Stuttgart 21 in S-Nord Baustellensicherheit geht vor Lärmschutz

Die Gleise auf der Baustelle am Nordbahnhof sind  verlegt: Die Anwohner klagen über den nächtlichen Rangierbetrieb Foto: Zweygarth
Die Gleise auf der Baustelle am Nordbahnhof sind verlegt: Die Anwohner klagen über den nächtlichen Rangierbetrieb Foto: Zweygarth

Vor vollen Zuschauerrängen haben Vertreter der Bahn am Montag im Bezirksbeirat Nord berichtet. Thema war die Baulogistik zu Stuttgart 21. Für die lärmgeplagten Anwohner gab es jedoch kaum Hoffnung auf Besserung.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)
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S-Nord - Volle Bänke am Montagabend im kleinen Sitzungssaal des Rathauses: Viele Bewohner der Gebiete Nordbahnhof, Auf der Prag und Wartberg waren zur Sitzung des Bezirksbeirats Nord gekommen, um zu hören, was die Deutsche Bahn zu sagen hatte. Über die Baulogistik wollte man sprechen, und den Lärmschutz für jene Menschen, die beispielsweise rund um die C2-Fläche am Nordbahnhof leben und die Arbeiten dort aus nächster Nähe miterleben. Vielleicht motivierte die Präsenz der Zuschauer Florian Bitzer, Leiter der technischen Fachdienste beim Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, dazu, sich folgendermaßen vorzustellen: „Es geht mir nur um das Projekt Stuttgart 21, nicht um irgendwelche Gruppierungen.“ Wen er mit „Gruppierungen“ meinte, ließ Bitzer offen. Bettina Bunk, Bezirksbeirätin für die SPD, zumindest konterte: „Aber das funktioniert nicht, ohne die Anwohner mitzunehmen.“

Bitzer und der Bahn-Anwalt Peter Schütz stellten die Termine für die Fertigstellung der Baulogistikstraße vor: Bis Mitte August sei der Abschnitt von der Zufahrt 3 (Z3) an der Rosensteinstraße bis zur C2-Fläche am Nordbahnhof fertiggestellt worden, bis Ende Dezember solle der Abschnitt zwischen den Zufahrten Z3 und Z2 (im Bereich Wolframstraße) fertig sein. Vollständig befahrbar und zweispurig ausgebaut sein soll die Baustraße C bis Ende März, Anfang April 2015. „Der Bau hat sich hingezogen“, gab Bitzer zu, man sei mit der Baulogistik noch nicht so weit wie vorgesehen. Bis zur Inbetriebnahme der Baulogistikstraße würden weiterhin Lastwagen durchs Nordbahnhofviertel fahren.

SPD fordert Lärmschutzmaßnahmen

In einem Antrag fordert die SPD Lärmschutz für die Anwohner im Nordbahnhofviertel. Die Sozialdemokraten regen an, die Pieper, die beim Einlegen des Rückwärtsgangs von Lastwagen aktiv werden, zu ersetzen, Schallschutz an den Gleisen zu installieren, außerdem keine Rangierfahrten nach 20 Uhr und keine helle Baustellenbeleuchtung ab 21 Uhr zu erlauben. Nächtliche Fahrten sowie der nächtliche Einsatz der Signalhörner sollen verboten werden.

„Die Rückwärtspieper sollen ja laut sein, sie weisen auf eine Gefahr für die Fußgänger in diesem Bereich hin“, führte Florian Bitzer dazu aus. Man begehe einen Rechtsverstoß, wenn man sie umgehe, darum seien die Möglichkeiten hier begrenzt. Den nächtlichen Fahrverboten stimmte Bitzer zu, allerdings mit Einschränkungen: „Auf der C-Fläche am Zwischenangriff Nord wird auch die Nacht durch gefahren, außerdem ist Rangierbetrieb an den Gleisen.“ Man prüfe aber, ob eine Gleisschmieranlage möglich sei. Zur Baustellenbeleuchtung könne er ebenfalls keine Zusagen machen: „Das hat viel mit Arbeitssicherheit zu tun. Wir werden aber immer, wenn wir es können, das Licht ausschalten.“

Wo wird das Baumaterial angeliefert?

Da die SPD mit der Beantwortung nicht zufrieden war, hielten Bettina Bunk und Sebastian Sage den Antrag aufrecht und erweiterten ihn, um auch die Anwohner von weiteren betroffenen Nordgebieten, wie Wartberg und Killesberg, in die Lärmschutzmaßnahmen einzuschließen: „Wir wissen jetzt, dass es unter bestimmten Umständen nicht geht. Die Frage ist, ob man die Umstände ändern kann“, sagte Sage. Dieser Antrag fand eine Mehrheit im Gremium. Aus dem Publikum fragte Josef Klegraf, Vorsitzender des Infoladens Stuttgart 21 auf der Prag und ehemaliger Bezirksvorsteher von Nord, nach der Anlieferung von Baumaterial. „Der Planfeststellungsbeschluss befasst sich ausführlich mit der Entsorgung, weniger mit der Anlieferung“, antwortete Florian Bitzer. „Dort, wo die Zulieferung auf der Baulogistikstraße möglich ist, machen wir das – wo nicht, nicht.“

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