straßen Im Dinkelacker und Am Weinberg. Laut Dörfel soll die Straße ab Sommer in mehreren, jeweils etwa 80 Meter langen Abschnitten aufgegraben werden. Die Wanderbaustelle wird sechs bis neun Monate Bestand haben. Wegen der Arbeiten werden Parkplätze entfallen, an Engstellen temporär Ampeln aufgestellt. Wie Dörfel erklärte, soll es sich aber nur um kurze Phasen handeln. Der Linienbusverkehr wird aufrecht erhalten. Anwohner befürchten durch die Baustelle Schleichverkehr in den Nebenstraßen. Schon heute würde sich der Verkehr in der Augsburger Straße stauen, wenn der Bus am Straßenrand halte, klagten sie. Die Bürgerbeauftragte für Stuttgart 21, Alice Kaiser, bat darum, entsprechende Beobachtungen der Stadt mitzuteilen.

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